1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Meinerzhagen

Kostenexplosion: Meinerzhagener Bäcker in Sorge

Erstellt:

Von: Thilo Kortmann

Kommentare

Die Bäcker mit Herz backen viele Sahnetorten. Diese sind 40 Cent teurer als sonst.
Die Bäcker mit Herz backen viele Sahnetorten. Diese sind 40 Cent teurer als sonst. © Werbeagentur Lüttel

Das Herz des Bäckers schmerzt. Kein Gebäck zu Weihnachten!? Kaum vorstellbar, doch Christian Räbsch, Betreiber von „Bäcker mit Herz“, überlegt angesichts der hohen Energie- und Lebensmittelpreise in diesem Jahr, eventuell erstmalig auf die Produktion des Weihnachtsgebäcks zu verzichten. Das wäre eine Premiere nach acht Jahren am Standort. Aber noch hält es sich das Ehepaar Räbsch offen: „Wir gucken, was noch so kommt. Was in ein paar Monaten sein wird, weiß man ja nicht. Dann entscheiden wir, ob wir überhaupt dieses Jahr Weihnachtsgebäck herstellen“, erklärt Christian Räbsch.

Noch sind es weniger die Energiepreise, die den Bäcker mit Herz belasten. „Unsere Preise für Strom sind vertraglich bis 2023 festgelegt“, sagt Räbsch. Und dank des Wegfalls der EEG-Umlage habe man sogar noch niedrigere Stromkosten als sonst. Was jedoch 2023 komme, das wisse man nicht. Die Bäcker mit Herz sind nicht sehr zuversichtlich, denn: „Nach den Aussagen von Robert Habeck ist es uns flau im Magen geworden.“ Ein viel größeres Problem seien jedoch derzeit die extrem gestiegenen Rohstoffpreise, „die sind im Vergleich von vor drei Monaten noch mal um 20 Prozent gestiegen“.

Wichtiges Produkt der Herzensbäcker an der Zur alten Post 6 sind die Sahnetorten, und die sind wegen der hohen Milchpreise teurer als sonst. „40 Cent kosten unsere Sahnetorten jetzt mehr“, erklärt Räbsch. Dass das seinen Kunden mal so gar nicht schmecke, das spüre er tagtäglich. „Wir kennen unsere Kunden. Dass ihnen diese Preiserhöhungen nicht gefallen, lesen wir jeden Tag an ihren Gesichtern ab.“ Bei den Brötchen liegt der Bäcker mit Herz preislich auf demselbem Niveau wie viele seiner Kollegen auch. 40 Cent für ein normales Brötchen. 95 Cent für ein Käsebrötchen. „Unser Sortiment haben wir aber bereits reduziert“, erklärt Räbsch. Ob es die Plätzchen zur Weihnachtszeit trifft, entscheidet sich dann demnächst.

Reduziertes Sortiment

Auch bei der Bäckerei Voss-Mühle an der Lindenstraße 25 blickt man gebannt auf den Winter, „das wird knackig über die Winterzeit“, blickt Bäckermeister Karl-Jörg Voss voraus. Obwohl er als Obermeister der Bäckerinnung im MK beim Verbandstag des Bäckerinnungsverbandes Westfalen-Lippe erst vor wenigen Tagen erfahren habe, dass die Bundesregierung ein Entlastungspaket plane. „Und trotzdem werden diese Krise einige Kollegen nicht überleben“, ist sich Voss sicher. Insbesondere die treffe es, die sich nicht genug abgesichert hätten.

Seit 1880 wird in der Bäckerei Voss-Mühle Brot gebacken. So hoch wie jetzt waren die Energiekosten noch nie.
Seit 1880 wird in der Bäckerei Voss-Mühle Brot gebacken. So hoch wie jetzt waren die Energiekosten noch nie. © Beil, Jürgen

Er selber habe alle möglichen Sparmaßnahmen in die Wege geleitet, um die Strom- und Gaskosten zu reduzieren, „meine Strompreise haben sich mehr als verdreifacht.“ Sein Gasvertrag mit einer Preisgarantie laufe bei den Stadtwerken noch bis Ende Oktober. Die Sparmaßnahmen von Voss lauten konkret: „Ich mache die Backöfen so spät wie möglich an und so früh wie möglich aus. Zudem sollen die Leerstände der Backöfen so minimal wie möglich gehalten werden.“ Was vermieden werden soll, ist, dass die gestiegenen Kosten zulasten der Kunden gehen, betont er.

So genau wie in diesen Monaten habe ich noch nie zuvor meine Rechnungen für die Materialkosten kontrolliert.

Obermeister Karl-Jörg Voss, Betreiber der Bäckerei Voss-Mühle

Ungewohnt sind auch die hohen Kosten bei den Materialkosten für die Rohstoffe. „So genau wie in diesen Monaten habe ich noch nie zuvor meine Rechnungen für die Materialkosten kontrolliert“, sagt der Bäckermeister. Während die Mehlpreise gerade relativ stabil blieben, würden die Kosten für Butter, Margarine und Käse explodieren. „Früher war es immer ein Level, das bei rund 20 Prozent für die Materialkosten lag“, sagt er. Doch jetzt ändere sich das schlagartig, fügt er hinzu. Auch Karl-Jörg Voss nimmt momentan 40 Cent für ein normales Brötchen, „was aber in zwei Monaten sein wird, weiß ich nicht“.

Die gesamte Branche sei verunsichert wegen der Energie- und Materialkosten, erklärt Voss. Er führt die Bäckerei, die 1880 gegründet wurde, in der fünften Generation. 20 Mitarbeiter sind heutzutage in der Bäckerei angestellt. Auch auf die Frage, ob eventuell das Streichen von Arbeitsplätzen eine Konsequenz aus der Krise sein könnte, antwortet er mit Ungewissheit: „Ich kann nicht in die Glaskugel schauen.“ Wenn man hört, was Wladimir Putin so verkündet, dann gebe es für die Zukunft viele Fragezeichen.

Auch interessant

Kommentare