Vogel kontra Fisch – Kormorane bereiten Sorgen

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Der Kormoran ist auch an heimischen Gewässern auf Beutezug. Einige Experten sind sich sicher: Das Tier schädigt die Fischbestände enorm.

Meinerzhagen - „Wir steuern mancherorts auf eine Katastrophe zu.“ Stefan Jäger ist Vorsitzender der Kormoran-Kommission im Deutschen Fischerei-Verband. Er zieht dieses niederschmetternde Fazit, weil ihm ein Vogel Sorgen bereitet. Es geht um den Kormoran.

Der frisst täglich bis zu 500 Gramm Fisch, kommt auch in Meinerzhagen vor und soll einige Bestände bereits dramatisch reduziert haben.

„Jetzt, da viele Seen zugefroren sind, weichen die Kormorane an Fließgewässer aus – wie eben an die Volme“, weiß der Experte aus Essen. Zu Stefan Jägers Aufgaben gehört unter anderem die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Schäden, die durch die Kormoranbestände in Deutschland verursacht werden. Fische schwimmen auch in der oberen Volme. Doch in diesem Bereich darf der Kormoran nicht geschossen werden. Eine so genannte „letale Vergrämung“, sprich die Tötung, ist hier verboten.

Eine wichtige Rolle in den Gewässern spielt die Äsche. Das Vorkommen dieses immer seltener werdenden Fisches gilt als maßgeblich für die Erlaubnis, Kormorane bejagen zu dürfen. Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, erläutert, warum das so ist: „Die Äsche kommt im Märkischen Kreis – wenn auch nicht überall – in der Volme und in der Lenne vor. Um die zurückgehende Population zu schützen, dürfen Kormorane in Äschenregionen letal vergrämt werden. Wenn beispielsweise ein Angelverein einen entsprechenden Antrag stellt, darf die Untere Landschaftsbehörde beim Märkischen Kreis eine solche Maßnahme genehmigen. Der Verein muss dann jedoch nachgewiesen haben, dass es sich um eine Äschenregion handelt. Und das wird vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen geprüft. Dort gibt es dafür auch einen Diplom-Biologen.“

Siegfried Darschnik ist Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV) Saubere Volme. Der Diplom-Biologe kennt sich mit solchen „Vergrämungs-Anträgen“ aus. Der Club unternahm bereits 2013 den ersten Versuch, eine Abschussgenehmigung für Kormorane zu erwirken. 2014 wurde dieses Ansinnen abgelehnt. Darschnik damals: „Zum einen ist der Kormoran, wenn auch auf einem niedrigeren Level, noch immer geschützt, obwohl er seine Schutzwürdigkeit aufgrund des inzwischen massenhaften Vorkommens eigentlich längst verloren haben müsste. Zum anderen wurde im Bezug auf die Volme auf völlig veraltete Daten zurückgegriffen.“ Ein Jahr später, 2015, folgte der nächste Antrag – diesmal wurde die Abschuss-Erlaubnis erteilt. „Allerdings nur im unteren Volme-Bereich, etwa von Hagen bis zur Einmündung der Glör“, berichtet Darschnik.

In der Volme auf Meinerzhagener Stadtgebiet gibt es keine Äschen, hier verbietet sich die „Vergrämung“ des Kormorans also ohnehin. „Dort kommen allerdings Forellen vor. Deren Bestand hat bereits um etwa 50 Prozent abgenommen. Und die Situation verschärft sich noch weiter, weil die Kormorane den Fluss hinaufziehen. Dorthin, wo es noch Futter für sie gibt. Jetzt sind sie also auch in der Forellenregion angekommen“, bilanziert Siegfried Darschnik.

Unter dem Appetit der Kormorane leidet auch Torsten Scheider, Inhaber der Forellenzucht Wehetal. Aber er hat Vorsichtsmaßnahmen getroffen: „Würde ich das nicht tun, also keine Netze über die Teiche spannen, würden die Kormorane meine Anlage leer machen. Das wäre dann wirklich existenzbedrohend.“ Momentan hat Scheider allerdings Ruhe: „Die Teiche sind zugefroren, da kommen die Vögel sowieso nicht an die Fische heran. Generell ist diese Problematik im Winter aber gravierender als im Sommer.“

Früher hat Torsten Scheider häufig auch lebende kleine Forellen an private Teichbesitzer aus der Region verkauft. „Das ist heute nur noch selten der Fall. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen. Und die haben mir gesagt, dass der Besatz mit Fischen für sie eh keinen Zweck habe. Der Kormoran würde sie sich dann sofort holen.“

Der Kormoran in Zahlen

Kormorane sind Zug-, Strich- und Strandvögel. Die Tiere werden bis zu 100 Zentimeter groß und bis zu 3 Kilogramm schwer. Sie können über 20 Jahre alt werden. Kormorane sind nach drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Sie erbrüten in 23 bis 30 Tagen 3 bis 4 Eier. Die Tiere tauchen zum Fischfang bis zu 30 Meter tief und fressen täglich bis zu 500 Gramm Fisch pro Tier.

Seit 1970 gibt es einen Bestandszuwachs in Deutschland um das 22-fache von rund 5.500 Tiere auf etwa 120.000 Vögel.

Quelle: Ruhrfischereigenossenschaft

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