Moderne Technik spart und schont Umwelt

Sparsam und dennoch effektiv düngen – das ist Ziel der Landwirte.

Meinerzhagen - „Nitrat im Grundwasser!“ – „Greenpeace kritisiert Überdüngung!“: Es sind solche Überschriften, die auch die heimischen Landwirte in Aufruhr versetzen. Sie fürchten um ihren Ruf.

Von Frank Zacharias

Um sich von schwarzen Schafen der Branche zu distanzieren und die eigenen Bemühungen in Sachen Trinkwasserschutz darzustellen, gehen sie daher in die Informationsoffensive. Denn: „Man kann nicht alle über einen Kamm scheren“, sagt Christian Vedder, Sprecher der Landwirte in der Kooperation Landwirtschaft und Wasserwirtschaft Bergisches Land für die Genkeltalsperre.

Aufgrund der besonderen Lage der Talsperre gehört Vedder – wie neun weitere Kollegen aus Meinerzhagen – dem Bergischen Verband an, der sich seit 20 Jahren zum Ziel gesetzt hat, die Wasserqualität in fünf Talsperren der Region zu verbessern: Neben der Genkel sind das die Talsperren Große-Dhünn, Wiehl, Neye und Sengbach. Und Heinrich Spitz ist sozusagen „Mann der ersten Stunde“ – ein Experte der Landwirtschaftskammer, der mit Ideen und Innovationen eine zu hohe Nitrat-Belastung der heimischen Böden vermeiden will, wie Christian Vedder betont. Sein Ziel seit jeher: die Verringerung des Nährstoffeintrags, der auch eine geringere Menge Nitrat nach sich zieht.

Tränken abseits von Bächen

„Dazu haben wir als ersten Schritt zunächst auf die Hygiene der Gewässer geachtet“, erinnert sich Heinrich Spitz: Tränken wurden abseits von Bächen aufgestellt, Kühe daran gehindert, durch Bachläufe zu waten, zudem ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Nähe von Gewässern tabu. Der nächste Blick galt der Ackerfläche an sich: „Eine gute Grasnarbe hält die Nitrate“, sagt Spitz, der daher besondere Maschinen zur Aufbereitung der Böden empfiehlt.

Mit Erfolg: „Mulcher oder Striegler sind heute Standard. Außerdem achten wir auf das Saatgut“, erklärt Landwirt Christian Vedder. Und in Sachen Gülleausbringung sei der Einsatz von Pralltellern, die den wertvollen Stoff sozusagen „verschleudern“, mittlerweile verpönt. Stattdessen kommen Schleppschuhverteiler zum Einsatz, die die Nährstoffe nah an der Grasnarbe einbringen und sogar den sonst üblichen Geruch auf ein Minimum reduzieren.

Nitrat-Belastung sank in allen Talsperren

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1991 sank die Nitrat-Belastung nach Angaben der Kooperation in allen fünf Talsperren durchschnittlich von 16,42 auf aktuell 9,78 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser. In der Genkeltalsperre, die von allen Talsperren ohnehin die mit der geringsten Belastung war, sank der Wert von 11,5 auf 8 Milligramm.

„Das ist nur möglich durch die Freiwilligkeit. Hier wird keinem Landwirt etwas aufgezwungen“, sagt Christian Vedder. Die Arbeit in der Wasserwirtschafts-Kooperation setze auf die Zusammenarbeit von Landwirten, Wasserverbänden und Vertretern der Landwirtschaftskammer. Dabei sei es aber im Interesse jedes Landwirts, die Tipps und Ratschläge für eine nachhaltigere Wasserwirtschaft zu beachten. „Das ist eine Win-Win-Situation. Denn wer wenig düngt, spart ja auch Geld“, so Vedder.

Detaillierte Düngeplanung und intensive Bodenprüfung

Diese Einsparungen seien nicht zuletzt durch eine detaillierte Düngeplanung und die intensive Prüfung der Böden möglich: So fährt Heinrich Spitz mit seinem Pick-up zwischen zwei Düngerphasen über die Felder, um aktuelle Bodenproben zu nehmen und diese auf fehlende oder überschüssige Nährstoffe zu kontrollieren. „Früher hat der Landwirt nach Erfahrung gehandelt. Jetzt kann eine Überdüngung vermieden werden“, erklärt der Landwirt. Kurzum: Vom gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter sind zumindest die Talsperren im Bergischen Land und damit auch die Genkel weit entfernt. Ein Problem bleibt jedoch: „Wasser kennt keine Grenzen“, sagt Christian Vedder, der sich ein Engagement wie das im Bergischen auch in anderen Regionen wünschen würde.

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