Kommt das Aus für die Bundesbahnstrecken?

Die Bundesbahnstrecken zwischen Brügge und Meinerzhagen und von Meinerzhagen nach Krummenerl sollen offenbar nun doch endgültig stillgelegt werden.

MEINERZHAGEN/VOLMETAL ▪ Diese brandfrische Nachricht schreckt auf und sorgt für Verwunderung, weil sie aktuelle Bemühungen der vier Volmetal-Kommunen im Zuge des Regionale-2013-Prozesses absolut konterkariert: Die Bundesbahnstrecken zwischen Brügge und Meinerzhagen und von Meinerzhagen nach Krummenerl sollen offenbar nun doch endgültig stillgelegt werden.

Nach MZ-Informationen hat die zuständige DB Netz AG Regionalnetze West im Januar dieses Jahres ein zunächst noch bahninternes Prüfverfahren zur „Einleitung der Streckenabgabe gemäß Paragraph 11 Allgemeines Eisenbahnnetz“ in Gang gesetzt. Öffentlich gemacht hat das Norbert Schilff aus Dortmund, der Vorsitzender der Betriebsgruppe Eisenbahn im Landesbezirk NRW der SPD ist.

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte Schilff, dass er in dieser Angelegenheit mittlerweile aktiv geworden ist mit dem Ziel, „so viel Gegendruck aufzubauen, dass diese Pläne nicht realisiert werden“. Unter anderem hat Schilff auch die SPD im Märkischen Kreis angeschrieben und informiert.

„Langfristiges Ziel unserer Partei war (...) immer der durchgehende Personenverkehr zwischen Köln/Meinerzhagen und Brügge/Hagen. Sollte jetzt der Streckenabschnitt zwischen Brügge und Meinerzhagen stillgelegt und möglicherweise verkauft werden, sehen wir eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der gesamten Strecke in weite Ferne rücken“, schreibt Schilff.

Eine offizielle Stellungnahme der DB Netz AG war bislang nicht zu erhalten. Nach MZ-Informationen wird bahnintern die Aufgabe der zurzeit ausschließlich für den Güterverkehr genutzten Strecken mit erheblichen Mängeln am Gleisoberbau und einem dadurch bedingten Investitionsbedarf von rund sieben Millionen Euro für eine Sanierung begründet. Aktuell sei wegen der Mängel an verschiedenen Abschnitten im Volmetal bereits eine Tempo-Beschränkung von 30 km/h für Züge eingerichtet worden. Nach Bahnangaben wird die Strecke pro Jahr noch von rund 300 Güterzügen befahren. Dabei handelt es sich nahezu ausnahmslos um den Transport von Schotter aus den Steinbruchbetrieben des Listertals mit Verladestation im Krummenerl.

Schon 2004 war seitens der Bahn eine Stilllegung erwogen worden. Das scheiterte aber nicht zuletzt an massiven Widerständen aus der Politik und der heimischen Wirtschaft. In der Folgezeit wurden auf dem Streckenabschnitt von Meinerzhagen nach Krummenerl rund fünf Millionen Euro in die Erneuerung der Gleisanlage investiert. Zuvor war bereits die Talbrücke Scherl mit einem Aufwand von mehr als vier Millionen Euro instandgesetzt worden.

Als 2007 in Diskussionsforen von Eisenbahnfreunden erneut Informationen über angebliche Streckenstilllegungspläne der Bahn kursierten, folgte auf Rückfrage der MZ bahnseitig prompt ein klares Dementi: „Eine Streckenstilllegung ist absolut kein Thema“, erklärte im September 2007 Jürgen Kugelmann von der Bahnpressestelle in Düsseldorf und kündigte zudem „kurzfristige Instandsetzungarbeiten“ für die Volmetalstrecke zwischen Meinerzhagen und Brügge an.

Unberührt von den aktuellen Bahnüberlegungen bleibt die für November 2013 konkret zugesagte Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Meinerzhagen und Marienheide.

Gleichwohl gibt es inzwischen intensive Bemühungen für einen vollständigen Lückenschluss. Abgestimmt mit der Landes- und Regionalplanung, wollen die vier Volmetal-Kommunen Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle im Zusammenhang mit ihrem gemeinsamen Regionale-2013-Projekt „Oben an der Volme“ genau hier ihren Schwerpunkt setzen. Im gerade von allen vier Räten verabschiedeteten Konzept heißt es dazu unter anderem wie folgt:

„Der wichtigste gemeinsame Schwerpunkt und auch das Rückgrat einer zukunftsorientierten, tragfähigen Entwicklung ist die Reaktivierung der Bahnlinie, hier besonders der Abschnitt zwischen Meinerzhagen und Brügge. Die Fortsetzung der Bahnlinie von Gummersbach über Marienheide bis nach Meinerzhagen ist bereits beschlossen und soll bis zum Jahr 2013 erfolgen.

Die Reaktivierung der ehemaligen Volmetalbahn wirkt sich auf die touristische wie die wirtschaftliche Entwicklung der Region bedeutsam aus. Eine Anbindung der gesamten Region an das Ruhrgebiet im Norden und an die Rheinschiene im Süden helfen, die Bevölkerung am Ort zu halten und neue Einwohnerinnen und Einwohner und Touristen in die Region zu bringen. Um die Stadt Halver an das Volmeband anzubinden, kann über die Schleifkottenbahn eine Verknüpfung mit der zentralen Bahnlinie am Haltepunkt Oberbrügge erfolgen. Zur Realisierung sind besondere Anstrengungen nötig.

Im Zusammenhang mit der Reaktivierung der Bahnlinie steht die Errichtung und/oder

Qualifizierung der Haltepunkte/Bahnhöfe entlang der Bahnlinie zu alle Verkehrsmittel umfassenden Verkehrsstationen. Es besteht das Ziel, alle Haltepunkte/Bahnhöfe auch mit Radstationen auszustatten. Durch die Ergänzung z.B. mit Aufenthaltsräumen, gastronomischen Angeboten und Infopoints sollen die Haltepunkte/Bahnhöfe zu Radbahnhöfen qualifiziert werden.“ Soweit die Pläne im Zusammenhang mit dem Struturförderungsprogramm „Regionale 2013“.

„Das alles wäre Makulatur, wenn die DB Netz sich jetzt mit ihrer Absicht der Streckenstilllegung durchsetzen könnte“, zeigt Norbert Schilff auf und setzt daher auf „massiven Widerstand aller Kräfte, die genau das verhindern wollen und können.“ ▪ -fe

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