Gedenken an jüdische Bürger:

Siebzehn Stolpersteine als mahnende Zeichen

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An vier Orten in der Meinerzhagener Innenstadt erinnern Stolpersteine an jüdische Opfer des Naziterrors. ▪

MEINERZHAGEN ▪ In einer besonderen Form des Gedenkens wird in der Meinerzhagener Innenstadt seit Montag im öffentlichen Raum an zunächst vier Orten an das Schicksal einstiger jüdischer Bürger des Ortes erinnert. Im Rahmen einer bewegenden Feierstunde wurden dazu von dem Kölner Künstler Gunter Demnig auf Initiative einer Meinerzhagener Bürgergemeinschaft die ersten 17 Stolpersteine verlegt.

Schüler heimischer Schulen verlasen dazu jeweils die Biografien der Menschen, die einst hier gelebt hatten und zu Opfern eines unmenschlichen Regimes geworden sind. Unter den Teilnehmern waren gestern auch Gäste aus Israel. Auch Landrat Thomas Gemke war gekommen.

Für die Initiativgruppe drückte deren Sprecher Herbert Langenohl im Namen der über 50 aktiven Mitglieder seine Freude darüber aus, dass am Ende eines langen Überzeugungsprozesses nun gestern auch in Meinerzhagen dieser erste entscheidende Schritt habe vollzogen werden können. Weitere Verlegungen sollen sich anschließen.

Bürgermeister Erhard Pierlings erinnerte in seiner Ansprache daran, dass diese besondere Aktion anknüpfe an das, was mit Blick auf die Erinnerung und das Gedenken an das düsterste Kapitel auch der Meinerzhagener Ortsgeschichte in der Vergangenheit schon geschehen sei. Er sagte: „Mit dieser heutigen ersten Verlegung der Stolpersteine in unserer Innenstadt beschreitet die dafür gegründete örtliche Initiative neue Wege der Erinnerung. Wir mögen das mit den Worten von Herbert Langenohl als eine ganz neue Qualität der Erinnerungskultur betrachten – auch, wie wir gehört haben, als einen Quantensprung in der Erinnerungskultur.

Bilder von der Verlegung der Stolpersteine:

Verlegung der ersten 17 Stolpersteine in Meinerzhagen durch Künstler Gunter Demnig 

Tatsächlich führen die Stolpersteine die Menschen, an die sie erinnern, in unsere Gesellschaft, in unser tagtägliches Leben, zurück. Diese Zielsetzung und dieser Anspruch werden vom Rat unserer Stadt, von der Bürgerschaft und – wie wir erfreulicherweise auch gehört haben – von den Eigentümern der Grundstücke, vor denen die Stolpersteine verlegt werden, getragen und unterstützt. Wir erleben allerdings heute nicht etwas gänzlich Neues, sondern – wie auch gesagt – eine andere Form der Erinnerungskultur. Anders deshalb, weil unsere Bürgerinnen und Bürger und mit ihnen die Stadt Meinerzhagen auch als Institution seit Jahrzehnten eine vielleicht sehr individuelle Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte pflegt. Diese hier gepflegte Erinnerung ist einerseits und auch richtigerweise rückblickend.

Andererseits aber knüpft diese hier praktizierte Erinnerung über die Jahre und Jahrzehnte hinweg Bande zwischen den Nachkommen und Angehörigen unserer ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und unserer Stadt mit ihrer Bürgerschaft. Schon in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben uns ehemalige jüdische Mitbürger in Meinerzhagen besucht, so etwa Oskar Fischbach, Edith Goldberg, Hugo Stern, Kurt Stern und seine Ehefrau, Otto Stern und Gustel Katzer. Anfang der 1980er Jahre war es dann unser damaliger Arbeitskreis Juden und Christen, der unter großer Beteiligung unserer Bürgerschaft und unserer Unternehmen den Besuch ehemaliger jüdischer Mitbürger und deren Angehöriger in Meinerzhagen ermöglicht hat. Stolpersteine, um die es heute geht, und die von mir geschilderten höchst persönlichen Beiträge unserer Bürgerinnen und Bürger wie auch die der Stadt Meinerzhagen selbst verbindet ein Gemeinsames: Beides erinnert an menschenverachtendes Unrecht, begangen gegenüber unseren früheren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Beides erinnert, um eine Wiederholung solchen menschenverachtenden Unrechts insgesamt, aber auch eben nur ansatzweise, auszuschließen.“

Mitglieder der Familie Rosenthal aus Israel sprachen am ersten Verlegeort an der Hauptstraße ein jüdisches Totengebet – und drückten ihrerseits dabei auch die Hoffnung auf bleibenden Frieden in dieser Welt aus.

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