Wie geht es mit der Knochenmühle weiter?

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Der Vorsitzende Christian Voswinkel (stehen) berichtete zum Stand der Verhandlungen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Die Sorge um den Erhalt des technischen Kulturdenkmals Knochenmühle war eines der Themen, die am Freitag bei der Hauptversammlung des Heimatvereins Meinerzhagen in Haus Hahnenbecke die Gemüter bewegten.

Die 1837 erbaute Mühle wurde in den vergangenen 13 Jahren von den Aktiven der IG Knochenmühle im Heimatverein aufwändig restauriert und lockt bei Mühlentagen, Festen oder zu Führungen durch die Ausstellungsräume viele Besucher an. Der Vertrag mit der Eigentümerfamilie läuft allerdings im Juli 2014 aus.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Voswinkel, berichtete, dass die Stadt der Bitte des Vereins nachgekommen sei und sich mit den Eigentümern in Verbindung gesetzt habe. „Bisher wurden zwei Gespräche geführt“, so Voswinkel. Derzeit stehe nur fest, dass die Besitzer ein Drittel der Scheune privat nutzen wollten. Die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Voswinkel regte an, die Präsentation der historischen Exponate künftig neu zu überdenken. „In Zusammenarbeit mit der Stadt und einem externen Experten für Museumspädagogik sollte ein professionelles Konzept erarbeitet werden“, so der Vorsitzende.

Fred Oehm, Sprecher der IG Knochenmühle, brachte seine große Sorge zum Ausdruck, dass die Tage des Kulturdenkmals gezählt sein könnten. Er setzte sich von Beginn an mit viel Herzblut für die Restauration ein und erzählte von dem reichen kulturellen Leben in und an der Mühle. „2012 zählten wir 3000 Besucher, viele Veranstaltungen waren sehr gut besucht“, so Oehm.

Herbert Langenohl und Rolf Janßen berichteten für die Initiative „Stolpersteine“ von den erfreulichen Entwicklungen in jüngster Zeit. Der Rat der Stadt habe im September grünes Licht gegeben und einem Antrag der Initiative zugestimmt. Demnach dürfen die „Stolpersteine“ zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auch auf städtischen Bürgersteigen verlegt werden, wenn der Hauseigentümer zustimmt. Langenohl erzählte von den Vorbereitungen zur Gedenkfeier, in deren Verlauf der Künstler Gunter Demnig Steine verlegen wird.

Man habe sich bemüht, soweit möglich auch die Angehörigen der früheren jüdischen Mitbürger einzuladen. Auf die Briefe, die nach Buenos Aires, Brasilien, in die USA und nach Israel verschickt wurden, seien viele positive Rückmeldungen gekommen. „Es ist wunderbar zu sehen, dass die Aktion nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet ist, sondern auch in die Zukunft weist“, brachte Rolf Janßen seine Freude zum Ausdruck und berichtete von bewegenden Telefonaten mit Angehörigen. Die Stolpersteine werden am 26. Juni ab 14.30 Uhr verlegt.

Christian Voswinkel hob in seinem Rückblick die Vortragsreihe Geschichtswerkstatt hervor, die in Kooperation mit der VHS angeboten wird und sich großer Beliebtheit erfreut. Dann machte er seinem Unmut über das Thema „altes Rathaus“ Luft und erinnerte an seinen Leserbrief, der am Osterwochenende in der MZ veröffentlicht wurde. Demnach habe der Kreis das Gebäude vor 25 Jahren mit der Vorgabe kostenfrei an die Stadt Meinerzhagen übergeben, dass „das Haus als Kulturstätte zu nutzen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen sei.“ Dennoch habe die Stadtverwaltung ab 1995 die Räume bezogen. Der Heimatverein musste ins Dachgeschoss ausweichen, das nur über eine sehr steile Treppe zu erreichen ist. Ein Umstand, der den Besuch der Treffen für ältere Mitglieder nahezu unmöglich mache, so Voswinkel. Auch die Auskunft, die Kämmerei werde nur vorübergehend dort untergebracht und nach der Fertigstellung des neuen Rathauses wieder ausziehen, habe sich als falsch herausgestellt.

Martin Witscher berichtete von acht Veranstaltungen der Kulturgemeinde Meinerzhagen: Vier Kindertheater-Aufführungen, drei Konzerte und das Abendtheater „Iphigenie auf Tauris“ lockten insgesamt 2080 Besucher an.

Auch Ortsheimatpfleger Chris Riederer ergriff das Wort und berichtete von der Veranstaltungsreihe Bilderwerkstatt in der Villa im Park und den Aktivitäten des Arbeitskreises Denkmalschutz und Denkmalpflege im Heimatbund des Märkischen Kreises. Er erinnerte an den Gedenktag zum Stadtbrand in Meinerzhagen von 1913. Am 29. September werde im Rahmen einer großen Veranstaltung gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr an das historische Ereignis erinnert.

Albert Schmit stellte das Projekt Zeitzeugen vor, das er auf Anregung des Heimatvereins mit seinen Schülern der zehnten Klasse der Hauptschule umsetzte. Die Schüler besuchten fünf Familien, um etwas über das Leben in Meinerzhagen „anno dazumal“ zu erfahren. Dabei entstanden einstündige Tondokumente. „Vielleicht gelingt es uns ja, eine Präsentation für die Öffentlichkeit zusammenzustellen“, regte er an.

Zuletzt wurden einige „alte Schätzchen“ präsentiert: Dazu zählten die Schreibmaschine des ehemaligen Stadtdirektors Helmut Storbeck, ein Brief aus dem Jahr 1870 oder ein Stempel, mit dem in früherer Zeit Arbeitsblätter für den Unterricht gefertigt wurden. ▪ ps

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