Vorstellung des Klimaschutzkonzepts

Eine halbe Stelle für den Klimaschutz in Meinerzhagen

Andreas Hübner vom Ingenieurbüro Gertec stellte dem Ausschuss auch ein Szenario bis 2050 vor.
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Hohe Ziele: Andreas Hübner vom Ingenieurbüro Gertec stellte dem Ausschuss auch ein Szenario bis 2050 vor.

262 Seiten voller Bestandsaufnahmen, Ideen und Analysen – wer das integrierte Klimaschutzkonzept von insgesamt acht Kommunen des Märkischen Kreises vor sich liegen hat, sollte sich für die Lektüre Zeit nehmen. Was es für Meinerzhagen bedeutet, wurde jetzt vorgestellt.

Meinerzhagen - Die Mitglieder des Ausschusses für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt konnten einen Experten begrüßen, der es verstand, die Kernpunkte heraus- und vorzustellen: Andreas Hübner, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Gertec, das mit der Erstellung des Konzepts beauftragt worden war, umriss das Konzept, bei dessen Erstellung auch die Bürger aktiv mitmachen konnten, wie Achim Stockhecke vom Fachbereich Technischer Service erinnerte. Stichwort: Ideenkarte.

Rückblick: Bis Anfang 2020 waren die Bürger aufgerufen, ihre Ideen für den lokalen Klimaschutz auf einer sogenannten Ideenkarte einzutragen. Insgesamt wurden während der zweimonatigen Beteiligungsphase 112 Beiträge hinterlassen. Laut Konzept konnten die meisten Beiträge dem Themenfeld „Umweltfreundliche Mobilität“ zugeordnet werden (38 Prozent). 16 Prozent der Beiträge entfielen auf das Feld „Klimaanpassung“, weitere 12 Prozent auf „erneuerbare Energien“. Rund 30 Prozent wurden dem Themenfeld „Sonstiges“ zugeordnet, die übrigen 4 Prozent der (Wohn-)Gebäudesanierung.

Auch Ideen der Bürger wurden aufgegriffen

„Bei der Erarbeitung des handlungsorientierten Maßnahmenprogrammes konnte ein Großteil dieser Beiträge aufgegriffen und zielführend in das Maßnahmenprogramm übertragen werden“, heißt es im Konzept. Da jedoch nicht alle der Beiträge direkt in das Maßnahmenprogramm aufgenommen werden konnten, sei es auch Aufgabe der Stadtverwaltung, diese Beiträge im Detail zu analysieren – und zwar „möglichst zeitnah“, wie es weiter heißt.

Denn eines machte Andreas Hübner deutlich: In Sachen Treibhausgas (THG)-Emissionen sei man in Deutschland „noch ganz schön weit weg von dem, was man sich wissenschaftlich vorgenommen hat“. Immerhin sollen diese Emissionen in Deutschland bis zum Jahr 2050 um bis zu 95 Prozent reduziert werden, bis zum Jahr 2030 bereits um bis zu 30 Prozent. Andreas Hübner ist überzeugt: „Wir könnten die Ziele schaffen, wenn wir alle Potenziale ausschöpfen!“

Gewerbe sorgt für 54 Prozent der Emissionen in Meinerzhagen

Dabei gebe es in Meinerzhagen durchaus Besonderheiten, die zu berücksichtigen sind. Gehe man normalerweise von einer Drittelung der Emissionstreiber Gewerbe, Haushalte und Mobilität aus, sorge in der Volmestadt zu 54 Prozent das Gewerbe für Emissionen. Aber fest stehe auch: Alleine eine weitere Windenergieanlage würde die CO2-Bilanz der Stadt um 8460 Tonnen bis 2030 reduzieren.

Ohne Klimamanager ist der Klimaschutzprozess tot!

Andreas Hübner, Gertec

Auch für Meinerzhagen steht fest: Es ist viel zu tun. Und Andreas Hübner machte dabei deutlich, dass alle im Klimaschutzkonzept dargestellten Bemühungen nur dann realisierbar seien, wenn das Projekt auch personell entsprechend ausgestattet wird. „Ohne Klimamanager ist der Klimaschutzprozess tot!“, machte Hübner eine Kernforderung deutlich: die Einstellung eines Beauftragten, der die Umsetzung der Maßnahmen antreibt und stets im Blick hat.

Angestrebt wird dabei allerdings keine Vollzeitstelle allein für Meinerzhagen, sondern ein Manager, der eine weitere Kommune im Blick hat. Die Kosten für diese Stelle, die ohnehin zu 75 Prozent vom Bund gefördert werden soll, würden sich also nochmals um 50 Prozent reduzieren. Der Plan: Für einen Zeitraum von drei Jahren will sich Meinerzhagen einen Klimamanager mit Plettenberg teilen, „weil es sich hier um zwei ähnlich große Kommunen handelt“, wie Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar erklärte.

CDU-Ratsherr hinterfragt Zusammenarbeit mit Plettenberg

Volkmar Rüsche (CDU) wunderte sich jedoch über die Zusammenarbeit ausgerechnet dieser Kommunen, die recht weit voneinander entfernt liegen. „Ich sage nur: Klimaschutz und Autofahrt zwischen beiden Städten“, sagte Rüsche. Auch hinsichtlich des Arbeitsaufwandes sei zu prüfen, ob nicht die Zusammenarbeit mit einer kleineren Kommune wie Herscheid, die sich zudem in direkter Nachbarschaft befindet, sinnvoller sei. Friedrich Rothaar verwies auf Gespräche der Bürgermeister untereinander, will Alternativen aber nochmals prüfen.

In Plettenberg selbst war Ende des Jahres bereits Kritik von den Grünen an der generellen Absicht laut geworden, sich lediglich mit einer halben Stelle zufriedenzugeben, anstatt die 75-prozentige Förderung einer ganzen Stelle in Anspruch zu nehmen. Dort stimmte die Ratsmehrheit dieser Personalaufteilung letztlich aber zu.

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