Seit 40 Jahren wächst und blüht es in den Schrebergärten

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Viele Kohlrabi hat Lydia Bolgert bereits ausgemacht, einige befinden sich noch im Beet. Ihr Garten wurde als einer der schönsten des Kleingärtnervereins prämiert.

Meinerzhagen - Die Kürbisse haben eine stattliche Größe, Zucchinis ebenfalls, Gurken und Kohlrabi gedeihen prächtig, genauso auch der Wirsing. „Der wächst das ganze Jahr über, er verkraftet auch Schnee“, weiß Nadja Herrmann. Die 29-jährige ist die neue Vorsitzende des Kleingärtnervereins Meinhardus und schwärmt: „Wir haben ein gutes Gartenjahr.“

Die Kleingartenanlage in Schlenke besteht in diesem Jahr seit 40 Jahren. Und genau 40 kleine Häuschen stehen hier auch in Reih’ und Glied, vor jeder Laube sind Beete und Grünflächen angelegt, Dahlien und Hortensien blühen in den Eingängen, auf einem kleinen Mäuerchen winkt ein Gartenzwerg.

Nadja Herrmann kennt die Schrebergartenanlage schon seit ihrer Kindheit. Als sie fünf war, wanderten ihre Eltern aus Russland aus. In ihrer alten Heimat hatte man nach Möglichkeit eine Datscha, „das war auch ein Zeichen von Reichtum“, erinnert sie sich. Außerdem: So viele Supermärkte wie in Deutschland habe es in Sibirien nicht gegeben, „da war es schon gut, wenn man eine Datscha hatte und etwas anpflanzen konnte, um sich versorgen zu können,“ erzählt die junge Hobbygärtnerin. In Meinerzhagen habe sich ihr Vater schnell um eine Parzelle bemüht. „Wir hatten damals Glück und mussten nicht lange warten.“ Inzwischen hat Nadja Herrmann die Anlage ihrer Eltern übernommen. „Mein Vater hat mir alles beigebracht, und ich übernehme das jetzt bei meinem Sohn“, berichtet sie. Im Gartenhäuschen übernachten, hier dann die Fledermäuse und Sternschnuppen beobachten – für die Familie ist das jedes Mal ein kleiner Urlaub. „Wenn ich dann morgens Brötchen hole, durch die Anlage gehe und denke, es ist noch keiner da, bin ich immer überrascht, wie viele hier schon gärtnern.“

Einige Gartenbesitzer sind seit der ersten Stunde Mitglied des Kleingärtnervereins. Die Anfänge kennt Nadja Herrmann aus den Erzählungen: „Alle zusammen haben die Häuschen gebaut. Dann wurde gelost, wer welche Parzelle übernehmen durfte.“ Bis heute sind die Spitzhäuser sehr begehrt, exklusiv sei die Verwendung von Stein – für Schrebergärten sei diese Bauweise nicht unbedingt typisch. Die Grundstücke unterscheiden sich in der Gestaltung, die Größe wird dagegen durch das Kleingartengesetz festgelegt. Die Lauben sind demnach 24 Quadratmeter groß, die Grundstücke nicht größer als 400 Quadratmeter.

Die Schrebergärten sind bis heute alle besetzt, mitunter werden sogar Wartelisten geführt. Immer mal wieder werden aber auch Anlagen frei und es gibt Neuankömmlinge bei den Kleingärtnern.

Ältere nutzen ihr kleines Gartenparadies vor allem, um zu jäten, zu graben und natürlich um zu ernten, „Jüngere kommen auch einfach, um hier einen Ausklang nach der Arbeit zu haben“, weiß Nadja Herrmann. Sie selbst ist die jüngste Hobbygärtnerin in der Anlage. „Ich hab’ noch einen braunen Daumen“, meint sie bezüglich ihres Ernteerfolgs. Wer allerdings zuhört, wenn die Vorsitzende über das Vorziehen von Tomaten, Gurken, Bohnen und Zucchini oder das Düngen mit einem Pferdeäpfel-Wasser-Gemisch berichtet, glaubt dies nicht. Stolz ist Nadja Herrmann in der Tat auf ihre Zucchini: „Die sind richtig groß.“ Die Ernte kann sie ebenso wenig alleine verarbeiten wie zuvor auch den Salat: „Da wird dann die ganze Familie versorgt.“ Nur Brokkoli gibt es nicht aus dem eigenen Garten: „Der wird bei mir einfach nichts.“

Umso mehr genießt es die Meinerzhagenerin, mit den frisch geernteten Tomaten, etwas Dill und Petersilie eine leckere Soße zu kochen. „Das sind leichte Zutaten, das liebe ich“, sagt sie begeistert.

Die Ernte aus dem eigenen Garten schmeckt köstlich, gekocht wird aber trotzdem auch mit eingekauftem Gemüse aus dem Supermarkt: „Wenn ich mir spontan überlege, Bratkartoffeln zu machen, dann buddel ich die nicht erst aus.“ Denn fest steht für Nadja Herrmann auch: In einem Garten steckt viel Arbeit. „Wenn die Sonne scheint, genieße ich sie lieber und lese. Ich gärtnere gerne, wenn es leicht schmuddelig ist.“

Einige Kleingärtner kümmer sich dagegen tagtäglich um ihr kleines Dorado für Obst und Gemüse. Lydia Bolgert und ihr Mann freuen sich beispielsweise über einen üppigen Wuchs in ihrem Garten. Dieser wurde übrigens als schönste Anlage prämiert. „Hier ist alles sehr harmonisch. Die Eindrittel-Regelung bezüglich Obst, Gemüse und Rasen kommt gut zur Geltung“, beschreibt Nadja Herrmann die Kriterien, mit denen das Ehepaar Bolgert punktete.

Der Bezirksverband nahm kürzlich auch eine Bewertung der gesamten Kleingartenanlage vor. Begutachtet wurde dabei beispielsweise, ob die Hecken in Ordnung und die Wege frei geschnitten sind und welchen Gesamteindruck die Anlage macht. Das Ergebnis dieser Bewertung steht noch aus.

Für Nadja Herrmann jedenfalls steht fest, dass die Schrebergärten gerade jetzt ein blühendes Paradies sind. Und ein schöner Ort sind, um der Natur ganz nah zu sein.

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