Extrem später Start in die Gartensaison

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Der Schirm war in letzter Zeit auch für Margot Dehn ständiger Begleiter. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wer in der Kleingartenanlage in Meinerzhagen-Schlenke etwas Farbe entdecken will, muss schon ganz genau hinsehen: Zwischen abgestorbenen Pflanzen und sprießenden Grasbüscheln recken einige Krokusse der Sonne ihre filigran geformten lilafarbenen Blüten entgegen.

Wo sonst zu dieser Jahreszeit schon seit Wochen das Leben pulsierte und Gartenliebhaber Moos von den Scheiben der Gewächshäuser schrubbten, den harten Boden mit dem Spaten auflockerten, Komposterde verteilten, oder abgestorbene Pflanzen entfernten, war bislang kaum eine Menschenseele zu sehen. Sogar die Gartenzwerg sahen sich das trübe Einerlei lieber durch die Scheibe des Gewächshauses an. „In diesem Jahr wollte der Winter einfach kein Ende nehmen“, seufzt Margot Dehn. Sie ist erleichtert, dass die Gartensaison nun endlich beginnt.

Die Vorsitzende der Meinerzhagener Kleingärtner hegt und pflegt ihre Gartenparzelle zusammen mit ihrem Mann Lothar schon seit 31 Jahren. So einen hartnäckig andauernden Winter hat sie aber erst einmal erlebt. „Vor einigen Jahren mussten wir unsere Mitgliederversammlung vom März in den Mai verlegen,“ erinnert sie sich. „Damals versperrte Schnee den Weg zum Vereinsheim.“

Auch wenn die Natur in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später aus ihrem Winterschlaf erwacht – die meisten Kleingärtner haben natürlich längst, quasi im Verborgenen, mit den Vorbereitungen für ihr üppig wucherndes Gartenparadies begonnen. Die Kinderstube für die Tomatenpflanzen befand sich lange Zeit direkt über der warmen Heizung im Wohnzimmer von Margot und Lothar Dehn. Auch Kopf- und Endiviensalate danken den Gartenfreunden die gute Behandlung durch einen üppigen Wuchs. In Terrakottatöpfen und Vorzuchtschalen streckt junges Gemüse die Blätter zum Licht. Bis Gurken und Tomaten ins Gewächshaus umziehen, dauert es aber noch eine Weile. „Ich gehe da lieber auf Nummer Sicher und warte bis die Eisheiligen vorbei sind“, erzählt Margot Dehn. Schließlich kann es nachts auch im Gewächshaus noch sehr kühl werden.

Die Eismänner und die „kalte Sophie“ kamen 2012 übrigens pünktlich zum 11. Mai und lehrten die Gartenfreunde noch bis zum 14. Mai mit Nachtfrösten das Fürchten. Margot Dehn freut sich darauf, in einigen Wochen auch Buschbohnen, Kartoffeln und Zwiebeln ernten zu können. Sie ist überzeugt: „Gemüse aus dem eigenen Garten schmeckt einfach besser.“ Auch die Rhabarberpflanzen werden liebevoll umsorgt. Neben Kuchen oder Nachtisch zaubert die Gärtnerin daraus einen köstlichen Likör. „Der schmeckt phantastisch“, erzählt sie. Daher wird die hochprozentige Kostbarkeit auch gerne als kleines Geschenk an Freunde weitergegeben. „Das kommt immer sehr gut an“, schmunzelt sie.

Einige Arbeiten, mit denen viele Kleingärtner die Saison eröffnen, haben Margot und Lothar Dehn schon erledigt. „Wir haben den Garten schon im Herbst umgegraben“, erzählt sie. Damit der Boden reich an Nährstoffen ist, haben sie Komposterde gesiebt und auf den kleinen Acker ausgebracht. „Das handhabt jeder Gärtner etwas anders“, erklärt die Gartenfreundin.

„Jeder hat seine eigenen Methoden und Tricks.“ Was sie am Gärtnern so liebt? Die Antwort kommt prompt: „An der frischen Luft sein und etwas tun.“ Sie genießt es, die freie Zeit mit ihrem Mann in der kleinen Gartenoase zu verbringen, und zu sehen, wie frisches Gemüse gedeiht und ein Meer aus Blumen die Anlage zu einer Augenweide werden lässt.

Dass der späte Frühling ihre Ernte schmälern könnte, befürchtet sie nicht. „Es dauert vielleicht etwas länger bis alles reif ist“, überlegt sie. Aber dann werden selbstgezogene Kartoffeln, Tomaten oder Bohnen sicher genauso köstlich schmecken, wie in anderen Jahren.

Die Vorsitzende macht außerdem darauf aufmerksam, dass einige der 40 Parzellen der Kleingartenanlage in nicht allzu langer Zeit frei werden. Interessierte Hobbygärtner können sich unter der Telefonnummer (0 23 54) 32 25 in dieser Angelegenheit ab sofort bei Margot Dehn melden. ▪ ps

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