Kleiner Fisch, große Probleme:  Ruhrverband fischt sieben Tonnen Maränen aus der Bigge-Talsperre

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Sieht aus wie ein Foto von der Nord- oder Ostseeküste – entstand aber auf der Biggetalsperre. Mit dem Kutter „Albatros“ gingen die Mitarbeiter der „Fischwirtschaft“ des Ruhrverbandes auf Maränen-Jagd.

Biggesee - Die Geister, die ich rief...: Bereits in den 70er-Jahren setzte der Ruhrverband Kleine Maränen als potenzielles Futter für große Raubfische in die Biggetalsperre ein. Was einst gut gemeint war, entpuppt sich inzwischen als Bumerang. Denn: Die in dem heimischen Gewässer meist unter zehn Zentimeter kleinen Fische vermehrten sich rasant und verschlechtern nun die Wasserqualität.

Problem erkannt, Problem gebannt? Fakt ist, dass der Ruhrverband die Massenvermehrung der Kleinen Maräne registriert hat, und handelte: In der ersten Dezemberwoche wurde eine der jährlichen Befischungsmaßnahmen zur Reduzierung des Bestandes an Kleinen Maränen in der Biggetalsperre abgeschlossen.

„Geerntet“ wurde reichlich: In einer Pressemitteilung des Verbandes heißt es: „In einem rund dreiwöchigen Einsatz haben die Mitarbeiter des Bereichs Fischwirtschaft/Fischökologie des Ruhrverbands gut sieben Tonnen der Massenfischart Kleine Maräne aus dem See entnommen.“

Sieben Tonnen Kleine Maränen zappelten am Ende im Netz der Ruhrverbands-Fischer.

Die Lieblingsspeise des unscheinbaren Fisches ist – im Zusammenhang mit dessen massenhaftem Vorkommen – ein Grund für die Probleme: Die Kleine Maräne ernährt sich hauptsächlich von Zooplankton, also Kleinkrebsen wie Wasserflöhen und Hüpferlingen. „Wird das im Biggesee vorkommende Zooplankton zu stark dezimiert, führt dies wiederum zu einem erhöhten Vorkommen von Phytoplankton – wie Kieselalgen und Grünalgen.

In der Folge kommt es zu geringen Sichttiefen, hohen pH-Werten, starker Sauerstoffzehrung und einer Abnahme der Artenvielfalt. Um dieser Negativspirale entgegenzuwirken, helfen die Fischwirte des Ruhrverbands mit ihrem Fischkutter ,Albatros’ den Raubfischen in der Talsperre bei der Bestandsregulierung der Kleinen Maräne. Die abgefischten Exemplare werden als Tierfutter an Zoos verkauft“, informiert der Ruhrverband.

Das Befischen der Kleinen Maräne soll die Wasserqualität der Biggetalsperre verbessern.

Schon in den 1990er-Jahren hat der Ruhrverband damit begonnen, die Bestände der Kleinen Maräne in der Biggetalsperre mit der Schleppnetzfischerei zu regulieren. „Die Fischart ist zwar eine beliebte Beute der im See vorkommenden Raubfische wie Hecht, Seeforelle und Zander, doch deren Appetit hält mit dem Vermehrungstempo der Kleinen Maränen nicht Schritt“, haben die Experten des Ruhrverbandes beobachtet.

In der Listertalsperre, quasi das Vorbecken der deutlich größeren Bigge, bereitete bisher lediglich die üppig wuchernde „Wasserpest“ Probleme (die MZ berichtete mehrfach). Kommt nun mit der Kleinen Maräne auch hier ein zweites ökologisches Problem hinzu? „Nein“, meinen die Fischwirte des Ruhrverbandes. Wenn es die Kleine Maräne hier überhaupt gebe, sei es bisher auf keinen Fall zu einer Massenvermehrung gekommen, heißt es.

„Eingesetzt wurden in die Lister ohnehin nur Blaufellchen. „Und da haben wir die Lage im Blick. Wenn es nötig wird, werden wir deren Bestand mit Stellnetzen regulieren“, teilte Britta Balt, die stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbandes, auf MZ-Anfrage mit. Außerdem, so Balt weiter, neige das Blaufellchen, anders als die Kleine Maräne, auch nicht zur Massenvermehrung.

Die beliebtesten Lister-Fische

Welche Fischarten sind an der Lister die beliebteste unter den Anglern? In der letzten Umfrage zu diesem Thema, die der Ruhrverband durchführte, ergab sich folgendes Bild: Von 295 Anglern gaben 83 Prozent (244) den Hecht als „Hauptzielfisch“ an. Dicht gefolgt vom Barsch, der von 74 Prozent (218 Fische) der Talsperrenangler bejagt wird. An dritter Stelle rangiert der Zander mit 65 Prozent (192), gefolgt von der Forelle mit 52 Prozent (152). Auf Platz fünf die Maräne/Renke mit 35 Prozent (103). Immerhin etwa jeder Vierte angelt auch auf Aal (28 Prozent beziehungsweise 84). Weniger beliebt sind laut Ruhrverbands-Statistik die sogenannten Weißfische (18 Prozent oder 53), der Karpfen (12 Prozent beziehungsweise 35), der Seesaibling (10 Prozent/29) und die Schleie (4 Prozent/12).

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