Circus Ideal „strandet“ am Schützenkreisel

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Toni Wagner weiß noch nicht, wie es mit seinem Circus Ideal weitergehen soll.

Meinerzhagen - Toni Wagner ist Direktor des Circus’ Ideal. Und er ist verzweifelt. Mit seinem kleinen, mobilen Familienunternehmen ist er auf einer Wiese am Schützenkreisel gestrandet.

Das Geld wird knapp, die Zelte trotzen der Schneelast kaum noch und die Fahrzeuge können – bis auf den Traktor – inzwischen nicht mehr gestartet werden. „So etwas habe ich in meiner langen Zirkuslaufbahn noch nie erlebt“, schüttelt Wagner traurig den Kopf.

Immerhin: Die zwölf Tiere, zwei Kamele, zwei Lamas und acht Pferde, sind inzwischen gut untergebracht. Und das freut den Direktor und seine Familie sehr: „Sie stehen auf einem kleinen Reiterhof bei Rönsahl. Dort haben sie Auslauf und Futter. Denn auch Stroh zum Einstreuen und Heu waren hier in Meinerzhagen kaum noch zu bekommen“, berichtet Wagner.

Das ganze Malheur begann mit den Weihnachtsvorstellungen. Seit dem 11. Dezember ist der Circus zu Gast in der Volmestadt, hier waren 15 Vorstellungen geplant. Die Einnahmen daraus wurden dringend benötigt. Am Ende wurden es ganze neun Gastspiele – und die waren laut Toni Wagner nicht einmal annähernd gut besucht. „Das Zelt war jeweils halb voll – wenn überhaupt“, erinnerte sich Wagner am Montag und fügte hinzu: „Schon die Sommersaison war schlecht – und nun das.“

Neben dem Zirkuschef ist auch seine ganze Familie von den Einnahmen abhängig. Lebenspartnerin Nina, Tochter Lotti, Schwiegertochter Silvana und deren 16 Monate junger Sohn Marcelino etwa, die dem Winter nun am Schützenkreisel trotzen müssen. Zu essen haben die Zirkusleute genug und auch warm ist es in den Wohnwagen noch. Doch Hilfe wäre sehr willkommen. Wobei Toni Wagner gleich eine Einschränkung macht: „Die Stadt möchten wir auf keinen Fall damit behelligen.“

Stattdessen denkt Wagner eher daran, sich selbst etwas zu verdienen: „Wir könnten Vorstellungen geben. In Kindergärten, Seniorenheimen oder Schulen etwa. Natürlich ohne unsere Tiere. Denn die können wir ja schlecht in eine Turnhalle mitnehmen.“ Und auch Gas zum Heizen oder Batteriespenden für die Fahrzeuge wären willkommen. „Interessierte Menschen sind jederzeit bei uns gern gesehen. Sie können uns ansprechen und wir erzählen gern über unseren Zirkus“, bietet der Chef des Unternehmens an, das er laut eigener Aussage bereits in der sechsten Generation betreibt. Dass er mit seinen Sorgen nicht allein dasteht, hat Wagner bereits erfahren: „Ein ganz großer Dank an unseren Nachbarn, der uns weiter den Stromanschluss zur Verfügung stellt“, freut er sich über ein Zeichen der Mitmenschlichkeit.

Wie und wann es nun weitergeht, steht nicht fest. „Eigentlich hatten wir geplant, am 11. Januar weiterzuziehen. Zunächst nach Plettenberg und dann nach Neuenrade. Doch das hat nicht geklappt. Und selbst wenn es wieder taut, wird es schwierig: Der Traktor ist inzwischen das einzige Fahrzeug bei uns, das noch anspringt. Es ist wirklich zum Verzweifeln...“.

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