In Kindergärten ein Muss: Doch jetzt gibt's Ärger um Sandkästen

"Eine Katastrophe" - Darum wird Sand für Kitas zum Problem 

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Laut eines Erlasses der Landesregierung müssen auch die Sandkästen heimischer Kitas jetzt jährlich neu befüllt werden.

Meinerzhagen - Sandkästen sind in Kindergärten ein „Muss“. Sie sind eine kostengünstige Möglichkeit, die kleinen Besucher der Einrichtungen kreativ zu beschäftigen. Genau diese Sandkästen könnten Kitas jetzt jedoch in (finanzielle) Schwierigkeiten bringen.

Hintergrund für die Probleme, die sich nun auftun, ist ein Erlass des NRW-Umweltministeriums. Danach muss der Sand nun mindestens einmal jährlich ausgetauscht werden – aus hygienischen Gründen. 

Otto-Fuchs-Straße: Edda Dahlhaus ist Leiterin der evangelischen Kita an der Otto-Fuchs-Straße. Sie berichtet, dass der Sand in ihrer Einrichtung bisher etwa alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht wurde. „Und dann auch manchmal nicht komplett, sondern nur die oberste Schicht.“ Natürlich bedeute der neue Erlass nun eine Mehrbelastung für ihre Einrichtung. „Bisher haben uns die Eltern bei diesen Aktionen geholfen. Doch auch die haben immer weniger Zeit. Und wenn die Mitarbeiterinnen das erledigen, dann feiern sie die Mehrarbeit natürlich ab. Das geht dann zu Lasten der pädagogischen Arbeit“, erläutert Dahlhaus. „Eben so“ sei der Sand-Austausch auch gar nicht zu stemmen, bei insgesamt 40 Tonnen Sand, die bewegt werden müssten. Und schließlich müsse der alte Sand dann auch noch entsorgt werden. Einen Hausmeister, der eventuell mit anpacken könnte, gebe es in der Kita an der Fuchs-Straße nicht mehr. 

Korallenriff: Alles andere als glücklich ist auch Martina Scharnholz von der DRK-Kita Korallenriff mit dem neuen Erlass. Sie denkt dabei an die Kosten, die der jährliche Sand-Austausch nach sich ziehen wird. „Allein auf ehrenamtlicher Basis wird sich das nicht mehr machen lassen“, glaubt sie. Im „Korallenriff“ gibt es einen Sandkasten mit integrierter Matsch-Anlage. „Da haben die Kinder vor allem an heißen Tagen sehr gerne gespielt. Ein Sandkasten ist unverzichtbar. Wir müssen nun sehen, wie wir die enormen Kosten für den Austausch tragen können“, sagt Martina Scharnholz. 

Hochstraße: Tanja Mißbach ist Leiterin der evangelischen Kita Hochstraße. „Eine Katastrophe“, reagierte sie auf den Erlass. „Wir haben zwei Sandkästen und die sind auch noch riesengroß“, erläutert sie. Bislang sei der Sand etwa alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht worden. „Und das war eine Tagesaktion für etwa 15 bis 20 Eltern, die uns geholfen haben. Bei uns wurde sogar ein Kleinbagger dazu eingesetzt.“ An der Hochstraße hoffen die Kita-Mitarbeiterinnen nun, dass sich auch weiterhin ehrenamtliche Helfer für den Einsatz finden. Tanja Mißbach: „Wir haben momentan auch das Glück, dass Eltern einen Landschaftsbau-Betrieb haben. So können wir den Bagger sogar kostenlos bekommen.“ Sollte das irgendwann nicht mehr möglich sein, würden enorme Kosten auf die Einrichtung zukommen, fürchtet die Leiterin.

Inselweg: Sylvia Wiener vom evangelischen Kindergarten Inselweg glaubt, dass die Kosten für den Austausch aus dem „laufenden Haushalt“ kaum aufzubringen sind. „Wir könnten uns beispielsweise bemühen, Sponsoren dafür zu finden“, überlegt sie. Am Inselweg wurde der Sand bislang ebenfalls alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht, eine heimische Firma erledigte das. „Das ist enorm viel Arbeit. Den alten Sand entsorgen, neuen anliefern und verteilen, das ist keine Kleinigkeit“, weiß Sylvia Wiener. Ihr leuchten die Gründe für den Erlass sogar ein: „Aus hygienischen Gründen ist das vielleicht gar nicht verkehrt. Aber mit der Finanzierung darf man uns jetzt nicht allein lassen“, fordert sie.

Rappelkiste: „Natürlich ist das auch bei uns ein Problem.“ Sabine Fernholz von der Awo-Kita Rappelkiste weiß noch nicht genau, wie die neue Herausforderung des jährlichen Sandwechsels zu stemmen ist. „Wir müssen darüber jetzt auch mit unserem Träger reden“, kündigt sie an. Auf dem großen Außengelände der Rappelkiste gibt es gleich drei Sandkästen. „Und unter der Spielgeräte liegt ebenfalls Sand. Bei uns fallen also große Mengen zum Austausch an“, erläutert Sabine Fernholz. Erledigt wurde der Sand-Ersatz, der alle zwei bis drei Jahre anstand, bislang durch Firmen mit Unterstützung des Hausmeisters. „Das allein durch ehrenamtliche Arbeit zu bewerkstelligen, dürfte sehr schwer werden“, glaubt die Kita-Leiterin.

Farbenspiel: In der Awo-Kita Farbenspiel im brannten läuft der Betrieb erst seit eineinhalb Jahren, der Sand wurde noch später eingefüllt. Er müsste laut Leiterin Sabrina König Anfang 2020 ausgetauscht werden. „Abgesehen vom Material bedeutet das eine ganze Menge Arbeitsaufwand. Und daraus eine Elternaktion zu machen, um Vorgaben des Landes zu erfüllen? Ich weiß ja nicht“, äußert sich Sabrina König skeptisch. Auch sie wird sich jetzt an den Träger wenden, um das Problem zu lösen. 

St. Martin: Stefanie Tischer vom katholischen Kindergarten St. Martin will erst einmal die Leiterinnenkonferenz bei ihrem Kita-Träger abwarten, bei der das Thema angesprochen werden soll. Bislang hat in ihrer Einrichtung ein Landschaftsgärtner den Sand-Wechsel alle zwei bis drei Jahre erledigt. Der nächste Austausch steht bereits in diesen Sommerferien an. Sie fürchtet, dass der Wechsel auf den Jahresrhythmus zulasten des Budgets gehen könnte.

Ev. Kita Valbert: Die Finanzierung des neuen Sandes, das Entfernen des alten Sandes, das An- und Abfahren – bei zwei „riesengroßen Sandkästen“ ist das für Einrichtungsleiterin Gudrun Wirth eine große Aufgabe, die organisiert und bezahlt werden muss. „Unternehmer machen das für uns, wir verteilen den neuen Sand dann gemeinsam mit den Kindern“, berichtet sie. Klar ist für Wirth, dass die Kitas mit dem Problem nicht allein gelassen werden dürfen. Hier sei auch die Politik gefordert. 

Kath. Kita Valbert: Die Leitung der Einrichtung verwies bei diesem Thema an den Träger, den Kita-Zweckverband im Bistum Essen. Von dort liegt keine Antwort auf unsere Anfrage vor.

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