Ära in Valbert endet

Kita-Leiterin geht: Start als "Fräulein Vollmann", Abschied als Gudrun Wirth

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Der Kindergarten war fast 45 Jahre ihr Arbeitsplatz: Am 9. Februar wird Gudrun Wirth, Leiterin der evangelischen Kita in Valbert, in den Ruhestand verabschiedet

Valbert - Damals spielten Zweijährige morgens zuhause. Die Vier- und Fünfjährigen gingen ein Jahr in den Kindergarten, höchstens zwei. Damals hießen die jungen Erzieherinnen noch „Fräulein“. Auch bei Gudrun Wirth war das so. Als Fräulein Vollmann trat sie ihre erste Stelle im Valberter Kindergarten an. Damals vor fast 45 Jahren.

„Ich war auch bei Frau Wirth in der Gruppe.“ Dieser Satz fällt oft, wenn Eltern ihrem Nachwuchs von der Kindergartenzeit erzählen. Niemand anderes verkörpert den Valberter Kindergarten so wie sie. Dunkle lange Haare, freundlich, kompetent – so ist Gudrun Wirth bekannt in Valbert, war „In den Bäumen“, im Karree bestehend aus Gemeindehaus, Pfarrhaus, Gemeindebüro und Kita, auch prägende Persönlichkeit. 

So ist im August 1975 auch im Protokollbuch der evangelischen Kirchengemeinde vermerkt, dass das Presbyterium einstimmig ihre Anstellung als Gruppenleiterin beschlossen habe. Am 1. Oktober des gleichen Jahres nahm die Kiersperin ihre Arbeit auf, die sie bis heute ausfüllt. 

Leiterin seit 1982

Im Mai 1982 übernahm sie die Leitung des Kindergartens. Spielen, malen, basteln – das ist über vier Jahrzehnte bis heute so geblieben. Grundlegendes habe sich allerdings auch verändert, erzählt die 63-Jährige. Qualitätsmanagement, Dokumentationen von Arbeitsprozessen, Entwicklung von Leitbildern – das klingt weit entfernt von Mitmachliedern, Verkleidungsspielen und Vorlesestunden. Ist es aber nicht. 

Heute komme es allerdings verstärkt darauf an, Bildungsangebote zu eröffnen, Kinder anzuregen, sich selbst und ihre Stärken zu entdecken. Experimentieren, selbst Spielmöglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln, das sei wichtig, sagt Gudrun Wirth. Pädagogische Ziele habe es auch früher gegeben. Inzwischen sei aber von Bedeutung, dies auch zu dokumentieren. 

"Die Kinder sollen sich wohlfühlen"

„Es ist wichtig, Qualität zu zeigen.“ Für diejenigen, um die sich alles dreht im Kita-Alltag, zählt aber vor allem eines: „Die Kinder sollen sich wohlfühlen.“ Dafür sei es wichtig, „sie anzunehmen, ihre Stärken zu sehen.“ 

Früher seien hingegen die Schwächen festgemacht worden. Auch da sei es dann um Förderung gegangen, doch heute sei die Herangehensweise eine andere: „Wir loben die Kinder für ihre Stärken. Wenn man gelobt wird für etwas, woran man Freude hat, wird man sich weiter entwickeln“, ist die Erzieherin überzeugt. Den Fünfjährigen mit erhobenem Zeigefinger erzählen, was sie alles können müssen, wenn sie in die Schule kommen – davon ist man im Kindergarten im Ebbedorf weit entfernt. 

Gemeinschaftssinn als Kernaufgabe

Stattdessen sollen die Jungen und Mädchen lernen, selbstständig zu werden und in der Gemeinschaft einen Platz zu finden. „Sie sollen lernen, Freunde zu finden, aber durchaus auch zu streiten und den anderen zu Wort kommen zu lassen.“ Zu lernen, in der Gemeinschaft zurechtzukommen, das sei eben sehr wichtig, findet Gudrun Wirth. 

Viele Sichtweisen und Arbeitsabläufe haben sich verändert – und die Kinder haben es auch. Dass sich viele von ihnen nicht mehr so lange auf eine Sache konzentrieren können, weil sie von vielen Dingen beeinflusst werden, ist die eine Sache. „Kinder sind aber auch interessierter, fragen viel“, hat Gudrun Wirth festgestellt. Das sei die andere Seite, die dem Einfluss der Medien zuzuschreiben sei und die beispielsweise auch dazu führe, dass die sich verändernde Umwelt wahrgenommen würde.

Auf dem Land ist die Welt "noch etwas anders"

Eines habe sich allerdings nicht verändert: „Kinder sind immer noch neugierig. Das finde ich schön“, steht für Gudrun Wirth fest und sie betont: „Wir sind auf dem Land.“ Da sei die Welt „noch etwas anders.“ Anders wird der Tagesablauf auch für die 63-Jährige künftig sein. Sie wird mehr Zeit haben für Reisen, für Sprachen, Zeit für Hobbys wie Lesen, Malen oder Nähen. 

Mehr Ruhe wird sie ebenfalls haben. Dabei ist das Wort Ruhe nicht auf die Lautstärke bezogen. „Unsere Kinder sind nicht laut“, findet die Kita-Leiterin und lacht: „Ich kann sie noch gut hören.“ Vielleicht liege es an den Bewegungsmöglichkeiten, die stetig geboten würden. Turnen, Wassergewöhnung im Hallenbad, Fußballspiele – all das gehöre zum Kindergartenalltag. „Und wir gehen jeden Tag raus, auch bei Nieselwetter.“ – „Kinder brauchen Sauerstoff“ – diese Devise ist nicht neu und wird vom gesamten Kindergartenteam beherzigt. 

Schon bald wird sich der Tagesablauf von Gudrun Wirth allerdings verändern. Vermissen, sagt sie, werde sie vor allem die Kinder. 60 Mädchen und Jungen, aufgeteilt in drei Gruppen, besuchen die evangelische Einrichtung im Ebbedorf, neben U3-Kindern auch Integrationskinder. Wie viele Jungen und Mädchen sie insgesamt aufwachsen sah in mehr als vier Jahrzehnten? „Das habe ich noch nie gezählt“, schmunzelt Gudrun Wirth. 

Einst Valberter Kindergartenkind war auch Simona Busch-Brock. In der Kita absolvierte sie auch ihre Ausbildung. Wurzeln, zu denen sie nun zurückkehrt. Am 1. Februar hat die 48-Jährige, die viele Jahre im Meinerzhagener DRK-Kindergarten „Korallenriff“ beschäftigt war, die Leitung des Kindergartens übernommen. Vielen Kindern und Eltern ist Simona Busch-Brock bereits bekannt. Schon lange engagiert sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit, seit Jahren gehört sie zum Regebogenland- und Weihnachtsfamiliengottesdienst-Team. 

Gudrun Wirth wird am Sonntag, 9. Februar, während des Gottesdienstes, der um 10.15 Uhr beginnt, verabschiedet.

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