Konkurrenzsituation befürchtet

Kritik am neuen Standort der Awo-Kita

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Die Awo-Kita soll auf dem Gelände neben der Johanneskirche gebaut werden.

Meinerzhagen – Eigentlich hatte es ein rundum positiver Ausblick auf die Zukunft der Kita-Plätze in Meinerzhagen werden sollen. Doch der neue Standort der Awo-Kita sorgte für Kritik.

Matthias Sauerland, Fachdienstleiter Jugendförderung und Kinderbetreuung im Jugendamt des Märkischen Kreises, konnte dem Ausschuss für Familie, Jugend, Soziales und Senioren am Donnerstag das bestätigen, was in der vergangenen Woche bereits veröffentlicht worden war: Die Stadt bekommt gleich zwei neue Kindertagesstätten – wenngleich eine davon, die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt, nur als Ersatzstandort für das in die Jahre gekommene Schullandheim der Stadt Hagen gebaut wird. Genau dieser Ersatz war zum Ende der öffentlichen Sitzung aber Grund für Kritik. Doch von vorne. 

Matthias Sauerland hatte erneut die Bedarfszahlen an Kita-Plätzen für das kommende Kindergartenjahr mitgebracht und war froh darüber, von einem deutlichen Anstieg der Versorgungsquote sprechen zu können. Die lag bislang auf einem kreisweit desolaten Wert von 21,7 Prozent, steigt nun aber auf 26,1 Prozent an – womit Meinerzhagen immerhin nicht mehr die rote Laterne der Kommunen des Kreisjugendamts trägt. 

Vorerst werden 50 neue Plätze geschaffen

Möglich wird dieser Sprung durch die Kooperation eines neuen Kita-Trägers mit einem heimischen Unternehmen – dem Vernehmen nach handelt es sich um die Otto Fuchs KG. Beide wollen gemeinsam mit Investorin Katharina Böcher die lange stillstehende Baustelle Im Brannten zu einem guten Ende bringen und dort noch in diesem Jahr den Kita-Betrieb aufnehmen. Vorerst sollen so 50 neue Plätze entstehen, acht davon für Kinder von Firmenmitarbeitern, wie Matthias Sauerland auf Nachfrage erklärte. „Wir haben uns darauf verständigt, dass die Einrichtung innerhalb von drei Jahren sukzessive erweitert wird und wir am Ende 70 Plätze geschaffen haben“, sagte der Fachdienstleiter. 

Die Gesamtzahl an Plätzen für Kinder von drei bis sechs Jahren steigt damit für 2019/20 von 510 auf 549 an, die der U3-Plätze von 87 auf 116. Noch nicht berücksichtigt wurden neu zu schaffende Plätze der Awo, die gemeinsam mit der Meinerzhagener Baugesellschaft (MBG) als Investor neben der Johanneskirche eine neue Kita bauen will. Allzu große Veränderungen in der Gesamtzahl dürfte es dabei ohnehin nicht geben, da es sich um einen Ersatzbau handelt, der – das betonte Matthias Sauerland auf Nachfrage der Grünen-Fraktion – unabdingbar sei. „Die Stadt Hagen will das Gebäude des ehemaligen Schullandheims verkaufen und drängt bereits auf eine neue Lösung.“ 

Nur drei Gruppen im Süden - 14 im Norden

Dass sich diese Lösung aber im Norden und nicht im Süden der Stadt abzeichnet, stieß nicht nur bei Jan Blume (CDU) und Karl Hardenacke (Grüne) auf Kritik, sondern auch bei den zahlreichen anwesenden Vertreterinnen der heimischen Kitas. Insbesondere vonseiten des evangelischen Kindergartens am Inselweg wurden erhebliche Bedenken laut, da der neue Nachbar für eine Konkurrenzsituation sorge, die mittelfristig den Bestand der evangelischen Einrichtung infrage stellen könne. Und: Während es in der Nordstadt derzeit 14 Gruppen gebe, so seien es im Süden nur drei. Ein Ungleichgewicht, dass viele Eltern vor Mobilitätsprobleme stelle. 

Fachbereichsleiter Heinz-Gerd Maikranz wies darauf hin, dass im Zuge neuer Wohngebiete und Ansiedlungen der Bedarf auch im Norden noch steigen dürfte. Bedenken hinsichtlich der großen Konkurrenz im Norden gab es dennoch. Auch von einer Vertreterin des Kita-Zweckverbands des Bistums Essen, der eigentlich eine Modernisierungsoffensive auch in der Kita St. Martin nebst dem Aufbau einer weiteren Kita-Gruppe anstoßen wollte. „Das habe ich nach dem Bericht über die neue Awo-Kita erst einmal gebremst. Diese weitere Gruppe könnte einfach nicht existieren“, so die Zweckverbands-Vertreterin, die den neuen Standort genauso wie CDU-Ratsherr Jan Blume für „schwierig“ hält. „Ich habe die Befürchtung, dass einige kleinere Einrichtungen dann in zehn Jahren nicht mehr existieren werden.“ Die Awo selbst konnte im Ausschuss indes keine Stellung beziehen: Von ihrer Kita war keine Vertreterin vor Ort.

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