Meinerzhagen dreifaches Schlusslicht

In Sachen Kinderbetreuung sieht es in Meinerzhagen nicht gut aus.

MEINERZHAGEN ▪ Die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Jugend und Familie waren erkennbar ernüchtert und auch deutlich ratlos: Die Versorgungssituation mit Kindergartenplätzen und ganz besonders für „Krippenplätze“ der U-3-Betreuung ist in Meinerzhagen aktuell schlichtweg miserabel.

Die Volmestadt ist sozusagen dreifaches Schlusslicht: Eine Versorgungsquote von aktuell nur 7,9 Prozent bei Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren ist kreisweit der schlechteste Wert. Der Märkische Kreis mit einer Quote von 17,4 Prozent rangiert landesweit auf dem letzten Platz. Und NRW wiederum weist deutschlandweit den geringsten Versorgungswert mit knapp 20 Prozent auf.

Ausschussvorsitzende Roswitha Offermann (SPD) formulierte vor dem Eindruck dieser Negativbilanz eine klare Forderung an die Adresse des Märkischen Kreises, dessen Jugendamt für Meinerzhagen zuständig ist: „Der Kreis steht in der Verantwortung und muss hier dringend aktiv werden.“ Diesen, wie sie es unterstrich, „klaren Auftrag“ nahm Matthias Sauerland als Gast im Ausschuss entgegen. Er ist Fachbereichsleiter für Jugendförderung und Kinderbetreuung beim Kreis und hatte dem Ausschuss einen Überblick über den Stand der Kindergartenbedarfsplanung in Meinerzhagen aus Sicht des Kreisjugendamtes gegeben. Dabei musste er kommentierend einräumen: „Die Situation in Meinerzhagen ist kreisweit durchaus außergewöhnlich.“

Dass Statistiken auf der einen Seite und tatsächliche Gegebenheiten auf der anderen Seite mitunter schwer in Einklang zu bringen sind, wurde in der ausgiebigen Beratung im Fachausschuss zum Thema überdeutlich. So gibt es bei allen Kindergärten im Stadtgebiet offenbar auch zurzeit lange Wartelisten, wobei nur der Waldorf-Kindergarten in Willertshagen eine Ausnahme darstellt. Hier könnte nach erfolgter Renovierung der Räumlichkeiten durchaus noch eine komplette zweite Gruppe eingerichtet werden. „Doch diese Einrichtung wird erkennbar wenig nachgefragt“, informierte Sauerland.

Für Meinerzhagen habe es mit Blick auf das laufende Kindergartenjahr ein besonderes Phänomen gegeben: „Es sind nach unseren Erkenntnissen verstärkt Familien mit Migrationshintergrund nach Meinerzhagen gezogen und haben für zahlreiche Kinder Kindergartenplätze in Anspruch genommen“, schildert Sauerland.

Dies habe zu einer überproportional starken Nachfrage nach regulären Kindergartenplätzen geführt. Nur weil sich nach intensiven Gesprächen mit den Trägern der heimischen Kindergärten die Bereitschaft ergeben habe, zusätzliche Plätze über den regulären Betrieb in verschiedenen Einrichtungen zu schaffen, habe man diese überraschend eingetretene Nachfragesituation auch lösen können. Derzeit sind demnach alle 528 im Stadtgebiet vorhandenen Kindergartenplätze belegt. Darunter sind 39 U-3-Plätze. Und es gebe im Bereich der Tagespflege für Meinerzhagen aktuell sogar noch eine frei verfügbare Kapazität von 18 Plätzen, zeigte Sauerland auf.

Weitere zwölf U-Plätze sollen für das Kindergartenjahr 2013/14 geschaffen werden: Je sechs im katholischen Kindergarten St. Martin am Kumpenhahn und im Awo-Kindergarten Rappelkiste am Eickenhahn. Trotz der angespannten Situation gibt es laut Aussage des Kreisjugendamtes für Meinerzhagen derzeit lediglich zwei Anmeldungen für Kinder, denen noch nicht entsprochen werden konnte. Dem gegenüber stehen die Informationen aus den Einrichtungen selbst, wo nach wie vor lange Wartelisten geführt werden. Beim turnusmäßigen anstehenden Abstimmungsgespräch mit den Vertretern der Kindergärten, dem Kreisjugendamt und der Stadt, das am heutigen Donnerstag stattfindet und bei dem es um die konkreten Planungen für das Kindegartenjahr 2013/14 gehen wird, sollen die Zahlen und Fakten noch einmal gründlich miteinander abgeglichen werden. Sauerland: „Häufig gibt es auch Mehrfachanmeldungen von Eltern.“

Eltern, die den gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz anmelden und auch durchsetzen wollen, sind übrigens gut beraten, dies gleich gegenüber dem Kreisjugendamt zu tun. „Wir sind zuständig und wir kümmern uns!“, so dazu die eindeutige Ansage von Matthias Sauerland. Ab August 2013 gibt es diesen einklagbaren Anspruch dann auch für die U-3-Betreuung. Und da dürfte es den Verantwortlichen mit Blick auf die nach derzeitigem Stand bis dahin in Meinerzhagen maximal erreichbare Versorgungsquote von 15,5 Prozent unter Einschluss der Tagespflegeplätze mittlerweile angst und bange werden.

„Wir stehen im intensiven Gespräch mit der Stadt und den Trägern der Kindergärten“, verdeutlichte Sauerland. Dabei sei man beispielsweise auch offen für mögliche Kooperationslösungen, wie zum Beispiel auch der Einrichtung von Werkskindergartenplätzen in heimischen Unternehmen. Dass die Geburtenzahlen zuletzt kontinuierlich abnahmen, sei allerdings bei allen Überlegungen ein Tatbestand, der weiter zu beachten sei. ▪ -fe

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