Kinder und Kultur – geht das?

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Hans-Joachim Stöver (links) von Haus Nordhelle und einige Teilnehmer der Fachtagung. ▪

VALBERT ▪ Was zunächst ein wenig nach „trockener“ Theorie klang, entpuppte sich bei der Fachtagung „Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“ im Valberter Haus Nordhelle dann jedoch als hoch spannend.

Denn: Letztlich ging es um den so genannten „demografischen Wandel“, der auch vor Meinerzhagen nicht halt macht.

Immer weniger Kinder, immer mehr ältere Menschen. Das ist Fakt und darauf müssen sich „Politik“ und „Kulturschaffende“ auch an der oberen Volme einstellen. Damit einher geht der Bevölkerungsverlust im ländlichen Bereich, zunehmend zieht es junge Menschen in Großstädte. Immer wieder betont deshalb auch Bürgermeister Erhard Pierlings die Bedeutung, die der Reaktivierung der Bahnstrecke und der Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Lüdenscheid-Brügge und Köln über Meinerzhagen zukommt. Gerade jungen Leuten, die noch nicht Auto fahren dürfen oder denen dafür die finanziellen Mittel fehlen, soll damit die unverzichtbare Mobilität verschafft werden. Ein Argument dafür in Meinerzhagen zu bleiben.

Und was hat die Kultur damit zu tun? Eine ganze Menge. Das jedenfalls fanden die Beteiligten an der Fachtagung. Und deshalb diskutierten sie über so spannende Fragen wie „Wie gehen Einrichtungen und Akteure mit den demografischen Veränderungen um? Wie tritt man der durch Wegzug und Schließung entstehenden Schrumpfung des Gesamtangebotes entgegen? Wie hebt man lokale Schätze kultureller Bildung und belebt sie so, dass sie für Kinder und Jugendliche bedeutsam werden? Welche Rolle spielt das bürgerschaftliche Engagement zur Aufrechterhaltung kultureller Angebote? Welche Rolle spielen die (Ganztags-) Schulen als Orte für Kunst und Kultur? Und schließlich ging es auch um die interkommunale Zusammenarbeit in Sachen „Kultur“, gerade das auch ein Thema in Meinerzhagen, wo im Rahmen der Regionale 2013 bekanntlich über gemeinsame Kulturprojekte diskutiert wird.

Der von ehrenamtlicher Mitarbeit getragene KuK-Verein als Veranstalter kultureller „Highlights“ ist ein Glücksfall für Meinerzhagen und Kierspe. Kabarettisten, Musiker, Autoren und andere Künstler treten regelmäßig in den Volmestädten auf. Und auch in der evangelischen Tagungsstätte Haus Nordhelle werden das ganze Jahr über Tagungen aber auch unterhaltsame Veranstaltungen durchgeführt. Schließlich engagiert sich auch die Stadt auf dem Kultur-Sektor. Noch sind die Angebote reichhaltig und fast durchweg gut besucht – doch was tun, wenn der „Nachwuchs“ ausbleibt?

Darüber diskutierten am Mittwoch in Haus Nordhelle etwa 130 Gäste, über deren Teilnahme sich Joachim Stöver, Leiter der Einrichtung, freute – ebenso wie die Angehörigen der Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung in Schulen und Jugendarbeit NRW“ aus Remscheid, die die Tagung organisierten. Unter den Besuchern waren Vertreter vieler Kulturvereine und Institutionen wie Städte, Musikschulen und anderer Bildungseinrichtungen. Und auch Rosemarie Meyer-Behrendt vom NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport war gekommen, um die regionale Kulturpolitik des Landes NRW darzulegen. Renate Schulte-Fiesel, Erste stellvertretende Landrätin, nahm ebenfalls teil.

Wie erfolgreiche Kulturarbeit im ländlichen Raum aussehen kann, dafür gab es am Mittwoch auch konkrete Beispiele. So ein Projekt aus Ahlen, das sich vor allem an Grundschulen richtet. Systematisch wurden dabei im vergangenen Jahr 80 Klassen betreut. Kulturelle Einrichtungen wurden den Schülern vorgestellt und von ihnen besucht. Tanzprojekte, Museumsbesuche und andere Aktivitäten gehörten dazu. Und ganz wichtig: Immer sorgten die Projektverantwortlichen dafür, dass die Mobilität gewährleistet wurde – etwa durch bereit gestellte Busse. „Es gab ein klares Bekenntnis zu kultureller Bildung. Hoch interessant war es, zu erfahren, wie beispielsweise die Kooperation von Schulen und Einrichtungen aussehen kann“, erläuterte Joachim Stöver nach der Fachtagung, die allen Teilnehmern wertvolle Anregungen mit auf den Weg gab. ▪ beil

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