Keine Zukunft für Meinerzhagener Hauptschule

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Panoramaansicht eines schmucken Schulgebäudes: Die Städtische Hauptschule an der Genkeler Straße ist gleichwohl in ihrem Bestand als Schulform akut gefährdet. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Die Schullandschaft ist – nicht zum ersten Mal – in Bewegung, steht vor einem weiteren Umbruch. Die demographische Entwicklung sorgt für sinkende Schülerzahlen. Insbesondere im ländlichen Raum steht die Zukunft ganzer Schulen auf dem Prüfstand. Bedroht in ihrer zurzeit noch verfassungsmäßig verankerten Existenz ist vor allem die Hauptschule. Betroffen als Schulträger und anerkannt leistungsstarker, bislang dreigliedriger Schulstandort ist auch die Stadt Meinerzhagen.

Im Schulausschuss, der am Donnerstag im Pädagogischen Zentrum der Hauptschule tagte, ging es um die vor Ort sich ergebenden Konsequenzen und konkret um Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft. Der städtische Beigeordnete Frank Maatz machte klar: „Es wird angesichts der absehbaren Entwicklung auf Dauer wohl nicht weiter ein dreigliedriges Schulsystem geben können. Wir wollen als Schulträger aber mit passenden und bedarfsgerechten Lösungen dafür sorgen, dass Meinerzhagen ein guter und attraktiver Schulstandort bleibt.“

Die von der Verwaltung vorgelegten Schülerzahl-Prognosen lassen konkreten Handlungsbedarf im Bereich der Hauptschule erkennen. Hier kommt zum demografischen Faktor eine weitere aktuelle Entwicklung hinzu. Die Änderung des Schulgesetzes mit dem darin formulierten Elternwillen, der jetzt bestimmend für die Wahl der Schulform beim Übergang von der Grundschule ist, wirkt sich eindeutig zu Lasten der Hauptschule aus. So sind für das nächste Schuljahr statt erwarteter 30 aktuell nur 20 Kinder für die Eingangsklasse fünf angemeldet.

Das stellt in Frage, ob es künftig überhaupt noch möglich sein wird, eine Eingangsklasse zu bilden, für die es mindestens 18 Schüler, nur im Ausnahmefall mindestens 15 geben muss. Ein möglicher Wegfall der Eingangsklasse 5 ab dem Schuljahr 2013/14 würde zum Schuljahresbeginn 2015/16 zur Einstellung des geordneten Schulbetriebs bei der städtischen Hauptschule führen, zeigt die Verwaltung auf.

Wie man auf diese mögliche Entwicklung reagieren kann, darüber wird zurzeit intensiv nachgedacht und beraten. Frank Maatz verwies auf die aktuelle Entwicklung auf Landesebene, wo sich ein parteienübergreifender Konsens, auch als „NRW-Schulfrieden“ bezeichnet, abzeichne und der vor allem auch lokale, maßgeschneiderte Lösungsansätze vor Ort ermöglichen solle – ob Gemeinschaftssschule, Verbundschule oder eine wie auch immer geartete Kooperation verschiedener Schulformen miteinander.

Man befinde sich derzeit in intensiven Abstimmungs- und Planungsgesprächen mit allen Meinerzhagener Schulen, der Schulaufsicht und auch der Bezirksregierung. Arbeitstitel für eine mögliche Grundkonstruktion könnte dabei „der Meinerzhagener Weg“ sein. Fertige Konzepte könne man derzeit nicht präsentieren, sagte Maatz auf Nachfrage aus dem Ausschuss. Er sagte aber zu, dass man den Weg zu einer Lösung „transparent und offen“ gestalten werde.

Hauptschulleiterin Petra Linge-Stühn erklärte, man sei in guten Gesprächen, sehe die Entwicklung und sei an einer Zusammenführung der guten Bestandteile von Haupt- und Realschule interessiert.

Peter Regali als Leiter der Realschule skizzierte einen möglichen Einstieg in Grundzügen so: Es könnte zunächst eine gemeinsame Erprobungsstufe in den Jahrgangsbereichen fünf und sechs für Haupt- und Realschule geben mit einer Ausweitung der Förderangebote und einer Differenzierung dann ab Klasse sieben. Auch Sven Dombrowski vom Evangelischen Gymnasium bekundete die Bereitschaft seiner Schule, sich mit eigenen Förder- und Integrationsangeboten an einem wie auch immer gestalteten Kooperationsmodell auf städtischer Ebene beteiligen zu wollen.

Die Schülerzahlprognosen bis zum Jahr 2015  weisen für die vier Meinerzhagener Grundschulen nach wie vor eine relativ stabile Situation aus. Die Gesamtzahl dürfte von 863 auf 779 Schüler und damit vier Klassen zwar absinken, ohne dass der Bestand einer der Grundschulen gefährdet ist. Auch die Realschule kann voraussichtlich weiterhin fast durchgängig dreizügig geführt werden.

Das Evangelische Gymnasium profitiert vom deutlichen Trend hin zum gymnasialen Abschluss und kann im Prognosezeitraum sogar noch mit steigender Schülerzahl und weiterhin Vierzügigkeit fest kalkulieren. ▪ -fe

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