Keine Legionellen-Gefahr in Meinerzhagen

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Das Archivbild zeigt Kinder im Rahmen der Ferienspiele bei der Besichtigung der Ruhrverbands-Kläranlage an der Volmestraße. Legionellen-Gefahr besteht hier nicht.

Meinerzhagen - Mittlerweile gilt es als sicher, dass eine Kläranlage Auslöser für das massenhafte Auftreten von Legionelleninfektionen in der Stadt Warstein ist. 165 Erkrankungsfälle wurden festgestellt, zwei Menschen starben an den Krankheitssymptomen.

Von Horst vom Hofe

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Legionellen-Gefahr, wie gerade in Warstein, besteht wegen anderer technischer Auslegung hier nicht. Was Experten und auch der Ruhrverband als Betreiber der Anlage in Warstein zunächst für ausgeschlossen hielten, hat sich damit bewahrheitet. Gleichwohl müssen sich die Anwohner anderer Kläranlagen in Zuständigkeit des Ruhrverbandes offenbar keine Sorgen machen, dass auch sie womöglich von einer ähnlichen Situation wie jetzt in Warstein bedroht werden könnten.

Auf Anfrage der MZ verwies Ruhrverbands-Pressesprecher Markus Rüdel darauf, dass es in Warstein technische Besonderheiten gebe, die in der weit überwiegenden Zahl der insgesamt 68 Ruhrverbands-Kläranlagen so nicht vorhanden seien. Das gelte auch für die beiden Anlagen in Meinerzhagen und der Kläranlage Kierspe.

Zwei Besonderheiten unterschieden die Warsteiner Anlage von den übrigen Anlagen: Zum einen ist die Temperatur im Belebungsbecken wegen der dort eingeleiteten Industrie-Abwässer um etwa vier Grad erhöht. Zum anderen war der Kreiselbelüfter in den Klärbecken nur noch in Warstein sowie in Eslohe und Witten-Herbede vertreten. Dabei handelt es sich um eine Technik, die der Ruhrverband seit nunmehr 90 Jahren eingesetzt hat und mit der es zuvor niemals erkennbare Probleme gegeben hat.

Bei den meisten Kläranlagen wird inzwischen ein anderes Verfahren eingesetzt, wobei Luft von unten in die Klärbecken eingeblasen wird, um damit die Bakterien, die den Klärprozess betreiben, mit dem nötigen Sauerstoff zu versorgen. Hier kann es daher auch nicht zu einer Tröpfchenbildung (Aerosole) an der Oberfläche kommen, was im Fall von Warstein über die Luft dann wohl zur Verbreitung der Legionellen führte.

In einer Pressemitteilung zum Fall in Warstein hat der Ruhrverband wie folgt Stellung genommen: „Der Ruhrverband ist betroffen über die sich in den letzten Tagen verdichtende Erkenntnis, dass ein Zusammenhang zwischen den in Warstein aufgetretenen Legionelleninfektionen und der Kläranlage Warstein nicht ausgeschlossen werden kann. Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen; wir wünschen allen Erkrankten baldige und vollständige Genesung. Wir hoffen, dass über das Erkennen des Problems und mit Hilfe der getroffenen Maßnahmen eine nachhaltige Lösung erreicht wird.

Aus den rund 90 Jahren, in denen das immer wieder modernisierte und modifizierte biologische Reinigungsverfahren, das auch in Warstein zur Anwendung kommt, erfolgreich zur kommunalen Abwasserreinigung eingesetzt wird, ist uns als Fachleuten weltweit kein Fall bekannt, in dem eine Legionelleninfektion von einer Kläranlage ausgegangen ist. Der Ruhrverband arbeitet in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und dem Krisenstab des Kreises Soest mit vollem Einsatz daran, die mögliche Verbindung zwischen den Infektionen und der Kläranlage Warstein vollständig aufzuklären und alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um künftige Gesundheitsgefährdungen auszuschließen.

Als erste vorsorgliche Maßnahmen hat der Ruhrverband bereits den biologischen Tropfkörper der Kläranlage Warstein außer Betrieb genommen und die Oberflächenbelüftung des Belebungsbeckens durch eine Belüftung mit Sauerstoff ersetzt. Die mobile Anlage zur Desinfektion des Kläranlagenablaufs ist mittlerweile in Betrieb gegangen. Dies dient zur Abtötung von Legionellen. Um die Ursachen der Legionellenbelastung so umfassend und zeitnah wie möglich zu ermitteln, hat der Ruhrverband in enger Abstimmung mit dem Umweltministerium, der Bezirksregierung und dem Kreis Soest ein intensives Messprogramm für die Kläranlage Warstein veranlasst. Untersuchungsergebnisse aus diesem Programm liegen wegen der aufwändigen und zeitintensiven Analyseverfahren derzeit noch nicht vor.“ Soweit die Pressemitteilung. Gestern wurden die betroffenen Becken zusätzlich mit einer Abdeckung versehen.

In Warstein deutet mittlerweile alles darauf hin, dass nach fast drei Wochen die Massenerkrankungswelle zu Ende ist. Die Reisewarnung kann daher voraussichtlich bald aufgehoben werden.

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