15 funktionsfähige Sirenen im Stadtgebiet

Flut-Warnung per Sirene - in Meinerzhagen nicht nötig

Sirenen der neuen Generation sind auf dem Dach von Musikschule/Jugendzentrum montiert.
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Sirenen der neuen Generation sind auf dem Dach von Musikschule/Jugendzentrum montiert.

15 Sirenen gibt es im Stadtgebiet von Meinerzhagen. Sie sind so verteilt, dass jeder Bürger mindestens eine davon hören kann, wenn es nötig sein sollte. Und: Alle funktionieren laut Ordnungsamt einwandfrei.

Meinerzhagen – Am Mittwoch, als der Himmel seine Schleusen öffnete, war allerdings keine Sirene zu hören. Die Bevölkerung wurde auch in der Volmestadt nicht auf diese altbekannte Art und Weise gewarnt. Aus Sicht von Stadtbrandinspektor Christian Bösinghaus war das in Meinerzhagen auch nicht nötig. So viel Wasser sich auch ergoss, eine Katastrophe von einem Ausmaß wie in Altena drohte zwischen Ihne, Lister und Volme zu keinem Zeitpunkt. „Wir hatten 16 Einsätze in der Stadt, bei denen es zumeist um Wasser im Keller ging.“

Signale kaum bekannt

Der Meinerzhagener Feuerwehrchef sieht allerdings in Sachen Vorwarnung ein ganz anderes Problem: „Auch wenn die Kreisleitstelle in Rosmart uns den Auftrag erteilt hätte, Katastrophenalarm zu geben – welcher Bürger hätte das entsprechende Signal für den Katastrophenfall – ein einminütiger auf- und abschwellender Dauerton – richtig deuten können? Wir hätten unter Umständen nur Panik geschürt“, glaubt Christian Bösinghaus.

Der oberste Feuerwehrmann in Meinerzhagen plädiert deshalb dafür, das Bewusstsein für den Sirenenalarm in der Bevölkerung wieder zu schärfen: „Die älteren Generationen kennen das vielleicht noch. Aber im digitalen Zeitalter sind die Sirenen heute bei vielen eben nicht mehr präsent.“

Sechs Autos mit Lautsprechern

Die Feuerwehr selbst alarmierte in Meinerzhagen ihre Einsatzkräfte am Mittwoch übrigens digital. Dafür stehen laut Bösinghaus eine App und die digitalen Meldeempfänger zur Verfügung. Muss dann konkret vor Gefahren gewarnt werden, könnte die Meinerzhagener Wehr auch sechs Fahrzeuge einsetzen, die mit Lautsprechern ausgerüstet sind. Sie würden die Stadtteile abfahren und konkrete Hinweise geben. „Diese Kräfte und auch die Fahrzeuge würden uns dann im Einsatz natürlich fehlen“, gibt Bösinghaus allerdings zu bedenken.

Thomas Decker vom Ordnungsamt ist jedenfalls froh, dass man in Meinerzhagen am Warn- und Alarmierungssystem Sirene festgehalten hat: „In anderen Städten wurde nicht mehr auf die Sirenen gesetzt. Aber wir haben die Anlagen nicht abgebaut und sie immer kontinuierlich gewartet.“

Sirenen blieben stumm

Im ganzen Märkischen Kreis und vor allem in den besonders betroffenen Gebieten stellt sich nach der Flut die Frage: Wurde die Bevölkerung in den Überschwemmungsgebieten durch Sirenenalarm vor der Flut gewarnt? Nach bisherigem Stand nicht, wie Kreissprecher Alexander Bange auf Anfrage mitteilte. Zwar heulten in einigen Bereichen unter anderem in Altena die Sirenen, allerdings nur zur dringlichen Alarmierung der Einsatzkräfte – erkennbar durch einen einminütigen Dauerton mit zweifacher Unterbrechung. Der auf- und abschwellende Heulton (Katastrophenfall) dagegen war im Kreis nicht zu hören.

Kreisweit sind inzwischen 168 Sirenen installiert, beim letzten landesweiten Warntag am 11. März dieses Jahres funktionierten jedoch nicht alle einwandfrei. Damals versäumte es der Kreis als zuständige Katastrophenschutzbehörde, eine Warnung über die Warn-App Nina zu versenden. Das war diesmal anders. Am Mittwoch (14. Juli) um 20.04 Uhr warnte der Märkische Kreis als zuständige Katastrophenschutzbehörde vor Gefahr durch „Hochwasser/Überflutung“. Menschen in den betroffenen Bereichen sollten Heiz- und Kochgeräte abschalten, das Gebäude verlassen und sich „an einen sicheren Ort“ begeben. Alle anderen wurden gebeten, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und unnötige Fahrten zu vermeiden.

Unwetterwarnung für MK

Zuvor hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mehrere Unwetterwarnungen für den Märkischen Kreis an die App-Nutzer im Kreis verschickt. Vorhergesagt wurde Extremwetter mit Regenmengen bis 160 Liter pro Quadratmeter – in 72 Stunden. In Lüdenscheid beispielsweise fielen allerdings 151 Liter innerhalb von 24 Stunden, in anderen MK-Kommunen noch mehr. Wie viele Smartphone-Nutzer im Kreis die Nina-Warnapp haben, ist nicht bekannt.

Wie die Menschen vor Ort über die Nina-Warnapp hinaus gewarnt werden, obliegt nach Angabe von Kreissprecher Alexander Bange den Städten und Gemeinden: „Es ist ihre Aufgabe, die Bevölkerung vor Ort zu warnen.“ Dies gelang nicht. Zahlreiche Flutopfer in Lüdenscheid und anderswo berichteten, von der Wucht der Wassermassen überrascht gewesen zu sein. „Krisenstab und Einsatzleitung befinden sich derzeit noch in einer Schadensbegrenzungslage. Wir konnten das Ereignis noch nicht aufarbeiten“, erklärte Kreissprecher Bange. Dies werde nach Abschluss der Maßnahmen erfolgen.

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