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Kein Spaziergang ohne Mülltüte

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Von: Simone Benninghaus

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Ohne Müllbeutel und Greifarm sind Laura und Frederik Skudlarek nicht mehr unterwegs, wenn sie mit ihren Kindern einen Spaziergang machen.
Ohne Müllbeutel und Greifarm sind Laura und Frederik Skudlarek nicht mehr unterwegs, wenn sie mit ihren Kindern einen Spaziergang machen. © Benninghaus, Simone

Zigarettenkippen, Papierschnipsel, Glas und „brutal viele“ Schutzmasken – das sind die Dinge, die Laura und Frederik Skudlarek auf ihren Spaziergängen entdecken, die sie in der Natur oder an Straßenrändern aber eigentlich nicht sehen möchten. Ein Grund, warum an ihrem Kinderwagen jetzt immer eine Mülltüte hängt und sich die Meinerzhagener mit einem Greifarm ausgerüstet haben.

Meinerzhagen – Als junge Eltern der 15 Monate alten Zwillinge Malte und Marlene unternehmen Laura und Frederik Skudlarek oft Spaziergänge mit ihrem Nachwuchs. „Wir wohnen in Nordhellen, in einer schönen Gegend, doch uns ist aufgefallen, dass in der Umgebung insbesondere an den Straßenrändern viel Müll liegt“, erzählt Laura Skudlarek und ihr Ehemann stimmt zu: „Man kann sich darüber aufregen oder man kann was tun.“ Gesagt und in die Tat umgesetzt. Wenn die Familie jetzt auf ihren Rundweg von Nordhellen, über Sebastopol und Langenohl in das Industriegebiet Grünewald aufbricht, fehlen weder Müllbeutel noch Handschuhe. Auch ein Greifarm wurde angeschafft, der beim Müll sammeln zum Einsatz kommt. Traurige Feststellung: „Es lohnt sich.“ Die Tüte werde jedes Mal gefüllt.

Der Wunsch: Größeres Bewusstsein für die Umwelt

Als junge Eltern wünschen sie sich ein größeres Bewusstsein für die Umwelt. „Es geht darum, dass einem bewusst wird, in was für einer Welt Kinder leben“, sagt Laura Skudlarek, die als Mutter auch ihre Vorbildfunktion sieht.

Ein Leitspruch seiner Branche sei „Man geht nie leer“, erzählt der gelernte Hotelfachmann Frederik Skudlarek. Aufs Spazieren gehen lasse sich das einfach übertragen. „Man kann dabei auch etwas Gutes tun“, findet er, auch wenn es natürlich wünschenswerter sei, dass der Müll nicht achtlos in der Natur landen würde.

„Man sieht so langsam den Erfolg“

Mehrere Örtlichkeiten, an denen besonders viel Abfall liegt, haben Laura und Frederik Skudlarek in den vergangenen Wochen ausgemacht. Im Bereich Darmche in der Nähe des dortigen Baumarktes sei es schlimm, aber auch auf dem kleinen unbefestigten Parkplatz an der L 539 liege Müll. „Da findet man immer etwas.“ Ein zweiköpfiger „Müll-Trupp“ reiche vermutlich nicht aus.

Eine erfreuliche Feststellung haben die engagierten Spaziergänger jedoch auch gemacht. „Auf der Route, auf der wir unterwegs sind, wird es besser“, berichtet Frederik Skudlarek nicht ohne Stolz. „Man sieht so langsam den Erfolg.“

Dass es aber nach wie vor viel zu viele Menschen gibt, die ihren Müll einfach gedankenlos liegen lassen oder auch aus dem Autofenster werfen, stimmt ihn ärgerlich. Ekelig sei es, wenn Müll einfach auf Parkplätzen abgeladen werde. „Und wer schmeißt Damenbinden aus dem Auto?“, fragt er sich. Mancher Unrat, da ist sich das Ehepaar einig, könne nicht einfach liegen gelassen werden. „Vielleicht kommt es vor, dass Müllwagen mal etwas verlieren?“ Anders lasse sich manche Hinterlassenschaft kaum erklären.

Mehr Mülleimer an Parkplätzen

Grundsätzlich würde sich das Paar wünschen, dass mehr Mülleimer aufgestellt werden – auch an den Orten, die oft als Lkw-Parkplätze genutzt werden. Den Fahrern müsse eine Möglichkeit geboten werden, ihren Müll entsorgen zu können.

Ein Ärgernis seien auch volle Hundekot-Beutel. „Es ist ja schön, wenn die Hundehaufen im Plastikbeutel landen, doch wenn der dann wiederum in der Natur liegt, nutzt das wenig“, so Frederik Skudlarek. Dass er wenige Minuten nach dem Ortstermin mit der MZ einen Müllbeutel mit menschlichen Fäkalien fand, machte den Meinerzagener sprachlos. „Den haben wir nicht mitgenommen, sondern in einem Mülleimer entsorgt, der zum Glück in der Nähe stand.“

Auf ihre Initiative haben Laura und Frederik Skudlarek schon mehrfach positive Resonanz bekommen – von Spaziergängern, aber auch von der Straßenmeisterei, die ihnen begegnete und stoppte. Daher wollen sie auch nach den weniger schönen Funden „dran bleiben und nicht kapitulieren“ haben sie sich vorgenommen. Vielleicht sind sie damit nicht nur ihren beiden Kindern ein Vorbild.

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