Hauskatzen seit Anfang des Jahres „kugelsicher“

Sie dürfen nicht mehr ins Visier genommen werden: Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen hat den Abschuss von Katzen untersagt. Zu dieser Regelung gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen. - Fotomontage: Schildchen

Meinerzhagen - „Kater“ lebte sieben Jahre lang glücklich und zufrieden in seiner menschlichen Familie in einem Meinerzhagener Außenbezirk. An einem Sommertag unternahm der „Freigänger“ eines Abends einen seiner üblichen Spaziergänge.

Die Besitzerin des Tieres beschreibt, was dann unweit ihres Hauses – aber für sie nicht einsehbar – geschah: „Plötzlich hörte ich einen Schuss und Hundegebell. Eine Männerstimme sprach offensichtlich mit dem Hund, gab Kommandos. ,Kater’ habe ich nie wiedergesehen.“

Dass „Kater“ als Streuner von einem Jäger erschossen wurde, lässt sich natürlich nicht belegen. Und dennoch ist diese Geschichte kein Einzelfall. Pia Sperber, Vorsitzende des heimischen Tierschutzvereines, weiß definitiv von einem „Abschuss“: „Der betrifft die Katze eines Vorstandsmitgliedes. Im Bereich Buschhöh erlitt dieses Tier einen glatten Durchschuss. Gleichzeitig fand eine Jagd statt.“ Für die TSV-Funktionärin ist es daher „nur positiv“, dass das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen den Abschuss von Hauskatzen seit Frühjahr 2015 grundsätzlich untersagt. Und auch andere Vierbeiner sind nun umfassender geschützt: „Der Abschuss von Hunden ist nur noch in absoluten Ausnahmen möglich, wenn andere und mildere Mittel vorher nicht erfolgreich waren. Im Jagdjahr 2013/2014 wurden 7595 Katzen und 51 Hunde erlegt“, steht auf der Seite des Umweltministeriums NRW nachzulesen.

Pia Sperber hat ohnehin nie nachvollziehen können, warum Katzen in der Vergangenheit unter bestimmten Umständen auch hierzulande von Jägern getötet werden durften: „Wenn sie wie im Münsterland oder an der See eine ständige Gefahr für Bodenbrüter sind, verstehe ich das noch. Hier in unserer Breiten halte ich das aber für absolut überflüssig“, ist sie froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen auf Katzen angelegt werden durfte.

Sie selbst hatte schon Kontakt zu heimischen Waidleuten, die sich mit dem Thema „Katzen“ konfrontiert sahen: „Einmal habe ich im Ebbe eine Falle aufgestellt, weil ich eine kleine, streunende Katze einfangen wollte. Ein Jäger hat das beobachtet und mich aufgefordert, diese Falle wieder zu entfernen. Er habe das Tier ohnehin im Visier. Falls es schwach oder krank werden sollte, würde er es abschießen, hat er mit gesagt. Und teilweise kann ich das sogar verstehen, weil leidende Tiere so auch erlöst werden können.“

Dass das Thema „Hauskatzen“ durchaus kontrovers diskutiert wird, zeigt eine aktuelle Pressemitteilung des Landesjagdverbandes an die Redaktion der MZ, in der es unter anderem heißt: „Auf die seit langem von Jägern, Tier- und Naturschützern gleichermaßen erhobene Forderung nach einer landesweiten Kastrations-, Registrierungs- und Chippflicht für Katzen geht das Ministerium ebenso wenig ein, wie auf die finanzielle Mehrbelastung für die Kommunen, die nun für die Unterbringung von Fundkatzen verantwortlich sind“, ließ Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Verbandes, verlauten.

Eine unkontrollierte Vermehrung von nicht kastrierten, streunenden Katzen möchte niemand – weder Tierschützer noch Jäger. Eine solche „Katzenschwemme“ könnte schnell zum Problem werden, auch für Meinerzhagen: „Fundbüros der Städte und Gemeinden in NRW müssen aufgenommene streunende Katzen annehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Münster am 15. Oktober entschieden. Fundbüros und Tierheime sehen sich damit in vielen Fällen überfordert“, schreibt der Jagdverband.

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