Das Ehrenamt als Antwort auf die Finanzkrise

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Auch Küsterdienste – hier Manfred Kluth – übernehmen Ehrenamtliche. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ „Hauptberuflich“ sind sie Arbeiter, Verkäuferinnen, Hausfrauen oder Rentner. Nebenbei stellen sie aber einen Teil ihrer Arbeitskraft und ihrer Zeit der Kirchengemeinde zur Verfügung.

Bei ihrem Einsatz profitieren sie aber auch von ihrer ehrenamtlichen Arbeit. So lernen sie als Chorsänger Noten und musikalische Besonderheiten kennen, üben sich bei der Mithilfe in der Bücherei im Katalogisieren und der Kurzbeschreibung von Büchern oder entwickeln als Mitglied eines Leitungsteams organisatorische Fähigkeiten, um nur einige Möglichkeiten aufzuzeigen.

Eingehend haben sich in den letzten Monaten Mitglieder der katholischen Gemeinde in Meinerzhagen, Valbert und Kierspe mit diesem Thema befasst und ein sogenanntes Ehrenamtskonzept erarbeitet. Anstoß zu diesem Konzept hatte die gemeinsame Klausurtagung des Kirchenvorstandes und der örtlichen Gemeinderäte im März 2012 gegeben.

Christoph Kistner vom Gemeinderat Meinerzhagen besuchte daraufhin in Essen ein Seminar, in dem anschaulich dargestellt wurde, wie beispielsweise in Chicago Ehrenamtsarbeit funktioniert. Dort gab es ein kleines Heft, in dem jede zu übernehmende Aufgabe aufgeführt war, einschließlich genauer Beschreibung, Einsatzhäufigkeit und zeitlicher Begrenzung. „Das wollen wir auch“, sagten sich die Volmetaler und begaben sich an die Arbeit.

Nun, nach gut einem Jahr, steht der „Katalog“. In vier Untergruppen wurde er vom Ehrenamtsausschuss unterteilt in die Gruppen Liturgie, Glaubensvermittlung, Dienst am Nächsten und Gemeinschaftsarbeit. So finden sich in der Gruppe Liturgie die Kommunionhelfer, Lektoren oder die Messdiener wieder, in der Gruppe Glaubensvermittlung die Kommunionkatecheten oder der Erlebnistag für Kinder. In der Gruppe „Dienst am Nächsten“ haben sich die Caritas, die Frauengemeinschaft, der Krankenhausbesuchsdienst oder Spielenachmittage gefunden und in der Gruppe Gemeinschaftsarbeit der Kreis „Feste und Veranstaltungen“, Seniorenfahrdienst oder der Offene Männerkreis in Kierspe.

Das Besondere aber an diesem Katalog ist die Beschreibung der einzelnen Aufgaben. So können Menschen mit einem „grünen Daumen“ nachlesen, dass die Floristengruppe den Blumenschmuck in der Kirche gestaltet. Sie erfahren hier die Bedeutung von Blumen und Farben in der Liturgie und dass ihr Einsatz ein- bis zweimal monatlich möglich ist, je nach Größe des Teams. Der Gesamtstundeneinsatz liegt monatlich bei rund zehn bis zwölf Stunden und die Dauer dieser Aufgaben-Übernahme wäre für ein Jahr wünschenswert. Kürzer ist der Einsatz in der ökumenischen Kinderbibelwoche. Hier stellt das Gemeindemitglied nur einmal seine Ideen und Zeit zur Verfügung. Wer lieber praktisch und im Freien arbeitet, kann sich bei der Umlagenpflege einbringen, wofür das Konzept für Valbert einen Arbeitsaufwand von etwa zwei Stunden 14-tägig vorsieht.

„Wir glauben, dass jeder Beteiligte von seinem Einsatz profitieren kann“, erklärte Pfarrer Peter Wilhelm Keinecke. „Neben dem Erweitern der eigenen Fähigkeiten lernen die Mitarbeiter viele Gleichgesinnte kennen und ihre sozialen Kontakte erweitern sich.“

Welche Aufgaben in der Gemeinde vorhanden sind, können die Gemeindemitglieder aus dem in der Kirche bereit liegenden Katalog entnehmen. Auch sollen regelmäßig während der Gottesdienste einzelne Ämter von bereits erfahrenen Mitarbeitern vorgestellt werden. Auch ist geplant, über die MZ in losen Abständen über das Ehrenamt zu berichten und immer andere Aufgaben vorzustellen.

Der Ausbau des Ehrenamtes in den Kirchen kommt nicht von ungefähr. Den Bistümern steht immer weniger Geld zur Verfügung, um hauptamtliche Kräfte zu beschäftigen. Diese von den Hauptamtlichen nicht mehr zu leistenden Arbeiten sollen Ehrenamtliche übernehmen. So soll erreicht werden, dass sich bei den Gemeindemitgliedern die „Versorgungsmentalität“ in ein aktives und lebendiges Mitgestalten wandelt und sich die Menschen mit ihrer Kirche besser identifizieren können. Gefordert sind da auch die Hauptamtlichen, die die Ehrenamtlichen in ihrer Aufgabe vermehrt zu stärken haben und ihnen auch die Anerkennung zukommen lassen, die ihnen gerecht wird. Neben persönlichen Anerkennungen ist dabei auch an „Dankeschöntreffen“ gedacht, in denen die Ehrenamtlichen im Mittelpunkt stehen und ihr Einsatz gewürdigt wird.

„Die Aufstellung, die wir erarbeitet haben, lebt“, schloss Pfarrer Keinecke. „Wir werden neue Aufgaben finden, aber sich überlebte Aufgaben können auch wegfallen. So wird unser Ausschuss auch in der Zukunft regelmäßig zusammentreffen und sich Gedanken über das Ehrenamt in der Kirche machen.“ ▪ Geg

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