Volmestädte: Noch acht freie Hausarztstellen

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Das ist die offizielle Agenda der für die hausärztliche Versorgung im Märkischen Kreis. Für Meinerzhagen/Kierspe werden hier noch acht Stellen zur Besetzung ausgewiesen. KVWL

MEINERZHAGEN/KIERSPE - In Westfalen-Lippe wird es 176 zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten geben. Das sieht die neue Bedarfsplanung des gemeinsamen Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen in Westfalen-Lippe vor.

Diese wurde einstimmig verabschiedet  und tritt zum 1. Juli in Kraft getreten. Profitieren könnte von dieser neuen Regelung auch der Bereich der beiden Volmestädte Meinerzhagen und Kierspe. Hier könnten sich demnach noch weitere acht Hausärzte niederlassen. Das ist landesweit und auch innerhalb des Märkischen Kreises ein Spitzenwert.

„Damit haben wir gemeinsam gute Voraussetzungen geschaffen, um die ärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe auch künftig flächendeckend sicherzustellen“, sagten Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, und Dr. Gerhard Nordmann, zweiter Vorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Die gemeinsame Selbstverwaltung aus Krankenkassen und Ärzten in Westfalen-Lippe habe wieder einmal bewiesen, dass sie im Sinne einer guten Patientenversorgung handelt, so die beiden Vorsitzenden in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Durch die neue kleinräumigere Bedarfsplanung entstehen in Westfalen-Lippe vor allem in ländlichen Regionen neue Zulassungsmöglichkeiten für Haus- und Fachärzte sowie für Psychotherapeuten. Insgesamt werden zusätzlich für Hausärzte 102, für grundversorgende Fachärzte 14,5 und Psychotherapeuten 44 Neu-Niederlassungen möglich. Zudem können sich noch weitere 15 Ärzte niederlassen, die der spezialisierten fachärztlichen Versorgung angehören. Hierzu zählen zum Beispiel Kinder- und Jugendpsychiater und Anästhesisten. In den hochspezialisierten ärztlichen Fachgruppen, wie etwa Nuklear- oder Rehabilitationsmedizinern, ist hingegen eine Neu-Niederlassungsmöglichkeit nur noch für eine halbe Arztstelle in Westfalen-Lippe möglich. Für diejenigen Arztgruppen, die keine direkten Patientenkontakte haben (Humangenetiker, Laborärzte, oder Transfusionsmediziner), wird unter anderem wegen deren meist überregionaler Inanspruchnahme geprüft, ob eine landesweite Bedarfsplanung für ganz NRW umgesetzt werden kann.

Auf Nachfrage bei der KVWL in Dortmund ordnete deren Pressesprecher Christopher Schneider den für Meinerzhagen und Kierspe auffällig hohen Wert von acht weiteren Zulassungsmöglichkeiten für Hausärzte mit einigen ergänzenden Informationen ein. Dabei betonte er zunächst grundsätzlich: „Die auf den ersten Blick hohe Zahl kann keinesfalls so interpretiert werden, dass hier die derzeitige Versorgungssituation besonders kritisch ist. Eine eklatante Versorgungslücke jedenfalls lassen die derzeitigen Bestandszahlen nicht erkennen“, so Schneider. Zurzeit gebe es in Meinerzhagen zehn, in Kierspe acht niedergelassene Hausärzte. Von den hier tätigen Medizinern seien nur fünf über 60 Jahre, 13 unter 60 Jahre alt. Würden zu diesem jetzigen Bestand jetzt weitere acht Hausärzte hinzukommen, wäre damit der bei der Bedarfsplanung als Höchstwert angesetzte Versorgungsgrad von 110 Prozent erreicht. Für Hausärzte gilt in Westfalen-Lippe jetzt die neue, bundesweit gültig Messzahl von 1671 Einwohnern pro Hausarzt.

Ganz eindeutig würden die beiden Volmestädte aber bei den neuen Grundregeln für die regionale Bedarfsplanung in Westfalen-Lippe profitieren, so Schneider. Meinerzhagen und Kierspe bilden dabei einen neuen eigenen „Mittelbereich“ innerhalb des Märkischen Kreises. Berücksichtigt werde dabei auch die verkehrliche Anbindung und die besonderen Gegebenheiten von flächengroßen Kommunen im eher ländlich strukturierten Umfeld. Insgesamt gibt es übrigens jetzt in Westfalen-Lippe 111 solcher Mittelbereiche für die hausärztliche Versorgung – davon sieben im Märkischen Kreis, wo nur Plettenberg und Iserlohn aufgrund ihres derzeitig hohen Versorgungsgrades zurzeit für weitere Niederlassungen von Hausärzten gesperrt sind. Zulassungsmöglichkeiten ergeben sich zurzeit aufgrund der neuen Rahmenbedingungen noch für die Mittelbereiche Menden/Balve mit 7,5 Stellen, Halver, Schalksmühle, Herscheid und Lüdenscheid als weiterem zusammengefassten Mittelbereich mit sieben Stellen, für Nachrodt-Wiblingwerde und Altena mit sechs Stellen und für Werdohl und Neuenrade mit vier Stellen.

Völlig anders sieht die Bedarfsplanung für die fachärztliche Versorgung aus. Hier bildet der Märkische Kreis weiterhin einen gemeinsam betrachteten Versorgungsraum mit derzeit nur noch einer freien Zulassungsmöglichkeit im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Gleichwohl ergeben sich zum Beispiel für die beiden in Meinerzhagen durch Praxisaufgabe weggefallenen Facharztstellen eines Augenarztes und eines HNO-Arztes durchaus Möglichkeiten für eine zumindest beschränkte örtliche Versorgung. Pressesprecher Schneider zeigte als denkbare Lösungen zum einen die Verlegung einer bereits bestehenden und zugelassenen Praxis aus dem Gebiet des Märkischen Kreises nach hier – oder aber die Mitversorgung durch eine bestehende Praxis im Wege einer Filiale. Nach wie vor gibt es gerade in letztere Richtung Bestrebungen, im neuen Gesundheitszentrum an der Volmestraße in Meinerzhagen („Multimedicum“) den hier bereits etablierten hausärztlichen Bereich um fachärztliche Angebote erweitern zu können. KVWL-Pressesprecher Schneider betonte in diesem Zusammenhang, dass im Raum Meinerzhagen/Kierspe auch die derzeitige fachärztliche Versorgungssituation im Vergleich mit anderen ländlichen Regionen als durchaus zufriedenstellend eingestuft werden könne. So würden hier unter anderem die Bereiche Chirurgie, Frauenarzt, Hautarzt, Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie, Orthopädie und Urologie abgedeckt. - Von Horst vom Hofe

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