Auf den Spuren der Valberter Kumpel

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Karsten Binczyk, Holger Körby und Frank Wunderer von der Valberter IG (von links) begrüßten kürzlich Besuch aus dem Siegerland zum Erfahrungsaustausch. Gekommen waren Edwin Christ (2. von rechts) und Jörg Braach vom Besucherbergwerk Bindweide.

Valbert - Die Zechen mit den klangvollen Namen Morgenröte, Constantin, Schottland, Eisengang oder Gute Hoffnung – sie alle verortet der Laie im tiefsten Ruhrgebiet. Dass sie stattdessen in und um Valbert herum betrieben wurden, wissen nur noch wenige Menschen.

Ein Bewohner des Ebbedorfes hat es sich zur Aufgabe gemacht, den heute noch sichtbaren Spuren der Bergbautradition in heimischen Gefilden nachzugehen: Karsten Binczyk.

Schon ein Blick in den Vorgarten des 50-Jährigen an der Straße Alter Weg gibt Auskunft über das Hobby von Karsten Binczyk: Eine alte und schwarz gestrichene Lore ziert das Grundstück. Ihr Besitzer blickt zurück: „Der Bergbau hat mich schon im Kindesalter fasziniert. Meine erste Stollenfahrt habe ich im Alter von sechs Jahren unternommen. Und seit Mitte der 1990er-Jahre beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema.“ 

Auch auf der Suche nach Gleichgesinnten ist Karsten Binczyk fündig geworden. In Valbert konnte er schon zehn Mitstreiter für sein Hobby begeistern. Genug, um eine Interessengemeinschaft (IG) zu gründen. „Vor zwei Jahren haben wir diese Gruppe ins Leben gerufen. Sie umfasst zehn Mitglieder, von denen fünf aktiv sind“, berichtet Binczyk. Aufgaben haben die Valberter in ihrer Freizeit genug – und manchmal erledigen sie auch Arbeiten, die nur am Rande mit dem Thema Bergbau zu tun haben. So wie vor wenigen Tagen. „Da waren wir an der Grenze des Märkischen und Obergischen Kreises unterwegs. Ein Erdrutsch hatte den Eingang zu einem alten Stollen zugeschüttet. Weil Fledermäuse den Gang als Quartier nutzen, haben wir das Loch wieder freigelegt, damit sie ungehindert ein- und ausfliegen können“, berichtet Binczyk.

Doch zurück zum eigentlichen Sinn und Zweck der Interessengemeinschaft, der Erforschung heimischer Bergbau-Geschichte. Etwa im Zeitraum zwischen 1850 und 1890 boomte der Abbau von Eisen-, Blei- und Kupfererz im Valberter Gebiet. Fast vierteljährlich wurde nach Binczyks Recherchen eine neue Grube eingetragen. „Die letzten davon wurden erst in den 1920er-Jahren geschlossen, etwa Constantin drei und fünf in Wickeschliede“, hat der Valberter Experte herausgefunden und er fügt hinzu: „Damals gab es kaum einen Zentimeter Fläche ohne ein vergebenes Bergbaurecht.“

Vorrangig sei es im heimischen Raum um den Abbau von Eisenerz gegangen, erläutert Binczyk. Doch auch Blei und Kupfer seien gefördert worden. Inzwischen sind die meisten Bergwerke im Großraum Valbert quasi verschwunden. Nur Menschen, die gezielt nach Spuren suchen, werden noch fündig. So beispielsweise zwischen Willertshagen und Hengstenberg. Hier gab es viele Gruben. „Sie alle wurden von Landwirten zugeschüttet“, hat der Valberter festgestellt. 

Es gibt allerdings auch noch Stollen, die begangen werden können. Ist ein solcher gefunden, legen Karsten Binczyk und seine Mitstreiter ihre Arbeits- und Schutzkleidung an und machen sich auf zur Besichtigungstour. Immer am Mann: ein Sauerstoff-Messegerät. In Gefahr begeben wollen sich die Expeditionsteilnehmer nämlich nicht. Die längsten begehbaren Stollen sind etwa 200 Meter lang und führen in eine Tiefe von ungefähr 50 Metern hinab.

„Zu unseren Tätigkeiten innerhalb der IG gehört aber auch eine Menge Arbeit im Gelände, so wie obertägige Besichtigungen. Nach und nach gehen wir beispielsweise das Ebbe ab. Dort finden wir, was heute niemand mehr kennt: Schürfstollen aus der Zeit etwa zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert“, ist der Valberter begeistert von der Vielfalt geschichtlicher Zeugnisse fast direkt vor seiner Haustür. 

Damit das Wissen, das Karsten Binczyk und seine Mitstreiter zusammengetragen haben, nicht wieder verloren geht, widmet der Valberter der Dokumentation viel Zeit. Fotos, alte Karten, Forschungsergebnisse – all das wird digital aufbereitet. Schon im Jahr 2014 hat Binczyk ein Heft mit dem Titel „Beiträge zur Geschichte des Bergbaus im Märkischen Kreis – Der Bergbau in Meinerzhagen und Valbert“ herausgegeben. Inzwischen gibt es so viel Neues, dass eine zweite Veröffentlichung bereits in Planung ist.

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