Wie kann die Innenstadt attraktiver werden? Die Meinerzhagener Parteien antworten

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Leerstand: Das einstige Juweliergeschäft Bullermann an der Hauptstraße.

Vier Fragen stellte die MZ den für den Meinerzhagener Stadtrat kandidierenden Parteien. Die erste Frage lautet: Wie kann die Innenstadt dauerhaft attraktiv gestaltet werden.

Hier die Antworten der Parteien:

CDU: "Eine Innenstadt muss mit der Zeit gehen"

Leerstand ist ein strukturelles Problem – nicht nur, aber natürlich auch in Meinerzhagen. Dafür gibt es vielfältige Ursachen, zum Beispiel das sich ändernde Kaufverhalten und der Online-Handel. Gleichzeitig muss auch eine Innenstadt mit der Zeit gehen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Dafür wollen wir uns einsetzen: Gute Geschäfte in einem anziehenden Umfeld, Parkmöglichkeiten und Zusatzangebote, eine moderne Erscheinung und eine attraktive Fußgängerzone sind unser Ziel. Die Gestaltung des Stadthallenumfeldes und die neue Stadtbücherei sind wichtige Projekte, die CDU und Bürgermeister angestoßen haben und die wir weiter vorantreiben wollen: Magnete für die Innenstadt, die die sich wandelnden Bedürfnisse aufgreifen und die Menschen wieder zum vermehrten Einkauf hier vor Ort motivieren. Daneben wurde die Wirtschaftsförderung in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt, und diese strategische Entscheidung unterstützt die CDU ausdrücklich. Die Wirtschaftsförderung kümmert sich engmaschig um die Vermarktung von Ladenlokalen und begleitet die Einzelhändler sowie Gastronomen vor Ort. Gemeinsam haben wir so dem Leerstand den Kampf angesagt und einen guten Mix angesiedelt. Kurz und gut: Wir reden miteinander, wir setzen uns für den bestehenden Einzelhandel und für neue Geschäfte ein, wir unterstützen sie mit verschiedenen Angeboten und stehen außerdem für ein lebendiges, soziales Miteinander – denn das stärkt auch die Kaufkraft der Menschen vor Ort.

SPD: Preis-Leistung im Ungleichgewicht

Die Gestaltung der Ladenlokale in Meinerzhagen ist in die Jahre gekommen und unattraktiv. Das Preis-Leistungs-Verhältnis für potenzielle Mieter ist im Ungleichgewicht. Lediglich die Gastronomiebetriebe haben offenbar die Zeichen der Zeit verstanden und sind auf einem guten Weg. Unsere Stadt ist klein und das Angebot sehr gering. Wenn die Eigentümer nicht interessiert sind, ihre Ladenlokale zu vermarkten, sind unsere Chancen sehr gering, das zu ändern. Ein digitaler Zusammenschluss nach dem Amazon-Prinzip könnte hier funktionieren, das Gemeinschaftsgefühl stärken, vorausgesetzt, alle Geschäfte machen mit. So könnten eventuell auch neue Interessenten mit ins Boot geholt werden. Eine attraktive Motivationsstärkung müsste erarbeitet werden.

FDP: "Es darf keine Denkverbote geben"

Meinerzhagen ist auf einem guten Weg, eine attraktive Stadt zu werden. Die Umgestaltung des Stadthallenumfeldes hat gezeigt, wie sich städtebauliche Veränderungen positiv auswirken können. Die Umgestaltung der Stadthalle wird sich hier einfügen und nach unserer Ansicht die Innenstadt neu beleben. Das Problem der Leerstände ist jedoch auch ein gesellschaftliches Problem, wer nicht vor Ort einkaufen geht, darf sich später nicht über ein mangelndes Angebot beschweren. Wir streben einen runden Tisch mit den Einzelhändlern in Meinerzhagen an. Die Stadt sollte an dieser Stelle als Moderator auftreten und der Prozess von Experten begleitet werden. Denn auch nur, wenn sich die Einzelhändler gemeinsam in Kooperation mit der Stadt ergänzen, kann unserer Ansicht nach die Innenstadt dauerhaft attraktiv bleiben. Wichtig, es darf keine Denkverbote geben.

Bündnis 90/Die Grünen:"Konzept für Einzelhandel ist zu überarbeiten"

Eine attraktive Innenstadt lebt vom Einkaufs- und Freizeitangebot. Daher muss die Überarbeitung des Einzelhandelskonzepts unter Bürgerbeteiligung am Anfang stehen. Ein Vollsortimenter in zentraler Lage (Derschlager Straße) wird das Interesse für andere Läden anheben. Eine Markthalle für regionale Produkte erhöht die Angebotsvielfalt ebenso wie Popup-Läden, die kurz- bis mittelfristig zu reduzierten Mieten Ware anbieten. Oft ergeben sich daraus dauerhafte Angebote, die den Leerstand minimieren. Positiv zu bewerten ist das Leader-Projekt „GründerLokal“, ergänzbar durch „Maker Spaces“, die der gemeinschaftlichen Arbeit und dem Austausch über gemeinsame Interessen dienen und für jeden zugänglich sind. Gastronomie soll die Innenstadt bis in die Abendstunden lebenswert machen, die Verzahnung mit dem öffentlichen Raum durch Außenbewirtung spielt dabei eine besondere Rolle. Ein Kultur-Café mit Kunst und Aktionen wird überörtliches Interesse wecken, eine überdachte Bühne für Kleinkünstler verlängert gerade samstags die Verweildauer in der Stadt. Allgemein wird die Verknüpfung mit Kultur eine Aufwertung der Innenstadt bedeuten und Menschen anziehen, der Anfang mit dem Grünen Bücherregal beim „Bäcker mit Herz“ ist gemacht. Eine Begrünung und Plätze mit kindgerechten Angeboten müssen ebenso im Fokus stehen wie eine Teilüberdachung der Fußgängerzone. Eine Präsentation im Web und per App ist nicht nur zeitgemäß, sondern dringend erforderlich.

UWG: "Es muss mehr Parkmöglichkeiten geben"

Die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern. Derzeit ist die Innenstadt eine reine „Zieleinkaufsmeile“ geworden. Geschäfte, wie Schuhmoden, Bekleidung und andere Geschäfte zum Bummeln, fehlen. Die Etablierung von Cafés und/oder Restaurants mit der Möglichkeit, im Außenbereich zu verweilen, gehört in der Prioritätenliste ebenfalls weit nach oben. Es muss mehr Parkmöglichkeiten für Kundinnen und Kunden geben. Viele Parkplätze sind durch den Otto-Fuchs-Platz verloren gegangen. Der Verkehr durch die Stadt soll zwar ruhig und langsam laufen, aber er sollte nicht komplett abgezogen werden, da eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt auch per Pkw nachweislich gut für den Einzelhandel ist. Meinerzhagen ist Portalgemeinde zum Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Neue Zielgruppen, wie zum Beispiel Touristen, könnten neuen Einzelhandelssparten große Chancen eröffnen, wie zum Beispiel die Ansiedlung von Outdoorgeschäften. Auch die „Sauberkeit“ der Innenstadt ist ein Thema. Die UWG hat bereits im Jahre 2002 ein Konzept im Rat beantragt, das eine saubere Innenstadt gewährleisten soll. In den Folgejahren haben wir immer wieder daran erinnert und das wollen wir jetzt aktiv vorantreiben. Wir meinen: Machen statt zerreden!

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