Ein Konzert mit Seltenheitswert

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Dirk Pawelka leitete die Bigband „Swingsound“ und glänzte bei der Jazz-Ballade „Embraceable You“ als brillanter Solist am Flügelhorn.

MEINERZHAGEN ▪ Die Filmmusik zu Hitchcocks Kult-Thriller „Psycho” ist wohl die berühmteste Schöpfung des Titanen der Filmmusik Bernard Herrmann. Schrill, gewaltsam und beharrlich sägen die Streicher förmlich an den Nerven der Zuschauer.

Die mörderische Spannung wird nur allzu gut spürbar, der bekannte Mord unter der Dusche drängt sich vor das innere Auge. Mit diesem dramatischen Einstieg begann am Samstag ein Konzert mit Seltenheitswert: Unter dem Motto „Jazz meets Classic” traten Musiker zusammen auf, die sich üblicherweise nicht auf der Bühne begegnen.

Die Kammerorchester Volmetal und Wipperfürth unter Leitung von Mirko Kohlmann gestalteten gemeinsam mit der Big Band Swingsound, ihrem Dirigenten und Trompeten-Virtuosen Dirk Pawelka, sowie zahlreichen Solisten einen musikalischen Hochgenuss. Die symphonische Musik machte den Auftakt.

Nach dem dramatischen Einstieg gab es „Balsam“ für die angespannten Nerven. Bevor es losging, verschwand die Stadthallen-Trennwand mit dem Máro-Gemälde langsam in der Decke und gab den Blick frei auf den Pianisten Michael Vogt, den Schlagzeuger Daniel Triches und Celine Prohaska am Kontrabass, die das Orchester bei der Jazz-Ballade „Embraceable You“ von George Gershwin unterstützten. Als Solist am Flügelhorn glänzte Dirk Pawelka. Dann wurde ein Marimbaphon ins Rampenlicht geschoben. Jetzt erlebten die Zuhörer den beeindruckenden Auftritt von Katarzyna Mycka, die ihrem Instrument hölzern-weiche Klänge voll pulsierender Lebendigkeit entlockte – ebenfalls begleitet von den beiden Kammerorchestern.

Jubel und Beifall setzten mit dem letzten Ton ein, eine Zugabe wurde gerne gewährt. Bevor beim Finale alle Ensembles gemeinsam auftraten und unterstützt von der Sängerin Michaela Neunz weltbekannte Musik wie „Maria“ aus der „Westside Story“ oder „Mission Impossible“ zu Gehör brachten, gestaltete die Kiersper Bigband „Swingsound“ den zweiten Teil des Konzerts: Bald swingten auch die Besucher, wippten mit den Fußspitzen oder klatschten zum Rhythmus der Musik mit.

Dirk Pawelka gab interessante Einblicke zum Hintergrund der Stücke und erklärte, dass „It’s only a Papermoon“ 1932 als Popsong herauskam, bevor das Stück zu einem bekannten Jazzstandard wurde. Auch „In the mood“ – „das Synonym schlechthin für Swingmusik,“ wie Pawelka erläuterte – durfte nicht fehlen. Nachwuchssängerin Lucia Sikora erntete unter anderem für ihren Auftritt bei „What a Difference a Day makes“ begeisterten Applaus. Jubel, anfeuernde Pfiffe und anhaltender Applaus waren der verdiente Lohn aller Akteure zum Schluss des großen Finales, das mit Whitney Houstons „One Moment in Time“ endete. Die Idee für diese ungewöhnliche Kooperation hatten die Musiker Karel Brauner (Swingsound) und Frank Martin (Kammerorchester), die sich durch ihre Arbeit kennen. Eine Idee, die am Samstag von den rund 300 Besuchern mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.

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