"Rückschnitt" an der Bundesstraße

Kahlschlag an der Oststraße sorgt für Ärger

+
Baum an Baum: Der Gehölzschnitt an der Oststraße führt zu ganz neuen Ansichten. Rechts oben im Bild ist noch eines der Terrassenhäuser an der Beethovenstraße zu sehen.

Meinerzhagen - Angekündigt war ein einfacher Rückschnitt – doch wer sich derzeit entlang der Oststraße umschaut, denkt wohl eher an ein Kettensägenmassaker: Zahllose Bäume liegen kreuz und quer auf Böschungen, die keine mehr sind. Nebeneffekt der groß angelegten Abholz-Aktion: Es entstanden ganz neue Stadtansichten.

Spätestens im Frühjahr dürfte deutlich werden, wie intensiv der Beschnitt erfolgte: Die Fischbauchbrücke zwischen Scherl und Bergstraße ist plötzlich in voller Ausdehnung für Autofahrer auf der B54 sichtbar. Das einstige Battenfeld-Gebäude – heutiger Sitz des Unternehmens GWK – kann aus Richtung Innenstadt kommend aus ganz neuen Blickwinkeln betrachtet werden. Und wer von der Ortsumgehung auf die Oststraße einbiegt, erblickt die einstige Halle der Spedition Dehnhardt in voller „Pracht“. 

Keine Frage: Es hat sich viel getan in den vergangenen Tagen seit Beginn der Holzarbeiten. Doch das gefällt nicht allen: In den einschlägigen sozialen Netzwerken häuft sich die Kritik an der Aktion. Zynisch ist von der „Initiative mehr Licht und weniger Sauerstoff für Meinerzhagen“ die Rede und von einer „Schande“. „Jetzt wirkt das richtig kalt, leer, lieblos“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. Und auch die Stadtverwaltung hat bereits ihren Unmut gegenüber dem Landesbetrieb Straßen.NRW als Auftraggeber der Aktion geäußert. „Ich kann es nicht ganz nachvollziehen und verstehen, warum gerade im unteren Bereich der Oststraße dermaßen viel abgeholzt wurde. Aber ich muss es zur Kenntnis nehmen“, sagte Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar nach einem Telefonat mit der zuständigen Straßenmeisterei in Herscheid. 

Und auch die Grünen veröffentlichten eine Stellungnahme zum Kahlschlag: Darin äußert sich deren Sprecher Karl Hardenacke „entsetzt“ über die Rodung. „Jeder positive Einfluss von Bäumen wird zunichte gemacht“, wird Hardenacke zitiert, der den positiven Einfluss von Bäumen auf die Luftqualität und deren Funktion als Schattenspender hinweist. Sie sorgten für Wasserspeicherung bis hin zur Verhinderung von Erdrutschen und kontrollierte Verdunstung. Und auch eine Minderung des Sicht- und Lärmschutzes seien Folgen des Kahlschlags. 

Kahlschlag an der Meinerzhagener Oststraße

Aus Gesprächen zwischen Stadt und Landesbetrieb ergab sich nach Informationen der MZ allerdings, dass es wohl einige Anwohner selbst waren, die in den Bereichen Beethovenstraße und Zum Eickenhahn einen Rückschnitt gefordert haben sollen, um Schattenwurf und daraus folgenden Moosbewuchs zu verhindern. Solche Gründe für den Einschlag nannte Michael Overmeyer, Pressesprecher von Straßen.NRW, im Gespräch mit der Redaktion allerdings nicht. 

Und auch zu Vermutungen der Meinerzhagener Grünen, dass der Holzeinschlag Geld in die Landeskassen spülen soll, weist der Landesbetrieb zurück. Michael Overmeyer wies viel mehr auf die Verkehrssicherungspflicht des Landesbetrieb hin: „Niemand will, das plötzlich Äste auf die Straße fallen und zu Unfällen führen.“ Bei breiten Gehölzstreifen wie in Meinerzhagen würde durchaus genau hingeschaut. Auch für ältere Bestände gelte als Ziel zunächst die Förderung von Dauerbäumen in einer mehrschichtigen, stabilen Bestandsstruktur. Bei älteren, überdichten und instabilen Beständen bleibe jedoch oft nur die Möglichkeit des abschnittweisen „auf den Stock setzen“. Das heißt, dass Gehölze auf 10 bis 20 Zentimeter zurück geschnitten werden, damit sie neu austreiben und vitale Triebe bilden. 

Die nun erfolgten Arbeiten müssten also mittel- bis langfristig zu blühenden Landschaft führen...

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare