Schmicklers Abrechnung mit der Moderne

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Nicht nur die Großen in Wirtschaft, Politik, Kirche und Medien werden von Schmickler aufs Korn genommen, auch die „kleinen Friends und Follower“ aus der Cyberwelt. J Fotos: Goldbach

Meinerzhagen - Mal bissig, mal hintersinnig, mal provokant, aber auch musikalisch, so kennt man ihn: Wilfried Schmickler. Und so zeigte er sich auch am Freitagabend bei seinem Auftritt in der Stadthalle.

Auf aktuelle politische und gesellschaftliche Begebenheiten einzugehen, die Finger auf die Wunde zu legen und anzuprangern, was da falsch läuft, das kann Schmickler. So kam er gleich zu Beginn mit einem Briefkasten unter dem Arm auf die Bühne und verkündete: „Ich habe eine kleine Firma gegründet. Wenn Sie Geld haben, das Ihnen zu schmutzig ist....“, und schon hatten die, die ihr Geld so geparkt hatten, ihr erstes Fett weg. 

Doch nicht nur die Großen aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Medien werden von ihm aufs Korn genommen, auch die Kleinen „Friends und Follower“ aus der Cyberwelt. „Wenn Sie früher eine andere Welt kennen lernen wollten, fuhren sie ins Phantasialand. Heute sitzen Sie vor dem PC und machen Rollenspiele.“ 

Das World Wide Web hatte es Schmickler generell angetan. „Über den Wolken muss die Freiheit noch grenzenlos sein“, sang er seinem Publikum vor und es folgte sogleich die Schlussfolgerung: „Nichts bleibt mehr verborgen. Die Wolken heißen jetzt Clouds und grenzenlos sind nur die Möglichkeiten, alle Ängste und Sorgen auf Vorrat zu erfassen und zu speichern.“ 

Angst macht Schmickler auch das total vernetzte Heim und er wehrt sich strikt dagegen. „Ich möchte einfach nicht, dass mein Wasserkocher ein Verhältnis mit meinem Kronleuchter im Wohnzimmer hat. Eines Tages komme ich nach Hause, beide sind weg, durchgebrannt.“

Eine neue Lösung, die mit dem Onlineshopping angewachsene Zahl der Kleintransporter auf unseren Straßen zu reduzieren hatte er auch parat. „Man bildet Menschenketten von Arbeitslosen vom Auslieferungslager bis zum Kunden. Dann stehen die Arbeitslosen zwar immer noch auf der Straße, haben aber etwas Sinnvolles zu tun“, schlug er vor.

Lange ließen sie auf sich warten, doch dann kamen sie, seine Gedanken um die Politik im Allgemeinen und die über Angela Merkel und das kleine ghanaische Mädchen Angela Merkel Adé im Besonderen. Den Namen der Bundeskanzlerin trägt es nun – wenn das kein Zeichen sei. Trotzdem wünschte Schmickler der kleinen Angela Merkel kurzfristig eine Aufenthaltsgenehmigung und langfristig einen guten Beruf. „Wie wäre es mit Bundeskanzlerin, da gibt es einen Fachkräftemangel“, stichelte Schmickler gen Berlin. 

Es war ein zugleich amüsanter wie nachdenklich stimmender Abend, bei dem das Publikum hochkonzentriert sein musste, um jede Pointe des geistigen Loopings mitzubekommen. Und so nahmen die Gäste bei aller guten Unterhaltung einiges an Themen mit nach Hause, über die es sich ernsthaft nachzudenken lohnt.

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