Max Uthoff sorgt für Pointenregen in der Stadthalle

Nach dem rund zweieinhalbstündigen Auftritt gab Max Uthoff den begeisterten Zuhörern gerne auch Autogramme.

Meinerzhagen - „Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder. In diesem Sinne: Willkommen zu einem Abend ohne Musik!“ Mit Megaphon, up to date und über die Missstände im Land bestens informiert trat Max Uthoff, neuer Stern am deutschen Kabaretthimmel, am Donnerstagabend in der Stadthalle zur scharfzüngigen, bissigen „Gegendarstellung“ an.

Aus der Tatsache, dass er’s böse meinte, machte der Münchner – studierter Jurist, Kabarettist und in Anzug, weißem Hemd und Krawatte die Seriosität in Person – schon in der Begrüßung keinen Hehl. Warm anziehen musste sich jeder, den er im Visier hatte – sei’s Politiker, Kapitalist oder Nationalist, Papst oder Friedensnobelträger. Als genauen Beobachter und rasiermesserscharfen Analytiker lernten die Besucher den „Träger des Breiten Kreuzes und des Ordens pour la verité“, vielfach ausgezeichnet und aus der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ bestens bekannt, kennen.

Nonchalant, mit mokantem Lächeln, ließ er einen wahren Pointenregen auf seine Zuhörer niederprasseln. Jeden Hieb, jeden Stich mitzubekommen, war schier unmöglich – so dicht war das zweieinhalbstündige Programm des gefeierten TV-Aufsteigers mit genau platzierten „Faustschlägen“ und eindeutig/zweideutigen Anspielungen gespickt.

Auch das (Sprach-)Tempo, in dem er nach Manier eines 100-Meter-Weltrekordlers zur Tat schritt, machte schwindelig. Stellenweise galoppierte er sogar zu schnell davon. Ein ums andere Mal schoss einem der Gedanke durch den Kopf: Wow, wie behält der Mann das alles – Headlines, Kommentare und Zitate, Thesen, Studien und Fakten wie am Fließband eingeschlossen – bloß im Kopf?

Wahnsinn, was er da alles genüsslich aus der Tasche zog und noch genüsslicher, mit diebischer Freude an der Übertreibung sezierte, analysierte und auf Herz und Nieren prüfte. Stete Konzentration forderte sein brisanter, tagesaktueller und hochpolitischer Parforceritt durch Themen, die die Nation bewegen, ein.

Quer durch die Parteienlandschaft führte seine spitzfindige Wahrheitssuche. Ob CSU, ob SPD, Grüne oder AfD: Er schaute den Mächtigen im Land genauestens auf die Finger. Jeder bekam sein Fett weg – von Gauck bis Lindner. Die Pkw-Maut, die Verkehrsminister Alexander Dobrindt an den Pranger stellte, brachte selbst Uthoff – beileibe nicht auf den Mund gefallen – in Erklärungsnot: „Wir zahlen und kriegen das Geld zurück. Ausländer zahlen, kriegen das Geld aber nicht zurück.“ Benachteiligt sind sie deswegen aber noch lange nicht!? Mit großer Politik und gesellschaftlichem Inzest, der Wahl in Hamburg und mörderischen Waffen(-Geschäften), dem Russland/Ukraine-Konflikt, Pegida und dem ersten muslimischen Schützenkönig samt Debatte um den richtigen/falschen Gott, rechtem Terror und dem Ruf nach mehr Polizei statt mehr Geld für Sozialarbeit beschäftigte sich der Münchner in seiner „Gegendarstellung“, die mehr als einmal das Lachen im Hals gefrieren ließ. Bitterböse geriet seine Abrechnung mit dem Kapitalismus. „Jeder zweite Arbeitslose ist psychisch krank“, hielt er vermeintlich gestressten Managern unter die Nase. „Hartz IV-Empfänger: Das sind die Leute, die wirklich Stress haben in unserem Land.“ - ms

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