„Kein Grund zur Sorge“

"Hochsensible Kinder" war Thema beim Elterncafé 

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Jutta Czastrau referierte über hochsensible Kinder.

Meinerzhagen – Kleinste Veränderungen der Stimmung erkennen sie sofort. Der Pulli kratzt besonders stark und selbst schwache Gerüche sind für sie ein Problem. Hochsensible Kinder reagieren verstärkt auf innere und äußere Reize. Das war jetzt Thema beim Elterncafé.

„Kein Grund zur Sorge“, findet Jutta Czastrau. Während des Elterncafés, das jüngst im Kindergarten an der Otto-Fuchs-Straße stattfand, beriet die Fachreferentin für Familie und Erziehung interessierte Eltern über hochsensible Kinder. Seit mittlerweile vier Jahren gestaltet Jutta Czastrau das Elterncafé, welches vom Evangelischen Familienzentrum Meinerzhagen veranstaltet wird. Das Thema lautete diesmal „Ein guter Umgang mit unseren hochsensiblen Kindern“.

Für Czastrau besonders wichtig: der Austausch mit den anwesenden Eltern. Jutta Czastrau spricht in diesem Zusammenhang von einem „angeborenen Wesenszug“. 

"Hochsensible Kinder können scheinbar Gedanken lesen"

Hochsensible Kinder hätten ein übererregbares Nervensystem. „Sie nehmen mehr Reize war“, so Czastrau. Dabei sei aber anzumerken, dass es sich nicht um ein Krankheitsbild handele. „Hochsensible Kinder können scheinbar Gedanken lesen. Sie merken, zum Beispiel, wenn die Eltern zuvor gestritten haben. Und wenn sie Brötchen beim Bäcker kaufen sollen, kann das auch mal eine Stunde dauern, weil sie auf alle möglichen Reize in der Umgebung reagieren“, sagt die Fachreferentin und beginnt zu lachen. 

Fälschlicherweise werde Hochsensibilität oft mit Hochbegabung oder gar ADHS verwechselt, dabei habe das eine nichts mit dem anderen zu tun. „Ich will darauf aufmerksam machen, dass Hochsensibilität keineswegs etwas Schlechtes ist“, sagt sie. Es sei eine Gabe – gleichzeitig sei aber auch ein besonderes Verständnis für die Kinder und Aufmerksamkeit der Eltern gefragt. 

Strukturierter Alltag kann helfen

Vom Abschiedskuss, wenn das Kind in den Kindergarten gebracht wird, bis hin zum täglichen Kakaotrinken um 16 Uhr – ein strukturierter Alltag mit guten Ritualen sei „Balsam für die Kinderseele“, erklärt die Referentin. Was unter „gut“ zu verstehen ist, sei jedoch eine individuelle Frage. 

Was bei den Kindern der Freundin gut funktioniere, sei nicht zwingend die perfekte Lösung bei dem eigenen Kind. Eltern sollen nicht nach strengen Regeln erziehen, sondern die Erziehung an das Kind anpassen. Des Weiteren brauche ein Kind einen Rückzugsort: „Ein Ort, der gut tut“. Das müsse nicht ein sprichwörtlicher Ort sein, sondern könne neben der gemütlichen Zimmerecke auch eine Sportart oder ein Hobby sein. „Manche Kinder spielen Klavier oder gehen auf die Schaukel um abzuschalten“. Eltern seien dazu angehalten, den Kindern diese Freiheit zu lassen. 

Auf grelle Farben verzichten

Insbesondere bei hochsensiblen Kindern sei die sogenannte „Reizüberflutung“ ein äußerst großes Thema. Durch die überhöhte Wahrnehmung müssen die Eltern dafür sorgen, dass die Kinder nicht zu sehr „beschallt“ werden, so die Expertin. Neues reduzieren, im Kinderzimmer auf grelle Farben verzichten und kein Fernsehen vor dem Schlafengehen seien nur einige Beispiele, wie man den Alltag entschleunigen und die Reizüberflutung eindämmen könne.

Was viele Eltern oft vernachlässigten, sei das eigene Wohlbefinden. Erziehung sei „wie ein Marathonlauf“, der je nach Anzahl der Kinder schon mal bis zu 20 Jahre dauere. Eltern, vor allem Mütter, sollen für sich sorgen und sich nicht stressen lassen, erläutert Czastrau. Das „A und O“ der Erziehung sei schließlich, dass man Verständnis für das Kind zeigen sollte. Laut Czastrau müssen Eltern den Kindern zuhören und deren Gefühle ernst nehmen. Nur so sei ein guter Umgang mit den Kindern möglich. Dabei sei es egal, ob es sich um hochsensible Kinder handele oder nicht.

Von Julian Thamm

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