Junge Wähler in Meinerzhagen

Jugendliche dürfen bei der Kommunalwahl mitbestimmen

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Bei der Kommunalwahl dürfen Jugendliche ab 16 von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. 

Meinerzhagen - Wählen mit 16 – bei der Kommunalwahl ist das möglich. Anders als bei der Landtags- und Bundestagswahl dürfen am Sonntag Jugendliche ihre Stimme abgeben, wenn sie 16 Jahre alt sind. Auch in Meinerzhagen können junge Erwachsene zum ersten Mal von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Felix Berger ist einer der jungen Wähler. Seine Entscheidung hat er längst gefällt – per Briefwahl. Wirklich schwergefallen sei ihm die Auswahl nicht, erzählt der 16-Jährige. Schon seit einiger Zeit beschäftige er sich intensiver mit Politik. Auch Linda Körby hat sich ihren Wahlschein per Post zuschicken lassen. „Da kann ich vor meiner ersten Wahl auch meine Eltern fragen, die mir alles etwas genauer erklären können“, sagt die 18-Jährige, die es wichtig findet, sich vor der Wahl zu informieren, worüber man mitbestimmen kann. Nach welchen Kriterien sie ihre Entscheidungen treffen wird? „Sympathie und gerechtes Handeln“ stehen bei ihr an oberster Stelle, sagt die Gesamtschülerin.

Jugendliche können auf die Politik einwirken

Dass Jugendliche bereits ab 16 bei den Kommunalwahlen mitbestimmen dürfen – Felix findet es gut: „Ich wünsche mir dieses Recht auch auf Landes- und Bundesebene, da ich der Überzeugung bin, dass Jugendliche somit vermehrt, zwar erstmal indirekt durch ihre Stimme, auf die Politik einwirken können.“ Dies sei wichtig, meint der Gymnasiast, da in der Politik viele Entscheidungen gefällt würden, die auch Jugendliche betreffen. Auch Lara Baumhof ist 16 und sieht das ähnlich: „Ich finde es sehr gut, dass ich mitentscheiden kann, denn immerhin geht es ja um die Stadt, in der ich seit 16 Jahren lebe.“ 

Durch die Wahl fühle er sich als Teil der Gesellschaft, sagt der 17-Jährige Linus Groll. „Es kommt mir auch so vor, als könnte ich mit meiner Stimme wirklich etwas bewirken und diese Chance sollte man nutzen.“ Einen „echten“ Wahlkampf mit Diskussionen, Wahlständen oder Wahlveranstaltungen erlebten die Erstwähler in der Volmestadt aufgrund der Corona-Pandemie nicht. Nicht schlimm, findet Felix: „Die Wahlwerbung mit Plakaten und Informationsblättern der Parteien reicht aus. Falls ich eine persönliche Frage hätte, könnte ich die Parteien doch telefonisch oder per E-Mail erreichen.“ Etwas interessanter wären die Wochen vor der Wahl vermutlich aber gewesen, glaubt Linus. 

Kritischer Blick auf Wahlplakate

Beim Thema Wahlplakate übt Erstwähler Felix Berger jedoch auch Kritik: „Für mich muss ein gutes Wahlplakat eine gute Mischung aus Bild und prägnanter Aussage besitzen, was leider auf die wenigsten zutrifft.“ Hier gebe es Nachholbedarf, findet der Valberter, der sich ebenso wie die übrigen Befragten über das Internet und über die Zeitung über die Politik informiert, „aber auch durch Gespräche zuhause mit meinem Vater oder in der Schule mit Freunden“. Auf die Wahl sollte man sich vorbereiten, sagt Linus Groll, und dazu gehöre es, dass man sich mit der Frage auseinandersetze, was man selbst überhaupt wolle: „Wenn man diese Frage für sich selbst beantwortet hat, kann man sich mit den einzelnen Wahlprogrammen und dementsprechend mit den Wahlmöglichkeiten auseinandersetzen.“ 

Sie habe oft mit ihrer Mutter über die Wahl gesprochen und sie gefragt, wie sie zu Parteien und Themen stehe, berichtet Emily Sax (16): „Ich habe mir aber auch die Flyer der Parteien angesehen und im Internet geschaut.“ Wahlkampf hat sie nicht vermisst. Und Wahlplakate? „Ich schaue sie mir im Vorbeigehen an. Viele davon sind ansprechend, aber viele sind es auch nicht.“ Schlichte und einheitliche Plakate seien seiner Meinung nach ansprechend, so Oberstufenschüler Linus Groll, der das Attendorner Gymnasium besucht. „Das zeugt von einer Gemeinschaft in der Partei.“ Entscheidend sei ein Plakat letztlich nicht, findet Lara: „Ich wähle eine Partei ja nicht für ihr Wahlplakat.“ 

Ein umsetzbares und realistisches Wahlprogramm sollten die Parteien vorweisen können, hat auch Emily Sax eine klare Vorstellung. Bei der Bürgermeisterwahl zähle für ihn vor allem „die Art des Menschen“, der für das Amt kandidiere, sagt Linus: „Die Person braucht eine einprägsame, humorvolle, aber auch souveräne Art.“

Mobilität ist ein wichtiges Thema

Mobilität ist ein wichtiges Thema für die Parteien, damit können sie auch bei den Jugendlichen punkten: „Ich möchte ohne Auto von A nach B kommen, ohne lange auf Bus oder Bahn warten zu müssen“, sagt Emily. Den Ausbau des lokalen ÖPNVs findet auch Felix wichtig, der sich zugleich eine verbesserte Digitalisierung wünscht: „Diese beiden Dinge betreffen mich als Schüler am meisten und stören mich zugleich an vielen Punkten.“ Frei zugängliches WLAN in Schulen könnte die Arbeitseffizienz vieler Schüler enorm erhöhen, da einfache Recherchen erleichtert würden und neue, innovative Lernmethoden ausprobiert werden könnten, ist sich der 16-Jährige sicher: „Und ein gezielter Ausbau des Personennahverkehrs würde dazu führen, dass weniger Schüler auf Elterntaxis angewiesen sind.“

Die Meinerzhagener Oberstufenschülerin Emily Sax blickt noch weiter Richtung Zukunft. Sie finde es wichtig, dass jeder die Chance auf eine Ausbildungsstelle bekomme, bringt sie das Thema Wirtschaft ins Spiel. Das Thema Zukunft spielt auch für Alexander Dresp eine Rolle für seine Entscheidung bei seiner ersten Wahl. „Alles, was in diese Richtung geht, ist wichtig“, sagt der 16-Jährige und nennt die Stichpunkte Ausbildung und Arbeitsplätze. Darüber hinaus wünscht er sich als Mitglied der Jugendfeuerwehr, dass die ehrenamtlichen unverzichtbaren Organisationen wie die Freiwillige Feuerwehr weiter unterstützt werden. Gut finden würde er es, wenn die jungen Wähler beispielsweise im Politik- oder Sowi-Unterricht in der Schule auf ihre erste Wahl vorbereitet würden. 

Die Gestaltung von Meinerzhagen ist wichtig 

Für Linda Körby ist das Thema Umwelt von Bedeutung: „Ich wünsche mir, dass auch die Politik trotz Corona hinter dem Thema Umwelt steht und nicht in den Hintergrund schiebt, sondern für Verbesserungen sorgt“, meint die Valberterin. Erstwähler Linus Groll wünscht sich „eine jugendbezogenere Politik“, die die Interessen junger Erwachsener besser und konsequenter behandle. „Mich persönlich interessieren Religionsfreiheit und die weitere Coronapolitik.“ Als junge Meinerzhagenerin sei ihr „die Gestaltung von Meinerzhagen“ wichtig, sagt Erstwählerin Lara Baumhof, die glaubt, dass es vielen Jugendlichen ähnlich gehe: „Immerhin wohnen wir hier und müssen und mit den Entscheidungen und der Gestaltung wohlfühlen.“

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