Theatergruppe des Evangelischen Gymnasiums präsentiert modernen „Faust“

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Schlussbild: Die Schauspieler und ihr AG-Leiter Thomas Erdmann freuen sich über den verdienten Applaus.

Meinerzhagen – Das Handy spielt eine Hauptrolle. Auch Faust und sein Gretchen sind dabei. Und ja: Die Geschichte endet tragisch – genau so, wie Johann Wolfgang von Goethe es in „Faust – der Tragödie erster Teil“ vor gut 200 Jahren vorgegeben hat.

Die Theatergruppe des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen (EGM) unter der Leitung von Thomas Erdmann ergänzte bei der gelungenen Premiere am Samstagabend in der Aula die klassische Vorlage um eine Vielzahl von aktuellen Bezügen. Wer ist heute der Mephisto, dieser Teufel? Wie verführt er uns? Mit einem Smartphone beispielsweise, das Faust seinem geliebten Gretchen schenkt. In der Ur-Version hatte sich die junge Dame noch über hübschen Schmuck gefreut. 

Die Geschichte des rastlosen, ewig suchenden Menschens, der sich von seinem vermeintlich öden Alltag abwendet und eine verhängnisvolle Wette mit Mephisto, dem Teufel, eingeht, ist bei den jungen Schauspielern aus dem 9. Jahrgang auf großes Interesse gestoßen. „Wohin wollen wir in unserem Leben?“, fragen sie. Guter Schulabschluss, erfolgreiches Studium, eine ordentlich bezahlte Arbeit – ist das der richtige Weg? Das fragten sich die Schauspieler gleich zu Beginn der Vorstellung.

Und damit stürzten sie sich und das Publikum hinein in das Faust-Thema, denn auch der moderne Mensch sehnt sich nach Erfüllung, nach Unterhaltung, ewiger Jugend und der großen Liebe. Dafür geht er, wie schon zu Goethes Zeiten, gerne einen Pakt mit dem Teufel ein. Dessen Mittel sind aktuell das Internet mit seinen Dating-Portalen, den sozialen Netzwerken und der Flut von Videospielen. In diesem unendlich erscheinenden digitalen Kosmos zerschellt die Liebe von Faust und Gretchen. Die erste gemeinsame Nacht wird heimlich gefilmt. Die junge Frau ist schnell ein Mobbingopfer und nicht mehr zu retten. 

Die jungen Schauspieler erzählen diese moderne und zugleich doch alte Geschichte überraschend souverän. Von Nervosität keine Spur. Die Akteure sind sehr textsicher und gestalten gekonnt die ins Geschehen eingestreuten Tanzeinlagen. Verbunden mit den eingespielten Musikstücken aus Rock und Pop sowie der gekonnten Multimedia-Regie durch das Technik-Team der Schule nimmt das Stück über 70 Minuten mächtig Fahrt auf.

Das von Anfang an aufmerksame Publikum honorierte die große Leistung am Ende mit einem lang anhaltenden Applaus. Fast hatte man das Gefühl, dass eine Zugabe willkommen gewesen wäre. Die gibt es tatsächlich in Form von zwei weiteren Aufführungen am Mittwoch, 3. April, und am Freitag, 5. April, jeweils ab 19.30 Uhr in der EGM-Aula. Wie schon vor der Premiere nimmt sich Spielleiter Thomas Erdmann dann ab 19.10 Uhr in der Aula wieder die Zeit, um die Besucher auf das besondere Werk der Theater-Arbeitsgemeinschaft einzustimmen.

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