Aus nach 53 Jahren

"Nachfrage gesunken": Jugendherberge Meinerzhagen schließt endgültig

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Die Jugendherberge Meinerzhagen schließt ihre Pforten.

Meinerzhagen - Nach 53 Jahren endet an der Bergstraße eine Ära: Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) Westfalen-Lippe bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der MZ , dass die Meinerzhagener Herberge dauerhaft schließt.

Zuletzt war das Gebäude – wie berichtet – als Landeseinrichtung für Flüchtlinge genutzt worden. Dass diese Art der Nutzung durch das Land Ende April nach einmaliger Verlängerung ausläuft, stand längst fest. Dass die Jugendherberge danach aber nicht mehr ihren regulären Betrieb aufnimmt, ist überraschend – zumindest für Außenstehende. 

Nachfrage nach Komfort nicht gedeckt

Simon Drath, der beim DJH für Presse und Marketing zuständig ist, nannte im Gespräch mit der Redaktion vor allem wirtschaftliche Gründe, die das Herbergswerk zu diesem Schritt bewegten: „In Meinerzhagen ist die Nachfrage in den letzten Jahren stetig gesunken. Ein Grund ist der demografisch bedingte Rückgang bei Schulklassen. Ein weiterer Grund ist, dass die Jugendherberge nur über fünf Zimmer mit Dusche und WC verfügt.“ Nicht nur Familien würden Wert darauf legen, Zimmer mit eigenen Nasszellen zu belegen. Diese Nachfrage könne man in Meinerzhagen jedoch nicht bedienen. Drath: „Um die Jugendherberge marktfähig zu halten, wären somit hohe Investitionen notwendig, die sich bei den zu erwartenden Übernachtungszahlen nicht rentieren würden.“ 

Fünf Millionen Euro für den Standort Winterberg 

Für das Deutsche Jugendherbergswerk zähle das Sauerland trotz der Schließung in Meinerzhagen nach wie vor zu den attraktiven Standorten. Und dass man – je nach Lage – durchaus gewillt ist, auch hohe Summen zu investieren, zeigt das Beispiel Winterberg: Die dortige Anlage wird nach Angaben des DJH derzeit für rund fünf Millionen Euro saniert. Der Entschluss zur Aufgabe der Meinerzhagener Herberge reifte offenbar während der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft. In einem Schreiben an Gäste, die für dieses Jahr bereits Aufenthalte gebucht haben, heißt es zudem, dass das Gebäude „sehr wahrscheinlich“ dauerhaft als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde. Gespräche mit der Stadtverwaltung würden bereits geführt. 

Stadt führt Gespräche über künftige Nutzung

Heinz-Gerd Maikranz, Fachbereichsleiter Bildung, Sport und Kultur, bestätigte diese Gespräche auf Anfrage der MZ, konnte aufgrund des laufenden Prozesses aber noch keine Details nennen. Fest steht: Spätestens zum 1. Mai muss die Zahl jener Menschen, die derzeit an der Bergstraße unter der Obhut des Landes stehen, durch die Stadt Meinerzhagen betreut werden. Inwieweit die Verwaltung nun die Räume der Jugendherberge einplanen kann und will, bleibt jedoch abzuwarten.  Gäste, die die heimische Jugendherberge in der Vergangenheit gerne besuchten oder auch für einen Aufenthalt in diesem Jahr gebucht hatten, müssen sich nun nach Alternativen umschauen. „Gerne unterstützen wir sie natürlich dabei“, betont Simon Drath, der auch auf die Einrichtungen am Biggesee oder an der Glörtalsperre verweist.

Traditionshaus seit 1963

Die Jugendherberge Meinerzhagen schließt ihre Pforten.

Die Meinerzhagener Jugendherberge wurde 1963 eröffnet. Bereits zuvor gab es jedoch einen Herbergsbetrieb – seit 1949 in einem Privathaus in Schwenke. Das DJH zählte im Jahr 2014 insgesamt 6945 Übernachtungen in den 144 Betten an der Bergstraße, im Jahr 2015 waren es nur noch 6761. Allerdings wurden die Räume der Herberge seit Oktober als Landeseinrichtung für Flüchtlinge genutzt, so dass beide Jahresergebnisse nicht miteinander vergleichbar sind. Die „Schwestereinrichtung“ am Biggesee zählte im vergangenen Jahr nach intensiver Renovierung 25 000 Übernachtungen (2014: 20 737). Allerdings verfügt die dortige Herberge auch über 250 Betten.

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