Urteil: Dauerarrest als Warnung

Das Jugendschöffengericht verurteilte den 19-Jährigen zu einem Dauerarrest.

Meinerzhagen -   Ein neues Leben in Europa suchen viele Flüchtlinge aus Afrika. Doch der Weg zu den „Fleischtöpfen“ ist zumeist hart und zuweilen von Illusionen umstellt, wie jetzt der Fall eines Algeriers zeigte, über den im Amtsgericht Lüdenscheid verhandelt werden musste.

Von Thomas Krumm

Der Asylbewerber gab in seiner Heimat eine Ausbildung zum Elektriker auf, um über Spanien nach Deutschland zu kommen, wo er in einer Sammelunterkunft in Meinerzhagen untergebracht wurde. Schon bald nach seiner Ankunft kam er mit den Strafgesetzen in Konflikt – zunächst wegen kleinerer Eigentumsdelikte und Beförderungserschleichung. Das war noch einigermaßen nachvollziehbar bei einer monatlichen Unterstützung von 340 Euro.

Ernster wurde es im Sommer 2013, als der 19-Jährige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde. Im Asylbewerberheim war er mit einem Fleischerbeil auf einen Mitbewohner losgegangen, der ein Bett hatte aufstellen wollen. Die Polizei hatte den Angeklagten nur mithilfe von Pfefferspray ruhigstellen können.

Wegen der laufenden Bewährung musste erneut das Jugendschöffengericht zusammentreten, um über zwei weitere Tatvorwürfe zu beraten: Am 24. Juli geriet der Angeklagte mit einem Busfahrer der MVG in Streit. An der Haltestelle Vollme/Jubach in Kierspe verließ er den Bus und ließ „seine Hose und seine Unterhose herunter“, wie es in der Anklage hieß. Es kann nicht überraschen, dass der Busfahrer diesen nackten Hintern als Beleidigung empfand, zumal er zuvor schon verbal angegangen worden war.

Am 19. Dezember geriet der Angeklagte im Toom-Markt in Lüdenscheid in Streit mit einem Ladendetektiv. Nach wüsten Beschimpfungen ging ihm der Angeklagte an die Gurgel und drohte ihn „abzustechen“. Dazu kam es aber nicht.

Es gab also viel Anlass für den Vorsitzenden Richter Wolfram Arnold, das Übereinstimmende in den Taten festzustellen: „Sie haben sich nicht unter Kontrolle.“ Nun gab es Hinweise auf eine schwierige Familiengeschichte und eine psychische Störung bei dem Angeklagten, doch die Einsicht, dass er die ihm verordneten Medikamente auch nehmen müsse, war ihm sicherlich zuzumuten. Genauso wie die Einsicht, dass Termine mit der Bewährungshelferin und der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe unbedingt einzuhalten sind.

Zudem waren noch 150 Sozialstunden aus dem vorangegangenen Urteil offen. Diesbezüglich trug der Angeklagte diverse Ausflüchte vor – die bemerkenswerteste unter ihnen war ein Hundebiss, der ihn gehindert habe zu arbeiten.

An zweiter Stelle lag die Auskunft: „Keine Kraft“. Es gab also gute Gründe, an der Arbeitswilligkeit dieses besonderen Migranten zu zweifeln. Wegen der nicht abgeleisteten Sozialstunden machte Richter Wolfram Arnold eine klare Ansage: „Wenn Sie das nicht machen, haben Sie Anspruch darauf, ein Jahr ins Gefängnis zu gehen.“

Damit der Angeklagte diesen Weg besser kennenlernt, verurteilte ihn das Jugendschöffengericht wegen der beiden Anklagepunkte zu einem Dauerarrest von einem Monat. Den wird er nun antreten müssen. Und anschließend darf sich der junge Mann aus Algerien keinen weiteren „Ausrutscher“ mehr leisten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare