Jürgen Rüttgers auf Zuhör-Tour in Meinerzhagen

Jürgen Rüttgers am Freitag Abend in der Stadthalle von Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Der CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers macht Station in der Stadthalle Meinerzhagen. Zuhör-Tour nennt er die neue Form, in Kontakt mit den Wählern zu kommen. 90 Minuten lang entwickelt sich tatsächlich ein Dialog zwischen Politiker und Bürgern.

Da ist die alleinerziehende Mutter von drei Kindern, alle inzwischen ausbildungs- und berufsmäßig auf gutem Weg. Die Frau lebt von Hartz-IV. 350 Euro im Monat müssen reichen. Sie wolle ganz einfach ihre Situation schildern, „weil ich doch so selten Gelegenheit habe, mal einen so wichtigen Politiker zu treffen“. Der Adressat, Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers, hört zu, macht Mut, das Herz wirklich richtig auszuschütten und zeigt sich erkennbar betroffen. „Wenn wir solche Frauen, die sich für ihre Kinder entscheiden, in die Armut entlassen, dann stimmt etwas nicht. Das müssen wir ändern!“

Sozusagen das soziale Gegenmodell kurz zuvor: Die gut situierte Ehefrau und Mutter beklagt, dass Studium und Wohnungen für die drei Kinder eine hohe finanzielle Last darstellen, die mit der steuerlichen Absetzbarkeit für diese Lasten nur schwerlich in Einklang stünden. Da gelte es deutlich aufzustocken. Der Regierungschef, selbst Vater von drei Kindern, stellt klar: „Es kann nicht angehen, dass wir die Verkäuferin damit belasten, dass besser Gestellte hier noch etwas günstiger wegkommen.“

Der Ministerpräsident und Landesvater auf „Kümmerer-Tour“ gestern in der Stadthalle von Meinerzhagen. Zuhören will er, in Dialog kommen mit den Menschen und hält sich nicht mit langen Vorreden auf. Pünktlich um 19 Uhr von der Moderatorin freundlich begrüßt und vorgestellt, steigt er gleich in den Ring und ermuntert:„Die erste Frage, bitte!“

Rund 250 Besucher sind gekommen. Die meisten davon auf Grund persönlicher Einladungen und interessanter Weise viele davon aus dem bergischen Land. Vor Ort war öffentlich auf die Veranstaltung von CDU-Seite nicht aufmerksam gemacht worden. Schade! Es waren nämlich kurzweilige, informative 90 Minuten.

Rund zwanzig Fragesteller nutzen die Gelegenheit, dem prominenten Politiker und Aushängeschild der CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland ihre Anliegen, Sorgen und Nöte vorzutragen. Während draußen in diesen Tagen ein nach Einschätzung von politischen Beobachtern überaus harter, mittlerweile auch schmutziger Wahlkampf tobt, gehtes hier auf einer weiteren Station dieser neuen Form des Kontakts zwischen Politik und Wahlvolk erfreulich sachlich zu.

Wahlkampf wie Obama

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft, um den Slogan einer bekannten Polit-Talkshow aufzugreifen, wird‘s oft eher peinlich als aufschlussreich und informativ. Jürgen Rüttgers, der sich das Vorbild zu seiner Zuhör-Tour durchs Land übrigens bei Obama in den USA abgeschaut hat, wie er gestern preisgab, gibt in der Stadthalle von Meinerzhagen ein deutlich überzeugenderes Bild ab. Präzise Antworten, wo die Fakten klar sind. Und mitunter auch das Eingeständnis der eigenen aktuellen Ratlosigkeit, wo die Dinge eben nicht so einfach liegen.

Kommunalfinanzierung

wichtiges Gesprächsthema

Wie zum Beispiel bei den Finanzen. „Wir sind bislang deutlich besser durch diese Krise gekommen, als wir das befürchten mussten. Aber wir sind noch nicht durch. Und es kommen noch weitere schwere Jahre, wo es vor allem heißen muss: Sparen, sparen und nochmals sparen“, erklärt er. Und so will er auch dem stellvertretenden Meinerzhagener Bürgermeister Volkmar Rüsche keinen Rettungsschirm für die finanziell stark gebeutelten Kommunen versprechen. „Schulden austauschen bringt nichts!“ Dass es aber erstmals in Berlin einen Dialog mit Kommunen, Ländern und Bund über dieses wichtige Thema gebe, sei doch immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Und kein populistisches Nachgeben auch auf die Forderung von Rönsahls Ortsbürgermeister Horst Becker nach Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen, um damit die Grundschule vor Ort zu sichern: „Der Elternwille muss Vorrang haben!“

Horst vom Hofe

CDU-Spitzenkandidat macht Station in Meinerzhagen.

Ministerpräsident sucht den Dialog mit den Bürgern

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