In NRW ist keine jünger als Regina Bosche

Regina Bosche füllt Bratwurst-Masse in Formen, die dem Fleischbrei wieder ihr natürliches Aussehen zurückgeben.

MEINERZHAGEN - Demenzkranke haben häufig Schluckbeschwerden. Fleisch zu essen, ist deshalb schwierig. Die Konsequenz: Der Pürierstab muss her, aus einer Bratwurst wird dann ein unansehnlicher Brei. Gut zu schlucken – aber weil das Auge bekanntlich mitisst, eine unappetitliche Angelegenheit.

Von Jürgen Beil

Die 22-jährige Regina Bosche schafft im Wilhelm-Langemann-Haus inzwischen Abhilfe, was dieses täglich wiederkehrende Problem betrifft. Püriertes Essen ist ihre Spezialität. Und sie hat einen ganz besonderen „Trick“: Ob Fisch oder Bratwurst: Die kleingehackte Masse wird nach dem Pürieren in Formen gegeben, die dem Brei wieder ihr ursprüngliches Aussehen geben. Nach dem Kochen landet das Essen wieder auf dem Teller – zumindest rein optisch als Wurst. Diese Prozedur funktioniert übrigens auch bei Fisch und anderen Fleischsorten. Und die Bewohner der heimischen Senioreneinrichtung reagieren deutlich positiver auf das Essen als vorher.

Das Verfahren ist schon etwas Besonderes, das gilt aber auch für Regina Bosche selbst. Denn: Die junge Meinerzhagenerin legte kürzlich ihre Meisterprüfung ab. Mit 22 Jahren ist sie nun die jüngste Hauswirtschaftsmeisterin in Nordrhein-Westfalen.

Regina Bosche ist im Langemann-Haus zuständig für Aufgabenfelder wie Nahrungsmittelberatung, Service, Dekoration, Gestaltung und Blumenpflege. Die „Optimierung der Nahrungsmittelzubereitung“ ist ihr Spezialgebiet und das Thema war auch Gegenstand der Meisterarbeit. Bosches Meinung dazu, festgehalten in ihrer Abschlussarbeit: „Essen gehört zu den Höhepunkten des Tages. Speisen müssen vielfältig, wohlschmeckend und ansprechend serviert sein.“

Monika Besner, Leiterin des Langemann-Hauses, ist ebenso stolz auf Regina Bosche wie die Leiterin der Hauswirtschaft, Marita Dreisbach. „Regina Bosche und ihre Kollegin Olga Isaak, die ebenfalls die Meisterprüfung bestanden hat, sind echte Eigengewächse. Sie haben bei uns auch ihre dreijährige Ausbildung gemacht. Beide sind wirklich sehr engagiert und haben große Unterstützung gefunden und Mitarbeiterteams, die Kooperationsbereitschaft zeigen. Die Ausbildung zur Meisterin war also für beide Seiten eine echte Win-Win-Situation.“

Mit der 30 Jahre alten Olga Isaak nahm eine weitere Mitarbeiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses die Strapazen einer dreieinhalbjährigen Meisterausbildung in Kauf, die parallel zum „normalen“ Job im Langemann-Haus durchlaufen wurde. Sie ist spezialisiert auf die „Optimierung der Reinigung in den Wohnbereichen“ – dieses Fachgebiet war auch Gegenstand der Meisterarbeit.

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