Jomendorf-Straße als Zeichen der Versöhnung

Im Neubaugebiet Werlsiepen im Nordosten der Stadt Meinerzhagen müssen Straßennamen vergeben werden.

MEINERZHAGEN ▪ Im Neubaugebiet Werlsiepen im Nordosten des Stadtgebiets ergibt sich aktuell die Gelegenheit, für die dort entstehenden Wohnstraßen geeignete Namen festzulegen. In der Vergangenheit hat dies in Meinerzhagen immer wieder dazu geführt, mit Straßenbenennungen zum Beispiel auch an verdienstvolle Persönlichkeiten der Ortsgeschichte zu erinnern: Zum Beispiel mit der Christoph-Friedrich-Baehrens-, der Eduard-Fittig- und der Beurhausstraße. Dass in Meinerzhagen auch viele Heimatvertriebene ansässig geworden sind, führte zur Benennung von Straßen nach ehemals ostdeutschen Städten, wie der Breslauer-, der Königsberger-, der Stettiner- und der Danziger Straße. Von Horst vom Hofe

Am Donnerstag berät der zuständige Fachausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt in öffentlicher Sitzung (Beginn 17 Uhr im Rathaussaal an der Bahnhofstraße) über die Straßennamen im Neubaugebiet Werlsiepen. Die Verwaltung greift mit ihren Vorschlägen für die Benennung der vier Planstraßen auf die dort vorkommenden Flurbezeichnungen zurück und schlägt zudem vor, die Haupterschließungsstraße in Fortführung des Siepener Weges ebenfalls so zu benennen. Des Weiteren gibt es diese Vorschläge: Planstraße B soll den Namen „Auf dem Kamp“ erhalten. Planstraße C soll „Auf der Steimke“ heißen. Und für die geländemäßig am tiefsten gelegene Planstraße D lautet der Namensvorschlag „In der Delle“.

Es gibt aber zumindest für zwei dieser Straßen alternative Vorschläge. So hat die CDU-Ratsfraktion erneut den Vorschlag eingebracht, wonach es in Meinerzhagen endlich eine „Richter-Wever-Straße“ geben sollte. Auf diese Weise soll dem Geschlecht der Richterfamilie Wever, die in vielfältiger Weise mit der Ortsgeschichte Meinerzhagen untrennbar verbunden ist, eine bleibende Erinnerung im Stadtbild gewidmet werden.

Ein weiterer Namensvorschlag knüpft an die Tradition der Straßenbenennung mit ehemals ostdeutschen Städtenamen an. Dazu gibt es gleich zwei gleich lautende offizielle Bürgeranträge, die sich dafür aussprechen, dass es in Meinerzhagen künftig auch eine „Jomendorf Straße“ geben sollte.

Der Meinerzhagener Herbert Monkowski, der selbst aus der Gegend von Jomendorf stammt und für sein vielfältiges Engagement unter anderem im Dienste der deutsch-polnischen Aussöhnung mit dem Bundesverdienstkreuz ebenso wie mit einem hohen polnischen Orten geehrt wurde, begründet seinen Namensvorschlag unter anderem wie folgt:

„Die Stadt Meinerzhagen ist seit nunmehr fast 30 Jahren so etwas wie eine Ersatzheimat für die ehemaligen Jomendorfer geworden. Seit dieser Zeit wird hier die Jomen-Post herausgegeben und es finden regelmäßige Treffen in der Stadt Meinerzhagen statt. Zum letzten Treffen fanden gut 300 Personen, und das nicht nur aus Deutschland, den Weg nach Meinerzhagen. Prominente Persönlichkeiten nehmen an diesen Treffen teil.

Jomendorf, ein altes Pruzzendorf im Landkreis Allenstein/heute Olstyn, ist als Dorf bereits verschwunden, von der Stadt Allenstein eingemeindet, überbaut und existiert heute noch als Ortsteilname. Von den ehemaligen Dorfbewohnern gingen zahlreiche Versöhnungsinitiativen aus. Die ‚Aktion Polenhilfe‘ war und ist eine der bedeutendsten Aktionen. Bei jedem unserer Treffen legen wir großen Wert auf die Teilnahme der Verwaltung oder Kirche unserer alten Heimat. Unser letztes Treffen hatte den Allensteiner Erzbischof Dr. Ziemba als Ehrengast und Besucher. In diesem Jahr wird es der Dorfpfarrer Kuriata unserer Heimatgemeinde sein. Der Wójt Marcinkiewicz, die Verwaltungsspitze der Gemeinde, war auch mehrmals bei uns zu Gast. In aller Bescheidenheit darf ich sagen, dass unsere Arbeit in vielen Gremien als ‚einmalig und vorbildlich in der europäischen Versöhnungsarbeit‘ angesehen wird. Wir sind und waren an der Partnerschaft von 19 Gemeinden im Landkreis Allenstein/Olsztyn und dem Landkreis Osnabrück beteiligt.

Meinerzhagen ist für die Jomendorfer, jetzt auch für die Nachgeborenen, ein Ort der zweiten Heimat geworden – wenn auch nur als Synonym – und es wäre lobenswert, wenn der Dorfname durch eine Straßenbenennung weiter leben und später Erinnerungen an unsere friedensstiftende Arbeit wecken könnte.“

Soweit Herbert Monkowski.

Auch der Vorstand des Ortsverbandes Meinerzhagen im Bund der Vertriebenen stellt sich mit einem formellen Bürgerantrag hinter diesen Vorschlag. In dem von der ersten Vorsitzenden Barbara Schroeder und ihrem Stellvertreter Günter Sylla unterzeichneten Schreiben bringen man unter anderem zum Ausdruck: „Der BdV-Ortsverband hofft auf eine große Zustimmung zu dem Bürgerantrag, da eine Ablehnung der Benennung einer Straße als Jomendorf Straße sowohl bei den heutigen in Allenstein und insbesondere im Allensteiner Stadtteil Jomendorf lebenden Polen und Deutschen wie auch den heimatvertriebenen Jomendorfern zu Irritationen und Unverständnis führen könnte. Vielleicht gibt es im Allensteiner Ortsteil Jomendorf bald auch eine Meinerzhagener Straße als Zeichen der Versöhnung und Völkerverständigung.“

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