Außenwohngruppe für Menschen mit Behinderungen

Auch Hans-Jakob Matthes (Dritter von rechts) und Oliver Drenkard (Dritter von links) freuen sich über die zweite Außenwohngruppe, die gerade am Hohschlader Weg 7 entsteht. - Foto: Beil

MEINERZHAGEN - Auf den ersten Blick unterscheidet das Haus Hohschlader Weg 5 kaum etwas von den Gebäuden in der Nachbarschaft. „Aber es ist ein ganz besonderer Edelstein“, freut sich Hans-Jakob Matthes, der Regionalgeschäftsführer des evangelischen Johanneswerkes.

Von Jürgen Beil

Matthes weiß, wovon er spricht. Denn das Johanneswerk ist nicht nur Träger der Waldheimat, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Rönsahl, sondern auch Anbieter in Sachen „Außenwohngruppen“. Im Haus Hohschlader Weg 5 ist eine solche Wohngemeinschaft untergebracht. Hier führen Menschen mit geistigen und oft auch körperlichen Behinderungen ein Leben, das dem ganz „normaler“ Bürger sehr nahekommt. „Das ist für die Bewohner ein großer Schritt ins Leben“, freuen sich Matthes und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Anders als in der Waldheimat, wo für alles gesorgt ist, übernehmen die Angehörigen der Wohngemeinschaft am Hohschlader Weg bewusst möglichst viele Aufgaben selbst. Tagsüber werden sie in Spezialeinrichtungen betreut oder arbeiten in Rönsahl, abends kehren sie in ihr Meinerzhagener Zuhause zurück. Und dort wird – zusammen mit der Hauswirtschaftskraft – auch selbst eingekauft oder gekocht. Wer sich zurückziehen möchte, kann das in seinem eigenen Raum. Die Badezimmer sind behindertengerecht umgebaut und die untere Etage ist auch mit Rollstühlen über eine Auffahrt hinter dem Haus erreichbar. Oben sind die Menschen untergebracht, die noch gut zu Fuß sind und Treppen steigen können.

Wurde früher noch auf Wohnheime mit 70 bis 80 Bewohnern gesetzt, geht der Trend heute zu deutlich kleineren Gruppen. Neun Menschen leben im Haus Hohschlader Weg 5 – und ihr Zusammenleben klappt so gut, dass im kommenden Jahr direkt nebenan, am Hohschlader Weg 7, eine weitere Außenwohngruppe der Waldheimat einziehen kann. Weitere zehn Menschen mit Behinderungen werden hier an ein möglichst selbstständiges Leben herangeführt. Das geht natürlich nicht ohne ständige Betreuung. Mindestens zwei Mitarbeiter sind tagsüber vor Ort, nachts gibt es außerdem eine Schlafbereitschaft. Pädagogische, pflegerische und hauswirtschaftliche Fachkräfte stehen dafür zur Verfügung.

Möglich wurde dieses Projekt auch dank der Meinerzhagener Baugesellschaft, der die Häuser gehören. Die MBG ließ das Haus Hohschlader Weg 5 so umbauen, dass es den Anforderungen, die das Johanneswerk stellt, erfüllt. Am Hohschlader Weg 7 passiert zurzeit dasselbe. Zuständig dafür ist Architekt Michael Koch.

Auch der Chef der Baugesellschaft, Oliver Drenkard, freut sich über die neuen Mieter. Erste Kontakte zwischen MBG und Johanneswerk gab es bereits im Jahr 2007, damals ging es um einzelne Wohnungen, beispielsweise an der Breslauer Straße, die für Bewohner der Waldheimat hergerichtet wurden. Weil die Zusammenarbeit damals vorbildlich funktionierte, konnte schließlich das Projekt am Hohschlader Weg realisiert werden.

Und was empfinden die Bewohner? „Sie leben zusammen wie eine große Familie“, hat Johanneswerk-Bereichsleiterin Marion Buscher beobachtet. „Probleme klären sie untereinander und sie sind unglaublich stolz auf ihr neues Leben. Es ist ein faszinierendes Miteinander, bei dem die neuen Räume auf die Menschen regelrecht entspannend wirken“, ist auch sie voller Optimismus, was die Zukunft der Wohngruppen angeht.

Auch in Kierspe denkt das Johanneswerk übrigens über weitere Aktivitäten nach. „Dort suchen wir ein Grundstück, auf dem wir eventuell bauen können“, erläutert Hans-Jakob Matthes.

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