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MK vom „Öko-Ziel“ noch weit entfernt

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Von: Göran Isleib

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Landwirt kniet an einem Bohnenfeld
Ulrich Pieper, Biolandwirt aus Herscheid, sieht durchaus Chancen, dass bis zum Jahr 2030 ein Fünftel aller Landwirte auch im Märkischen Kreis auf ökologischen Landbau setzen. Dafür müsse es aber die entsprechenden Anreize geben. © Dirk Grein

Beim ökologischen Landbau bleibt Nordrhein-Westfalen weit hinter den meisten anderen Bundesländern zurück.

„Beim ökologischen Landbau bleibt Nordrhein-Westfalen weit hinter den meisten anderen Bundesländern zurück. Gerade einmal knapp sechs Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden nach Zahlen des Bundesagrarministeriums im Jahr 2019 ökologisch bewirtschaftet“, hieß es in einer Meldung der Deutschen Presseagentur. Insgesamt gab es nach Angaben des Ministeriums in NRW im Jahr 2019 32 290 landwirtschaftliche Betriebe, davon waren aber nur 2202 ökologisch ausgerichtet. Das entspricht einem Anteil von 6,8 Prozent. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Hessen kamen auf einen deutlich höheren Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen, hieß es dort weiter. In Baden-Württemberg war 2019 praktisch jeder vierte landwirtschaftliche Betrieb ökologisch orientiert.

Wie sieht das im Märkischen Kreis aus? Der Abgeordnete Norwich Rüße von Bündnis 90/Die Grünen hatte am 7. Dezember eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, um aktuelle Zahlen (auch) für den Märkischen Kreis zu erhalten. Ende Dezember gab’s die Antwort aus dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW.

In 64 landwirtschaftlichen Betrieben (Stand Ende 2020) wurde demnach ökologischer Landbau betrieben, und zwar auf einer Fläche von 3597 Hektar. Das entspricht einem prozentualen Anteil an der gesamten Landwirtschaft im Märkischen Kreis von 10,8 Prozent. Damit liegt der Kreis zwar knapp über dem Bundesdurchschnitt von 10 Prozent, aber weit hinter dem Ziel, das sich NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser bis zum Jahr 2030 für NRW gesetzt hat. Demnach sollen dann 20 Prozent der Betriebe ökologisch ausgerichtet sein. Für den Märkischen Kreis wäre das eine Verdopplung der Zahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Öko-Landbau. Zusätzlich zu den ökologisch bewirtschafteten Flächen kommen noch weitere 16,9 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen, für die eine Extensivierungsauflage gilt. Dabei handelt es sich um Förderflächen, auf denen im Rahmen beispielsweise von Agrarumweltmaßnahmen mehrjährige Bewirtschaftungsverpflichtungen zur Extensivierung der Produktion freiwillig eingehalten werden.

Landwirt Ulrich Pieper aus Herscheid, dessen Landwirtschaft seit 1995 als Demeter-Betrieb anerkannt ist, kann sich vorstellen, dass Heinen-Essers Ziel erreicht werden kann. In seinem Betrieb werden Gemüse und Kartoffeln angebaut, wobei derzeit allerdings eine Umstrukturierung stattfinde, wie er im Gespräch erläutert. Weil es für den Hof keinen direkten Nachfolger gibt, will er „Landsitze“ anbieten. Im entstehenden „Waldgarten“ könnten dann Parzellen gepachtet werden, auf denen beispielsweise Gemüse angebaut werden kann.

Doch zurück zum Öko-Landbau und der Entwicklung im Kreis: „Es findet ja gerade ein Umdenken statt. Die Leute machen sich Gedanken zum Artensterben, zum Thema Tierwohl und vielen ist klar, dass sich etwas ändern muss“, sagt Ulrich Pieper. Es komme aber auf die entsprechenden Förderprogramme an. Kleinere Betriebe könne man beispielsweise dafür gewinnen, wenn man die ersten Hektar, auf denen ökologischer Landbau betrieben werde, stärker fördere. Insgesamt müssten die Zuschüsse für die Umstellung deutlich erhöht werden. Bisher finde die Förderung ja in erste Linie über die Fläche statt.

Landwirt Ulrich Pieper setzt auf kleine Strukturen und regionale Angebote. Als Beispiel führt er die Solidarische Landwirtschaft (Solawi, siehe dazu auch den Infokasten) an. Eine solche Gruppe gibt es inzwischen auch in Lüdenscheid.

Was ist Solawi?

Was steckt hinter „Solawi“? Bei Solidarischer Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Verbrauchen und Verbraucherinnen mit organisiert und finanziert wird. Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft, stellt regionale Lebensmittel zur Verfügung und ermöglicht Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum. Quelle: www.solidarische-landwirtschaft.org/

Ulrich Pieper favorisiert die lokale Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte. Er hält wenig davon, Bio-Produkte von weit her heranzuschaffen, um sie hier zu vermarkten. Stichwort: Discounter und Supermärkte, die Bioprodukte aus Ägypten, Südamerika oder gar Indien verkaufen. „Kurze Wege sind wichtig, damit es ökologisch sinnvoll bleibt“, sagt Pieper. Und er setzt eher auf viele kleine Unternehmen als auf große Betriebe. Pieper: „Auch bei uns gibt’s Bio-Landwirte, die mit dem Einsatz von Großmaschinen ebenso wie die Kollegen in der konventionellen Landwirtschaft arbeiten, aber mit biologischem Anspruch. Da wird der Mais eben nicht gespritzt.“

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