Elfland-Jazzmusiker interpretieren in der Kirche alte Choräle neu

Beeindruckten auch durch ihre mit sichtbarer Spielfreude eingebrachten Soli (von links): Thomas Wurth, Tobias Link, Fritz Schmid und Didier Jacquin. - Fotos: Schüller

MEINERZHAGEN - Aus Alt mach Neu – dieses schlichte Konzept führt ja manchmal zu erstaunlichen Ergebnissen. Wenn die zeitlosen Kompositionen Jahrhunderte alter Choräle in die Finger eingefleischter Jazzmusiker gelangen, dann swingt die Kirche. Das hat die Jazzformation Elfland bereits mehrmals unter Beweis gestellt. So auch am Sonntagabend, als die mittlerweile auf fünf Mitglieder angewachsene Band, verstärkt durch zwei Gastmusiker, in der voll besetzten Jesus-Christus-Kirche loslegte.

Von Petra Schüller

Wer der süßlichen Klänge der allgegenwärtigen Weihnachtsmusik schon etwas überdrüssig war, erlebte hier eine Einstimmung auf Weihnachten, die erfrischend anders war: Advents- und Weihnachtschoräle neu arrangiert und in fetziger Jazzmanier, mit viel Raum für freie Improvisationen der einzelnen Musiker, zu Gehör gebracht. Das kam schon in den vergangenen Jahren gut an und füllte das Gotteshaus auch am Sonntag. Der Vorsitzende des KuK-Vereins Fritz Schmid, zugleich Bandmitglied des Jazzquintetts, freute sich über die ausgezeichnete Resonanz und führte durchs Programm. Anfängliche Probleme mit der Mikrofonanlage, die dazu führten, dass die ersten Moderationen nur schwer zu verstehen waren, konnten schnell abgestellt werden. Der Choral „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ aus dem 9. Jahrhundert kam ebenso in völlig neuem Gewand daher wie „Christ ist erstanden“ oder „Wie soll ich dich empfangen“. Die swingenden Rhythmen entfalteten ihre Wirkung unmittelbar: Fußspitzen wippten zum Takt, die Zuhörer ließen sich ganz auf das akustische Erlebnis ein. Erneut stammten viele der Arrangements von Elfland-Schlagzeuger Oliver Ilgner, auch Pianist Volker Schlingmann setzte einige der Kompositionen nach eigenem Gusto um. So flossen auch die prägnanten Rhythmen des weltbekannten „Take five“ von Dave Brubeck mit ein. Neben der Stammbesetzung mit Oliver Ilgner (Schlagzeug), Fritz Schmid (Saxophon, Klarinette), Max Jalaly (Kontrabass), Volker Schlingmann (Klavier) und dem neu hinzu gekommenen Didier Jacquin (Klarinette, Bassklarinette) kamen die Zuhörer in den Genuss, auch die Gastmusiker Tobias Link (Posaune) und Thomas Wurth (Trompete, Euphonium) erleben zu können. Ersterer ist Jazzstudent an der Musikhochschule Köln, letzterer bereicherte das KuK-Programm durch Auftritte mit seiner Band „Bäng Bäng“ und dem Arnd Hawlina Quartett. Die sieben Musiker boten ein virtuoses Zusammenspiel, das durch die spielerisch leicht wirkenden und mit viel Spielfreude eingebrachten Soli und Improvisationen begeisterte. Die swingenden Rhythmen von Schlagzeug und Kontrabass und der gelegentliche Einsatz einer Kuhglocke als Rhythmusinstrument im Zusammenspiel mit den Klangfarben der unterschiedlichen Blasinstrumenten und den perlenden Melodieläufen des E-Pianos ließen den Funken überspringen. Lange anhaltender Applaus und stehende Ovationen am Ende des Konzerts waren der verdiente Lohn der Musiker, die sich mit dem Spiritual „Joshua faught the battle of Jericho“ von ihrem Publikum verabschiedeten.

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