Ein Jahrhundert Flugzeugbau

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Zu Gast bei KuK: Dr.-Ing. Klaus Welschof von der Firma Otto Fuchs. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wer als Kind und Heranwachsender den Traum vom Fliegen in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens erfährt, ist fürs Leben geprägt.

Umgemünzt zur Faszination der einzigen Fortbewegungsart, die der Mensch naturgemäß nicht beherrscht, bestimmte er den beruflichen Werdegang von Dr.-Ing. Klaus Welschof. Tätig in den Ressorts Entwicklung und technische Kundenberatung, erweitert um den „kaufmännischen Part“ in der neuen Vertriebssparte Luft- und Raumfahrttechnik der Firma Otto Fuchs (OFM), beeindruckte der Praktiker mit seinem Vortrag in den Räumen der Stadthalle ein hochkarätig besetztes Auditorium.

„Ein Jahrhundert Flugzeugbau – Perspektiven eines Zulieferers“ titelte die von KuK arrangierte Veranstaltung zum „Jour fixe“. Ausgehend von „ein wenig Naturwissenschaft“ beleuchtete der Lichtbild-Vortrag zunächst die Zeitgeschichte der Fliegerei. Von Ikarus (Antike), Leonardo da Vinci (1500), Montgolfière (1783) und Otto Lilienthal (1891) als erstem „echten menschlichem Flieger“ spannte Welschof den Bogen des Erfindungsgeistes. „Die Natur hat Erfolgsmodelle vorzuweisen; Technik ist in die Anwendung überführte Naturwissenschaft.“ Was also braucht man, um fliegen zu können? Vom Pionier zum Ingenieur führte die historische Entwicklung in Deutschland und bei OFM. Innovative Bauweise, neue Werkstoffe und Prozesse – ein langer Weg, gepflastert mit untauglichen Versuchen, so zeichnete Dr. Welschof die Geschichte der Luftfahrt nach. „Die ersten Firmen waren Garagenwerkstätten, zumeist fußten sie auf anderen Branchen; das BMW-Emblem ist ein Flugzeugpropeller in den bayerischen Farben.“ Fortschritte in der Metallverarbeitung ermöglichten vor 75 Jahren deutsche Spitzentechnologie, und die Luftfahrt erlangte zunehmend militärische Bedeutung. Bis zur „Riesen-Zäsur“ des 2. Weltkrieges sei Deutschland „lange in einsamer Führungsposition und anderen Ländern um Jahre voraus gewesen“, nannte er Fakten. Dann habe der Ost-West-Wettbewerb neue Impulse und sensationelle Sachen hervorgebracht, begleitet von Experimentierfreudigkeit versus Wirtschaftlichkeitsberechnungen. „Aktuell erblicken Sie kaum ein Flugzeug, in dem nicht Teile von OFM verbaut sind“, kam der Referent zur Spitzenstellung des heimischen Unternehmens. „Ganz vorne in der Luftfahrtechnik und da weltgrößtes Familienunternehmen, mit 250 Geschäftspartnern in 40 Ländern. An jedem dritten Arbeitsplatz werden hier Teile für 100 Flugzeug- und Triebwerkstypen produziert.“ Allen voran nannte er den Airbus 380, für dessen Fenster OFM Alleinlieferant sei. Hergestellt wird zudem ein aerodynamisches Cockpit, bestehend aus drei Teilen. „Wir liefern auch an Boeing und nach China, wir haben da keine Berührungsängste.“ Auch Turbolader oder Hüftgelenkprothesen weist die Produktpalette aus.

„Nicht alles ist serienreif geworden“, schränkte er ein. Dennoch seien die Versuche als Innovationsbeitrag zu werten. Nur die permanente Innovationstätigkeit sichere nachhaltiges Wachstum. Noch immer zeige die Kurve der Leistungsfähigkeit in Bezug auf Erhöhung der Nutzlast, Geschwindigkeit, Reichweite, Sicherheit, Komfort nach oben, beim Erfordernis gleichzeitiger Kostensenkung. Gleichwohl bewegten sich manche Entwicklungspotentiale bereits am Limit. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit sei der zu erzeugende Mehrwert. „Wir müssen Dinge machen, die andere nicht können“, das sei schon die Maxime zu seiner Zeit bei OFM gewesen, fügte Ruheständler Karl Wilhelm Hanke in der Diskussion an. „Und wir hatten immer Top-Mitarbeiter“. Eine Frage aus dem Publikum beantwortete Dr. Klaus Welschof mit einem klaren Nein: „Kann eine Hummel fliegen?“ ▪ AS

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