Unruhe im Wald – das Wild weiß nicht wohin

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Der Vorstand, von links: Hendrik Schauerte, Prof. Dr. Lothar Reincken und Klaus Lomnitz. ▪

EBBEGEBIRGE ▪ „Die Pflicht-Hegegemeinschaft für alle Jagdreviere wird auch in NRW diskutiert. Sie wird kommen. Einzelkämpfer werden mit der Jagd untergehen.

Nötig ist eine revierübergreifende, effektive Bejagung vor allem wegen der ungenügenden Erlegung weiblichen Wildes.“ Revierjagdmeister Peter Markett, Berufsjäger auf einer Fläche von 15 000 Hektar, referierte bei der Jahreshauptversammlung der Rotwildhegegemeinschaft Ebbegebirge zum Thema „Revierübergreifende Bewirtschaftung des Rotwildes, Strategien und Methoden“.

Durch verstärkte Eingriffe in den Nachwuchs sei „der Motor der Population“ zu stoppen. Das gelte ebenso für das Schwarzwild, wobei die Klasse der Frischlinge auf 50 Kilo zu erweitern sei und bei Drückjagden auf Rotwild nur Kälber freigegeben sein sollten.

Eine korrekte Altersbestimmung durch den Schützen sei Voraussetzung und zudem ein Gebot des Muttertierschutzes, da verwaiste Jungtiere vom Rudel ausgestoßen würden. Um Wildschäden zu minimieren, wofür zumeist die stete Beunruhigung des Wildes die Ursache sei, müssten störungsfreie, schwer zugängliche Ruhezonen samt Äsungsflächen eingerichtet werden. Erfolgversprechend seien hierbei revierübergreifende Konzepte sowie eine Besucherlenkung fernab der Forstwege. Denn das sei angesichts der vielfältigen Inanspruchnahme von Wald und Flur Fakt: „Das Wild hat keine Ruhe; es weiß bald nicht mehr, wohin. Uneinsichtige Hundehalter, die ihre Tiere nicht anleinen, verschärfen das Problem.“

Weitblick mahnte der Fachmann bei den rund 50 anwesenden Revierinhabern und Jagdausübenden an. Revierübergreifende Drückjagden seien zeitgleich maximal über vier Stunden hinweg flächendeckend und mit jeweils reviereigener Jagdleitung durchzuführen. Das erfordere eine gemeinsame generalstabsmäßige Planung, umfassende Information, Checkliste und Disziplin. Markett sparte auch nicht mit Kritik. „Uns geht immer mehr das Handwerkliche flöten.“ Und mit Blick auf das in den aktuell installierten Arbeitskreisen erörterte Jagdgesetz: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“

In seinem Bericht gab der Vorsitzende, Forstdirektor Klaus Lomnitz, bekannt, dass die im Vorjahr anvisierte kostenträchtige Scheinwerfertaxation zur zahlenmäßigen Erfassung des Rotwildbestandes mangels Sponsoren ausfiel. Auch das Bejagungsziel von 70 Stücken wurde nicht erreicht und daher das neue auf 60 abgesenkt. Da erkennbar viele junge Hirsche nachwachsen, aus wildbiologischer Sicht aber nur einige alte für die Bestandserhaltung bedeutsam sind, ließ Matthias Borgmann als Rotwildsachverständiger über ein auf zunächst fünf Jahre begrenztes Pilotprojekt abstimmen. Mehrheitlich votierte die Versammlung für den Vorschlag, der vorsieht, dass der Klasse II zuzurechnende ungerade Kronenhirsche bis zum Zwölfender laut jährlichem Bejagungsplan mit einem 15 Prozent-Anteil freigegeben werden. Die bestveranlagten Hirsche der Klasse I sollen so das angestrebte hohe Alter erlangen.

Erstmals hing der Kopfschmuck eines solchen, der zwar noch dicke Kurzstangen, aber altersbedingt kein Geweih mehr entwickelte, an der Trophäenwand. Die Freude darüber wurde noch getoppt: Per Wiederwahl bleibt Professor Dr. Lothar Reinken für weitere vier Jahre im Amt des 2. Vorsitzenden. „Dann sind’s 20 Jahre, und bis dahin sollten Sie einen neuen haben“, kündigte er an. ▪ As

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