500 Jahre Windebrucher Geschichte

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Im Windebrucher Fischerheim versammelten sich die Zuhörer, um einen Blick in die Geschichte zu werfen. ▪

WINDEBRUCH ▪ Zu einem „Parforceritt“ durch 500 Jahre Windebrucher Geschichte, wie sie sich in alten Karten und Dokumenten widerspiegelt, waren kürzlich alle eingeladen, die sich für die Vergangenheit des an der Lister gelegenen Ortes interessierten.

„Sie werden froh sein, dass Sie erst heute hier leben“, prophezeite Christian Voswinkel, der Vorsitzende des Heimatvereins, vor seinem Vortrag im Restaurant Fischerheim, wo die Geschichtswerkstatt diesmal geöffnet war. Karge Lebensumstände und Armut prägten nämlich das Leben der Bewohner des an der Grenze zum Kölnischen und am Rande des Kirchspiels Valbert gelegenen Ortes und der umliegenden Ortschaften über Jahrhunderte.

In einer Auflistung über Kölnische Fehdeschäden wird Windebruch vor rund 500 Jahren erstmals erwähnt, und die schwierige Lage zwischen der Gerichtsbarkeit der Grafen von der Mark und dem Kölner Erzbischof prägte das Leben vieler Anwohner. Nur wenige brachten es zu bescheidenem Wohlstand oder gar Reichtum wie etwa der Hammerbesitzer Hasse oder Hase, dessen Vermögen mit 600 Goldgulden belegt ist.

Es ist erst 198 Jahr her, da besaß kaum jemand in diesem Landstrich auch nur eine Kuh, geschweige denn andere Tiere, die zur Arbeit auf dem Feld herangezogen oder als Nahrung dienen konnten. Ganze 22 Kühe und zwei Kälber wurden in einer Auflistung von 1814 erfasst. Die meisten Anwohner waren in den niedrigsten Steuerklassen veranschlagt.

Noch im Jahre 1869 war der Schulbesuch für die meisten Kinder frühzeitig beendet, da sie zur Arbeit auf dem Hof, herangezogen wurden, was in der so genannten Hirtenliste belegt ist. Viele Verträge wurden mit drei Kreuzen unterzeichnet. Analphabetentum war weit verbreitet.

Da alle Kinder zu gleichen Teilen erbberechtigt waren, wurde der Landbesitz in immer kleinere Parzellen eingeteilt. Alte Fotos zeigten einen wahren Flickenteppich, der sich erst nach dem Bau der Sperrmauer und der Anstauung der Listertalsperre, bei der auch zwei Dörfer geschluckt werden, wieder zurückbildet.

Durch die Listertalsperre bekommt auch Windebruch schließlich ein neues Gesicht: Häuser werden gebaut, Touristen kommen, viel Geld fließt und der Wohlstand wächst. ▪ luka

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