100 Jahre Frauenhilfe im Ebbedorf Valbert

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Mit Blumen für die Vorsitzende und einer Einladung zum Museums- und Cafébesuch sowie einer Besichtigung der Erlöserkirche in Lüdenscheid bedankte sich Superintendent Klaus Majoress für das Engagement der Frauen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ 100 Jahre evangelische Frauenhilfe Valbert, 100 Jahre ehrenamtliches Engagement – wenn das kein Grund zum Feiern ist! Heute gehören 107 Frauen zur Frauenhilfe Valbert.

Am Sonntag feierten sie das Jubiläum zunächst mit einem Gottesdienst mit Pastor Winterhoff, bei dem Katja Jochum vom Frauenhilfe-Landesverband Westfalen die Predigt hielt, und einem anschließenden Kaffeetrinken im Gemeindehaus mit weiteren Gästen, darunter auch der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, Klaus Majoress.

„Eingebunden in die Gemeinde haben Sie Verantwortung übernommen, und leisten diakonische Hilfe. Dadurch prägen und gestalten Sie die Gemeinde mit,“ würdigte Klaus Majoress das langjährige und, wie er betonte, nicht selbstverständliche ehrenamtliche Engagement, für das er sich auch im Namen des Kirchenkreises bedankte und dessen Glückwünsche er überbrachte. Durch die Spenden und Sammelaktionen der Frauenhilfe könnten außerdem weitere diakonische Einrichtungen unterstützt werden.

Majoress erinnerte auch an die Anfänge der Frauenhilfe. Ende des 19. Jahrhunderts war von Kaiserin Augusta Viktoria ein Aufruf an alle evangelischen Frauen ergangen, sind in den Gemeinden zu kirchlichen Hilfsvereinen zusammenzuschließen. Denn durch die fortschreitende Industrialisierung herrschte in den Arbeiterfamilien oft große Not. Soziale Missstände und geistliche Verarmung waren in vielen Gemeinden anzutreffen, und der gesellschaftliche Wandel brachte manche Verunsicherung mit sich. Daher fiel der Aufruf der Kaiserin auf fruchtbaren Boden. Immer mehr „Frauenhülfen“, wurden in der Provinz Westfalen und auch im Kirchenkreis Lüdenscheid gegründet, um die Not zu lindern und die Gemeinschaft zu pflegen. 1906 erfolgte die Gründung des Provinzialverbandes der Westfälischen Frauenhülfe in Witten. Sechs Jahre später sammelten sich auch in Valbert engagierte Frauen.

Die Chronik der Kirchengemeinde Valbert berichtet, dass Pfarrer Erich Villbrand am 20.Februar 1912 einen Frauenverein gründete. Leider gibt es in den Unterlagen keine Informationen darüber, wie viele Frauen zusammenkamen oder ob es einen Vorstand gab. In alten Dokumenten des Pfarrers, die der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Voswinkel, den Frauen am Sonntag neben alten Ansichten von Valbert präsentierte, heißt es dazu: „Der Frauenverein wurde zunächst als Frauenmissionsverein gegründet. Es ist schwierig, in der großen Gemeinde ein einheitliches Vereinswesen aufrecht zu erhalten. Man wird gut tuen, die Frauen auf den Höfen mit Rohstoffen zu versehen und zu beschäftigen. Zu den Jahresfesten kommen sie dann zusammen und hören von der Wirksamkeit des Verbandes im Großen. Wir haben uns später dem Verband der Frauenhülfe unter dem Protektorat der Kaiserin angeschlossen. Der Jahresbeitrag beträgt zwei Mark, die Mitgliederzahl 270! Das Geld ist zum Teil für die Soldaten, zum Teil für Krankengeräte verwandt. Eine Nähmaschine und ein Vereinsschrank wurden angeschafft. Das Vermögen des Vereins beträgt gegenwärtig, im April 1917, etwa 1300 Mark. 1000 Mark sind in Kriegsanleihen angelegt.

Außerordentlich segensreich ist die Tätigkeit des Frauenvereins im Krieg gewesen. Hunderte von Hemden und Strümpfen wurden angefertigt. Hundert von Paketen an die Soldaten abgesandt. Für die Zukunft wird die Tätigkeit auf dem Gebiet der Kranken- und Säuglingspflege liegen. Auch werden armen Konfirmanden Anzüge bzw. Kleider und Schuhe zur Konfirmation besorgt. Frau Walter Selve nahm die Ehrenmitgliedschaft des Vereins an und spendete einmal 50 und einmal 500 Mark. Kaum eine Frau hat sich vom Frauenverein ausgeschlossen.“

An anderer Stelle heißt es: „Erwähnen will ich noch, dass wir vor dem Krieg besonders für die Armen genäht haben. Zu Weihnachten machte ich dann etwa 20 Pakete fertig mit Hemden, Strümpfen, Unterröcken, Nachtjacken, Bettzeug und anderem. Manchen wurde das Paket nicht gegönnt! Jetzt im Krieg ist die Tätigkeit durch die Beschlagnahme der Rohstoffe wie Wolle und Tuch lahmgelegt. Die Jungfrauen habe ich sonntags oft versammelt zu Sang und Spiel. Sie haben mir auch dann besonders geholfen, die kleinen Pfundpakete für die Soldaten zu Tausenden fertig zu machen. Inhalt waren Zigarren, Tabak, Esswaren (hörte schließlich auf), Lampen, Messer etc. und ein hektographierter Brief mit dem Wichtigsten aus der Gemeinde und seelsorgerischer Mahnung und Trost.“

Wie das Leben der Frauen zur Zeit der Vereinsgründung aussah, schilderte die zweite Vorsitzende der Frauenhilfe Valbert, Marlene Voßkuhle, in einem Gedicht über die vermeintlich „schöne gute alte Zeit“. Dazu trug sie die damals übliche Kleidung.

Frauenhilfe heute, das ist gute Laune, das sind interessante Themen, eine frohe Gemeinschaft an jeden dritten Dienstag im Monat um 14.30 Uhr im Gemeindehaus. Das sind Frühlings- und Sommerfeste, das nächste am 19. Juni. Außerdem Reiseberichte und Diskussionen über brennende Fragen, Lieder und biblische Geschichten oder Besuche und Begegnungen und immer noch das Engagement für die Gemeinde und Hilfe für Menschen in Notlagen.

Als symbolisches Geschenk überreichte Pfarrerin Katja Jochum der ersten Vorsitzenden der Frauenhilfe, Ursula Schröder, ein Herz in den Farben der Frauenhilfe und einen gelben Kranz: „Das ist das Herz der Entscheidung, dass Euch bei künftigen Entscheidungen darüber, welche Richtung Ihr in Eurer Arbeit einschlagen wollt, unterstützen soll, damit es Segenswege sein mögen. Mit dem Kranz wünsche ich Euch immer wieder helle Stunden, Gnadenmomente.“

Klaus Majoress lud die Frauen in Anerkennung ihre Arbeit zu einem Besuch des Lüdenscheider Museums ein, mit anschließendem Kaffeetrinken im Museumscafé und einer Besichtigung der Erlöserkirche.

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