200 Jahre alte Buche gestohlen

Eine Messung brachte es an den Tag: Der Stamm maß stolze 1,30 Meter.

MEINERZHAGEN ▪ Wer andere bestiehlt, ist ein schlechter Mensch.

Besonders verwerflich ist es allerdings, sich an kirchlichem Eigentum zu vergehen. Genau das ist allerdings im Waldgebiet „Lingelchen“ passiert. Dort stand, mitten im „Kirchwald“, seit etwa 200 Jahren eine Buche, die im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Baum heranwuchs. Seit wenigen Tagen ist von dem einst imposanten Gewächs allerdings nur noch ein trauriger Stumpf übrig, der Rest ist schlicht und einfach verschwunden.

Forstarbeiter Rüdiger Müller, in diesem Bereich neben der Ortslage „Im Brannten“ oft unterwegs, hatte schon vor einiger Zeit beobachtet, dass die Buche gefällt worden war. Da er hier aber zurzeit nicht tätig ist, kam dem Meinerzhagener an der „Aktion“ zunächst nichts verdächtig vor. Das änderte sich am Montag, als Müller zufällig entdeckte, dass der Stamm nun komplett verschwunden war. „Ich habe mich dann mit dem für den Wald der evangelischen Kirchengemeinde zuständigen Forstbeamten in Verbindung gesetzt und gefragt, ob die Buche offiziell gefällt worden sei. Der verneinte und dann war mir klar: sie wurde gestohlen.“

Auch die Polizeibeamten, die am Dienstag zusammen mit Rüdiger Müller den Tatort in Augenschein nahmen, waren angesichts des dreisten Vorgehens erstaunt: „So etwas hatten wir noch nicht.“ Sie fertigten eine Anzeige wegen „Diebstahls“ an. In diesem Zusammenhang bittet die Polizei mögliche Zeugen der illegalen „Fäll-Aktion“, sich unter Tel. (0 23 54) 9 19 90 zu melden.

Nicht nur das Fällen des Stammes, der es auf 1,30 Meter Durchmesser brachte, muss erheblichen Lärm verursacht haben, auch das Zersägen mit schwerem Werkzeug kann nicht lautlos über die Bühne gegangen sein. Außerdem war der Abtransport des tonnenschweren Holzes wohl nur mit einem größeren Transporter möglich, der bis in das Waldstück hinein gefahren sein muss. „Normalbürger“ wie Anwohner dieses Bereiches dürften sich allerdings kaum etwas dabei gedacht haben – dass im Wald ein Baum gefällt wird, ist schließlich fast an der Tagesordnung. Selbst wenn ein skrupelloser Zeitgenosse das Holz für den Eigenbedarf geschlagen hat, handelt es sich dabei keineswegs um ein Kavaliersdelikt, das macht auch die Polizei deutlich. Illegal Holz zu schlagen ist Diebstahl – und damit eine Straftat.

Rüdiger Müller weiß allerdings, dass Holz durchaus begehrtes Diebesgut ist. „Allein aus dem Jahr 2010 sind mir vier Taten bekannt. Damals handelte es sich bei der Beute allerdings jeweils um fertig zugeschnittenes Brennholz. Die Scheite lagen schon fertig am Wegrand, als sie gestohlen wurden. Von so etwas wie diesem Fall habe ich allerdings noch nie gehört“, ist der Forstexperte fassungslos angesichts der Dreistigkeit der Buchen-Diebe. Und auch Norbert Pusch, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, reagierte verwundert, als ihm der Fall vorgetragen wurde: „Holz wird schon gestohlen – aber ein ganzer Baum, das ist nicht alltäglich.“

Sollte die Beute als Brennholz verkauft werden, schätzt Rüdiger Müller ihren Wert auf etwa 1200 Euro. Eine Versicherung, die den Schaden deckt, gibt es nicht. ▪ beil

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