IT-Bunker oder doch nur ein „Gewächshaus“?

Für das ehemalige Warnamt an der Heerstraße ist noch immer keine Nutzung in Sicht. ▪ Archivfoto

MEINERZHAGEN ▪ In der untersten Etage ist es permanent etwa zehn Grad Celsius kalt, im obersten Geschoss zeigt das Thermometer das ganze Jahr über relativ konstant um die 17 Grad an.

Der viergeschossige ehemalige Warnamts-Bunker an der Heerstraße 5 , der seit dem Ende des „kalten Krieges“ leer steht, ist alles andere als gemütlich. Doch er ist ein Stück Zeitgeschichte und er bietet Bedingungen, die für manches Unternehmen ideal sind.

So beispielsweise für Betreiber von Rechenzentren. Ein großer Teil der Energie wird in einem solchen Betrieb in die Kühlung der Rechner gesteckt. Würden die im Bunker am Schnüffel aufgestellt, würde die Umgebung für die Kühlung sorgen. „Green IT“ lautet das Stichwort, denn nicht nur Wind- und Wasserkraft könnten die Umwelt entlasten, auch die Kälte im Erdreich würde Energieeinsparungen in erheblichem Umfang ermöglichen. Kaum verwunderlich also, dass es bereits Anfragen von Computerfirmen gab, die sich für die Bunker-Anlage interessierten.

Peter Henrich, Geschäftsführer der Brinkmann Henrich Medien GmbH und Mitbesitzer des Bunkers, kann allerdings keinen „Vollzug“ melden, der potenzielle Interessent sprang wieder ab. Das lag vor allem daran, dass die Anbindung des Industriegebietes am Schnüffel an die modernen „Datenautobahnen“ so schlecht ist, dass der Betrieb eines Rechenzentrums derzeit wohl kaum realisierbar ist. „Ich habe zuhause eine schnellere Datenverbindung als in der Firma“, ist Henrich mit dem „Status Quo“ alles andere als zufrieden. Tun kann er allerdings nicht viel, „abwarten“ lautet die Devise.

Immer wieder hatte es auch Anregungen gegeben, den beeindruckenden Bunker touristisch zu nutzen. Was mit dem einst für die „Verfassungsorgane“ bestimmten Bunker bei Ahrweiler – mittlerweile ein Museum – möglich ist, sollte doch auch in Meinerzhagen funktionieren. Danach sieht es allerdings zurzeit nicht aus. „In dieser Richtung gibt es überhaupt nichts Neues“, erläuterte Peter Henrich gestern auf MZ-Anfrage. Bekanntlich hatte es auch Überlegungen gegeben, die Anlage im Zuge des Strukturförderprogramms Regionale für Besucher zu reaktivieren.

Von dem Luftschutzbunker aus wäre bei großen Gefahrenlagen wie atomaren Angriffen eine Warnung der Bevölkerung erfolgt. 17 Meter geht es „nach unten“. Das vierte Geschoss hat allerdings nur eine sehr niedrige Deckenhöhe und ist nur durch eine Luke im Boden zu erreichen. Ende 2009 führte Peter Henrich eine Besuchergruppe durch den Bunker, mit dabei war auch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper. Sie können sich eine touristische Nutzung der Anlage durchaus vorstellen, zeigte sich Dienstel-Kümper damals beeindruckt. „In ehemaligen Munitionsbunkern in Hessen werden Speisepilze gezüchtet, aber das wäre für das Warnamt doch zu schade“, befand die Kreisdirektorin. Zurzeit stehen am Schnüffel allerdings nicht einmal die Pilzzüchter Schlange. ▪ beil

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