Corona und der Glaube

Islamische Gemeinde: „Verzichten auf alles, was verzichtbar ist“ 

Der Koranunterricht findet in der islamischen Gemeinde Meinerzhagen inzwischen online statt.
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Der Koranunterricht findet in der islamischen Gemeinde Meinerzhagen inzwischen online statt.

„Wir verzichten momentan auf alles, was verzichtbar ist“, sagt Osman Batgün. Die Corona-Pandemie hat auch seine islamische Gemeinde fest im Griff.

Meinerzhagen – In der Moschee am Siepener Weg finden keine Veranstaltungen mehr statt. Der Gemeinde-Vorstand um den Vorsitzenden Batgün versucht lediglich, im Rahmen des Erlaubten das religiöse Leben einigermaßen aufrechtzuerhalten.

Maximal zehn Gläubige in der Moschee

Täglich wird zu fünf Gebeten in die Moschee eingeladen. Früher kamen viele Gläubige, um mit Hodscha Özkan Varli zu beten. Das ist inzwischen anders. „Maximal zehn Gläubige versammeln sich noch zu den Zeiten in der Moschee, die in ihren Gebetskalendern festgelegt sind“, erläutert der Vorstand.

Raum dazu ist genügend vorhanden. „Wir dürften 80 Personen einlassen, das tun wir aber nicht. Der Vorstand hat festgelegt, dass sich maximal 40 Menschen in der Moschee aufhalten dürfen, natürlich unter Beachtung aller Regeln, die in der Corona-Schutzverordnung festgelegt sind. So viele kommen aber bei Weitem nicht“, hat Batgün festgestellt, und er fügt hinzu: „Corona macht den Menschen Angst.“

Online-Islamunterricht

Das Virus hat nicht nur Auswirkungen auf die Religionsausübung der Erwachsenen. Auch der Nachwuchs muss sich einschränken. Normalerweise würden jetzt etwa 130 junge Koranschüler in der Moschee unterrichtet. Das wäre die Aufgabe von Imam Özkan Varli und Imamin Emine Dogru. Aufgeteilt in Jungen- und Mädchengruppen, würden sie jetzt in der Moschee am Siepener Weg im Lesen des Korans unterrichtet. Das geht natürlich nicht mehr. „Wir sind deshalb auf den Online-Unterricht ausgewichen“, hat Osman Batgün eine Notlösung eingeführt.

Klappt das? Ist der Unterricht noch effektiv? „Das ist besser als nichts“, hat der Vorstand eine eher pragmatische Haltung zu dieser Unterrichtsform. Da sei beispielsweise die nicht optimale Anbindung an das Internet, sowohl in der Moschee als auch bei vielen Jugendlichen zuhause, die Probleme bereite, erläutert Batgün. Und obwohl der Online-Unterricht recht gut angenommen werde, wie der Hodscha berichte, sei das Lernen am Computer halt nicht dasselbe wie von Angesicht zu Angesicht in der Moschee, fügt der Vorstand hinzu. „Auf jeden Fall wollen wir unbedingt versuchen, den Stundenplan für die Jugendlichen voll aufrechtzuerhalten“, hat sich Batgün vorgenommen.

Enger Kontakt mit Gesundheitsbehörden

Die Infektionslage in der islamischen Gemeinde sei wie überall anderswo auch: „Wir hatten und haben einige Infizierte. Aber wir stehen auch in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden. Im Vorstand sind auf jeden Fall alle gesund, und auch der Imam und die Imamin sind nicht erkrankt“, berichtet Batgün.

Auch in der Gemeinde setzen viele die Hoffnung nun auf eine Impfung. „Aber es gibt auch bei uns einige Skeptiker, die dem Impfstoff noch nicht trauen. Die Mehrheit ist aber wohl bereit dazu, sich den Impfstoff spritzen zu lassen“, hat der Vorstand festgestellt.

Moschee-Umbau stockt

Die Moschee sollte eigentlich bald umgebaut werden. Die Pläne dazu sind weit gediehen. „Vor Corona hatten wir gehofft, den ersten Spatenstich im Jahr 2023 vornehmen zu können. Jetzt wird das aber wohl erst 2024 oder sogar noch später möglich sein“, beschreibt Osman Batgün eine weitere Folge der Pandemie. Bei dieser Verzögerung spielt das Geld eine große Rolle. Der Umbau ist teuer, ein Teil soll mit Spenden finanziert werden. „Weil aber viele Gemeindemitglieder Kurzarbeit machen, fehlen ihnen zurzeit die Mittel, um in den Spendentopf einzuzahlen – das ist verständlich“, erläutert Batgün.

Was genau am Siepener Weg entstehen soll, das könnte noch in diesem Jahr öffentlich werden. Batgün: „Wir arbeiten derzeit an einer Homepage, auf der alle Pläne eingestellt werden sollen. Wenn alles gut läuft, wird die noch 2020 online gehen.“

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