Politik soll Weg freimachen

Investor will Schullandheim im MK abreißen - und hat andere Pläne

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Noch zeugt das Schild von der Geschichte als Schullandheim: Derzeit ist dort noch die Awo-Kita „Farbenspiel“ untergebracht, aber nach deren Umzug könnten die Bagger rollen.

Meinerzhagen - Erst Schullandheim, dann Interims-Kita und bald der Abriss? Das Haus Lyck könnte bald schon Platz machen für ein neues Konzept.

Offenbar will eine Investorengruppe das Gelände für den Bau eines Wohn- und Pflegeheims für Senioren nutzen. Das geht aus einer Vorlage hervor, die der Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt am kommenden Mittwoch, 5. Februar, 17 Uhr, Ratssaal, vor der Brust hat. Demnach ist der Architekt der Investoren bereits im vergangenen Jahr an die Stadt herangetreten, um entsprechende Pläne vorzustellen. Allerdings ist dafür nicht nur der „Rückbau“ der bestehenden Immobilie, sondern auch ein Bebauungsplan notwendig, den es für diesen Bereich noch nicht gibt. Denn: Die Pläne sehen ein Geschoss mehr vor als aufgrund der umgebenden Bebauung zulässig ist. Daher müssen Ausschuss und Rat (Sitzung am 10. Februar) über die Aufstellung eines Bebauungsplans entscheiden. 

Den Antrag dazu hat die Investorengruppe bereits am 5. Dezember gestellt, verbunden mit der Ankündigung, die Kosten für die Bebauungsplanaufstellung übernehmen zu wollen. Die Stadtverwaltung Meinerzhagen macht aus ihrer Unterstützung für das geplante Projekt keinen Hehl, schlägt den Politikern vor, dieser Maßnahme zuzustimmen, „da insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung auch in Meinerzhagen in Zukunft wohl eine erhöhte Nachfrage nach seniorengerechten Wohn- und Pflegeheimplätzen auftreten wird.“ Diesen Bedarf habe auch der Märkische Kreis bestätigt. Zudem würden Arbeitsplätze im Bereich der Altenbetreuung und -pflege geschaffen. In das Umfeld würde sich ein Wohn- und Pflegeheim ebenfalls eingliedern lassen, da bereits verschiedene soziale Einrichtungen im Bereich der Butmicke ansässig sind (geplante Kita, Tagespflegeeinrichtung).

Erstellt werden könnte der Bebauungsplan im sogenannten beschleunigten Verfahren, da es sich um einen Plan der Innenstadtentwicklung handelt. Damit ist lediglich eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie von Behörden per Auslegung der Unterlagen notwendig. Umweltprüfung oder Ausgleichsmaßnahmen für zu erwartende Eingriffe in die Natur und Landschaft seien nicht notwendig.

Aber wer steckt hinter der Investorengruppe? Dazu findet sich in der öffentlichen Vorlage der Verwaltung keinerlei Hinweis. Und auch Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar wollte sich dazu gestern aus Datenschutzgründen auf Anfrage der MZ nicht zum Hintergrund der Investoren äußern. Der Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt beschäftigt sich am Mittwoch, 5. Februar, ab 17 Uhr öffentlich mit dem Thema. Der Stadtrat wird anschließend am Montag, 10. Februar, über die Vorlage entscheiden.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass ein privater Investor die Jugendherberge gekauft hat. Er hat große Pläne. 

Haus Lyck, von der Einweihung bis zur Schließung:

Das Schullandheim im Brannten befand sich seit 1962 im Besitz der Stadt Hagen. Eingeweiht wurde die Einrichtung am 1. Dezember 1962 als „Haus Lyck“ – mit Bezug zum gleichnamigen Partnerkreis der Stadt Hagen in Polen (heute Elk). Probleme mit der Finanzierung der Anlage gab es dabei immer wieder: Schon nach zehn Jahren wollte Hagen den Betrieb des Schullandheims aufgrund ständig steigender Kosten abstoßen. Es dauert elf weitere Jahre, bis es tatsächlich so kam: Zur Übernahme der Trägerschaft gründete sich der Schullandheimverein Meinerzhagen, der den Betrieb zum 1. Januar 1984 eigenverantwortlich übernahm. Diese Trägerschaft dauerte bis Ende 2017 an – die Stadt Hagen stieß die Anlage, die unrentabel und im Haushalt nicht mehr darstellbar war, ab. Damit endete auch die Ära der langjährigen Herbergseltern Christel und Otmar Burja, die in guten Jahren bis zu 6000 Übernachtungen im Haus Lyck zählten. Nach dem Aus des Schullandheims profitierte die Arbeiterwohlfahrt von dem zum Verkauf, aber zunächst leer stehenden Gebäude: Aufgrund der Verzögerungen auf der benachbarten Baustelle für die neue Awo-Kita dient das Haus Lyck seit Anfang 2018 als Übergangslösung, die in diesem Jahr von einem Neubau an der Birkeshöh abgelöst werden soll.

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