„Wir wollen eine zukunftsfähige Infrastruktur“

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Seit Oktober ist Susanne Kämmerer die Kämmerin der Stadt Meinerzhagen. Die Verwaltungsfachwirtin aus Freudenberg ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn.

Meinerzhagen - Susanne Neumann ist seit Oktober Kämmerin der Stadt Meinerzhagen. Im Rat stellte sie in der vorigen Woche ihren ersten Haushaltsplan für 2018 vor, den ersten ausgeglichenen Haushalt seit Jahren. Im Interview mit MZ-Redakteur Johannes Opfermann sprach sie über den Haushalt für das kommende Jahr.

In vielen Städten ist der Kämmerer zugleich ein Beigeordneter, der dem Bürgermeister direkt berichtet. In Meinerzhagen steht zwischen Ihnen und Bürgermeister Jan Nesselrath noch Fachbereichsleiter Helmut Klose. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Susanne Neumann: Ein Kämmerer, der auch Beigeordneter ist, hat viele zusätzliche Aufgaben in Organisation und Verwaltung. Unsere Aufstellung hat demgegenüber deutliche Vorteile. Ich habe mehr Möglichkeiten, mich auf meine Kernfunktion zu konzentrieren, Dinge vorauszuplanen, anzusprechen und zielgerichtet umzusetzen: Es bleibt einfach mehr Zeit für fundierte Analysen und Erörterungen. Natürlich steht auch mir der „direkte Draht“ zum Bürgermeister zur Verfügung, aber optimal ist es, über seinen allgemeinen Vertreter in der Verwaltung zu agieren. Diese Konstellation wirkt sich insgesamt positiv auf die strukturelle Entwicklung von Arbeitsprozessen und auf das operative Arbeiten aus.

Der Haushaltsplan für 2018 war Ihr erster für Meinerzhagen. Wie schwierig war es sich in kürzester Zeit einzuarbeiten und zugleich auf ein neues Finanzsystem umzustellen?

Neumann: Mein Arbeitsbeginn am 1. Oktober lag unmittelbar in der „heißen“ Haushaltsplanphase. Dabei war mir sehr von Nutzen, dass ich die neue Finanzsoftware, die in Meinerzhagen gerade implementiert wurde, bereits kenne. So konnte ich von Anfang an direkt in die Arbeit einsteigen und die Kolleginnen und Kollegen bei der Haushaltsplanerstellung tatkräftig unterstützen.

Was ändert sich mit dem neuen Finanzsystem?  

Neumann: Mit dem Einsatz der neuen Finanzsoftware verschlanken wir die bisherige Gestaltung und machen sie lesbarer. Zum Beispiel wurde die Anzahl der Produktpläne im Vergleich von über 100 auf 73 reduziert, sodass sich die neue Zusammenfassung jetzt konkret an den von der Verwaltung zu erbringenden Leistungen orientiert und so viel transparenter ist. Außerdem haben wir erstmals eine Kosten- und Leistungsrechnung für das zentral geführte Gebäudemanagement eingearbeitet. Die neue Darstellung gibt den Blick auf eine Gesamtdarstellung aller Kosten für die zu unterhaltenden und zu bewirtschaftenden städtischen Gebäude frei. Diese Betrachtung fördert die Vergleichbarkeit und Messbarkeit unserer Verwaltungsleistung. Entwicklungsverläufe und Zielvereinbarungen können so besser gemessen werden.  

Was sind denn die Herausforderungen und Besonderheiten im Meinerzhagener Haushalt im Vergleich zu anderen Kommunen? 

Neumann: Eine Herausforderung ist der Haushalt der Stadt Meinerzhagen für mich vor allem in positivem Sinne, da es sich bei Meinerzhagen um eine gut strukturierte Flächenkommune handelt, die sehr gut verwaltet und geführt wird. Wir verzeichnen ein stabil hohes Investitionsvolumen, das Meinerzhagen als konstant attraktiven Wirtschaftsstandort auszeichnet. Hier setzt man Zeichen für eine langfristige und zukunftsfähige Entwicklung. Eine Vergleichbarkeit mit anderen Kommunen ist – abgesehen von den Grunddaten des Finanz- und Lastenausgleichs – aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten kaum möglich, würde aber insofern für Meinerzhagen sicher positiv ausfallen.  

Wo wird denn investiert?  

Neumann: Die Stadt investiert in vielen Bereichen in eine moderne Infrastruktur und in echte Zukunftsprojekte, was man ja an vielen Stellen direkt erkennen kann. Es ist fast exemplarisch, wie sich die Stadtentwicklung hier vollzieht. Außerdem sind in allen sozialen Themengebieten Investitionen geplant, beispielsweise in den Schulen sowie in den Bereichen für Kinder-, Jugend- und Sportstätten in 2018 und den Folgejahren. Dabei zielen alle Maßnahmen darauf ab, auf allen Ebenen eine zukunftsfähige Infrastruktur zu erhalten oder zu schaffen. Dieser Punkt ist mit entscheidend für die langfristige Lebensqualität einer Stadt, und nur so erreichen wir beispielsweise auch den Zuzug von Familien und die Ansiedlung von Gewerbetreibenden. 

Wie realistisch ist es, beide Freibäder in Meinerzhagen und Valbert zu erhalten?  

Neumann: In den vergangenen Jahren hat die Stadt keine einzige der freiwilligen Leistungen – und dazu gehören auch der Erhalt und der gewohnte Betrieb der Bäder – gekürzt oder gestrichen. Gleichzeitig ist es gelungen, in nur sechs Jahren zu einem ausgeglichenen Haushalt zu kommen. Das sagt zum einen viel über die wirtschaftliche Situation und das umsichtige finanzielle Haushalten hier in der Stadt aus. Zum anderen hatte der Bürgermeister ganz klar zugesagt, auch in dieser schwierigen Zeit keine Leistungen, ob bei den Sportstätten oder in anderen Bereichen, zu kürzen. Nachdem die gute Arbeit nun auch Form von schwarzen Zahlen sichtbar wird, gilt diese Priorität auch ganz bewusst für die kommenden Jahre. Der Haushaltsplan für 2018 ist ausgeglichen, es gibt sogar einen Überschuss von mehr als 850 000 Euro.  

In den nächsten Jahren sollen die Überschüsse sogar noch wachsen. Was machen Sie mit dem Geld? 

Neumann: Wir wollen insbesondere die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Stadt sicherstellen und damit ermöglichen, dass Überschüsse dann für weitere Investitionen zur Verfügung stehen können: Im Jahresabschluss 2018 wollen wir den Haushaltsausgleich zunächst wieder verwirklichen. Zuvor ist es vorgesehen, mit den erwirtschafteten Überschüssen den bisher aufgenommenen Kassenkrediten mit Rückzahlungen entgegenzuwirken. Sollte das der Stadt Meinerzhagen wie geplant gelingen, so kann sie das Zins-Risiko durch steigende Zinsen um bis zu 80 Prozent in der mittelfristigen Finanzplanung reduzieren.

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