Neuer Lehrer für die „Inklusion“

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Tobias Lautwein freut sich auf die neuen Aufgaben in Meinerzhagen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Die Inklusion hat an der Kohlbergschule eine lange Tradition: Schon 1998, nur ein Jahr nach Schulgründung, lernten Kinder mit und ohne Förderbedarf zusammen in einer Klasse. Jetzt hat die Grundschule für diesen gemeinsamen Unterricht einen neuen Lehrer bekommen. Tobias Lautwein unterstützt die Mädchen und Jungen mit Förderbedarf.

„Wenn man in die Klasse reinkommt und gar nicht merkt, wer Förderbedarf hat, läuft es gut“, findet Lautwein. Im Januar hat der 26-Jährige sein Referendariat an einer Grundschule in Siegen abgeschlossen. Seit gut einem Monat betreut er die Förderkinder an den Grundschulen Rothenstein und Kohlberg. Nebenbei absolviert er eine Zusatzausbildung zum Sonderpädagogen.

Bisher kamen nur stundenweise Förderlehrer von der Schule Volmetal an die Kohlbergschule und an die Grundschule Rothenstein. Doch immer mehr Eltern entscheiden sich dafür, ihre Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an einer Regelschule anzumelden. Daher richtete das Schulamt des Märkischen Kreises jetzt die neue Lehrerstelle ein.

Für Tobias Lautwein ein echter Glücksfall, erzählt er: „Ich habe mich zwar auch auf normale Grundschullehrer-Stellen beworben. Aber ich habe schon auf eine Stelle im gemeinsamen Unterricht gehofft.“ Nicht alle seine Kollegen, mit denen er im Referendariat war, seien dafür offen gewesen. „Viele können sich unter dem gemeinsamen Unterricht noch nichts vorstellen“, glaubt der 26-Jährige. „Und manche sagen auch, dass sie unbedingt eine eigene Klasse haben wollen.“ Für ihn sei das aber nicht so entscheidend. Im Gegenteil: Die Förderschüler zu betreuen, sei besonders intensiv. „Man baut zu den einzelnen Kindern eine viel engere Beziehung auf“, sagt der Grundschullehrer. „Wenn die Fortschritte machen, fiebert man richtig mit.“

Schon während seines Referendariats betreute Tobias Lautwein ein autistisches Kind. Auf diese Erfahrungen kann er jetzt zurückgreifen. Trotzdem muss er noch viel lernen und hospitiert deshalb bis zum Sommer regelmäßig an der Schule Volmetal. Einmal in der Woche lernt er außerdem am Seminar in Dortmund die Grundlagen der Sonderpädagogik.

An den Grundschulen kann der 26-Jährige die Förderschüler im laufenden Unterricht unterstützen. Manchmal nimmt er die Kinder aber auch zur Einzel- oder Gruppenförderung aus dem Klassenverband heraus. „Das wechselt je nach Fach und Thema“, sagt Lautwein.

Oft sind die normalen Unterrichtsmethoden zu abstrakt für Kinder mit Lernschwierigkeiten. So greifen Förderlehrer im Mathematikunterricht auf kleine Kugeln und Platten oder auf Rechenschieber zurück, weil ihre Schüler mit aufgeschriebenen Zahlen nicht viel anfangen können. „Die müssen das anfassen“, erklärt Tobias Lautwein.

Der Grundschullehrer ist sicher, dass auch die anderen Mädchen und Jungen davon profitieren, wenn er im Unterricht dabei ist. „Natürlich habe ich meine Schüler im Blick“, sagt er. „Aber wenn die anderen sich melden und nicht weiter wissen, helfe ich denen ja auch.“ Auch die sozialen Kompetenzen würden durch den gemeinsamen Unterricht gestärkt. „Die Kinder mit Förderbedarf haben Vorbilder in ihrer eigenen Klasse“, erklärt der Lehrer. „Und die anderen lernen, Rücksicht zu nehmen und zu helfen.“ ▪ cra

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